Full text: Zeitungsausschnitte über Grimmdenkmäler, -feiern, -sammlungen und -museen

A 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 48 
aus 
: Illustrierte Zeitung, Nr. 2782, 1896, Okt.24 
S. 489 
Das 
Uatioiillldenkinal der Drüder Grimm 
in Hanau. 
Dem auf dem Wissensgebiete deutscher Sprache, 
deutschen Rechts und deutscher Literaturgeschichte 
neue Bahnen weisenden edeln Brüderpaar Grimm 
in ihrer Vaterstadt ein Denkmal zu errichten, regte 
noch bei Lebzeiten der hochverdienten Forscher ein 
Hanauer Bürger, Pedro Jung, 1853 an. Doch 
erst 1881 wurde durch den Oberbürgermeister 
Rauch und den Amtsgerichtsrath Rübsam in der 
Vaterstadt der Brüder Grimm diese Anregung 
wiederaufgegriffen; die Angelegenheit im Januar 
1884 m rechten Fluß gebracht zu haben, ist das 
Verdienst des damals am Gymnasium in Hanau, 
jetzt am Kaiser-Friedrichsgymnasium in Frank 
furt a. M. wirkenden Professors vr. Georg Wolfs. 
Noch in demselben Monat kam es in Hanau zur 
Constituirung eines Comics; bald darauf erfolgte 
die Stiftung von Grimm-Vereinen in Hanau, 
Kassel und Göttingen, die ihre Kräfte demselben 
Ziele weihten und Sammlungen veranstalteten. 
Am 100jährigen Geburtstage Jakob Grimm's 
(4. Januar 1885) erschien die Errichtung des 
Nationalmonuments finanziell gesichert. Am 
28. März 1888 wurden elf Künstler zur Concur- 
renz aufgefordert, und am 17. Januar 1889 konnte 
einem Entwurf des Prof. Wiese in Hanau der 
erste Preis ertheilt werden. Schwere Bedenken 
des technischen Ausschusses des DenkmalscomiW 
führten schließlich zum Abbruch der Verhandlungen 
mit Prof. Wiese; am 11. October 1889 wurde 
der Beschluß gefaßt, die im Januar mit dem 
dritten Preis bedachte Modellskizze des Prof. S. 
Eberle in München ausführen zu lassen. Die 
Kosten des Wettbewerbs hatte das preußische Cultus 
ministerium auf den Kunstsonds übernommen, 
übrigens ebenso wie das Oberpräsidium der Pro 
vinz das nationale Werk auch sonst thätig geför 
dert hat. Am 18. October d. I. fand endlich die 
feierliche Enthüllung des Denkmals der großen 
Söhne Hanaus statt, das sich auf der nördlichen 
Seite des Marktplatzes der Neustadt erhebt. 
Auf einem Unterbau steht der mit Reliefs und verzier 
ten Prosilirungen geschmückte Brouzesockel, der die Gruppe 
der Brüder trägt. Wilhelm ist sitzend dargestellt, die Knie 
mit einen: Mantel bedeckt; darauf liegt ein aufgeschlagenes 
Buch, auf das er sich nnt dem linken Arm stützt. Der Blick 
ist ins Weite gerichtet. Zu seiner Rechten steht Jakob, in 
das Buch herniederschauend, als ob er sich der Stelle, die 
den Bruder beschäftigt, vergewissern wolle. Das Relief der 
Vorderseite des Sockels enthält die Inschrift „Jakob und 
Wilhelm Grimm" in einem von zwei Knaben gehaltenen 
bänderumwundenen Lorberkranz, während die Rückseite die 
Inschrift trägt: „Den Brüdern Grimm das deutsche Volk". 
Das Relief rechts zeigt die sitzende Gestalt einer das Märchen 
personificirenden alten Frau, die den vor ihr sitzenden und 
stehenden Kindern Märchen und Sagen erzählt. Auf dem Re 
lief links belehrt ein griechischer Weiser die vor ihm stehenden und 
zu seinen Füßen sitzenden Jünglinge, womit auf die Lehrthätig- 
keit der Brüder hingewiesen werden soll. Die Architektur 
des Sockels ist von Prof. Friedrich Thiersch in München 
entworfen; der Bronzeschaft mit den Reliefs sowie die sitzende 
Figur Wilhelm's wurden in der Rupp'schen Erzgießerei, die
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.