Full text: Zeitungsausschnitte über Goethe

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aus : 1. Beilage zur " Post ", Nr. 297, 
1893, Okt. 29, S. 1 
g C Itt 11C10 u. 
SftetscS von ©ucfrljc itnfc 
teilten 1796. 
fRach ben J&aubfdjrifteti be8 ©oethe» unb Ritter* 
SlrChtOI, h«auSgegeben Don Erich ©djuiibt unb 
SÖernbarb ©upljan. 
©a§ befie ©efd)enf, iuelcl?e8 bisher bie ©oethe* 
©efefffdjaft ihren Üttitgliebevn geboten Bat, liegt 
jefct in einem hübfdjen Paube oor: ©ie gepfefferten 
uni) gefabenen „BEeniett" beS 9Rufenalmanad)8 non 
1797, aber liidjt in ber fffethenfolge, wie fie im 
SDhifenalmanad) ejdftiren, foitbern mie fie in ber 
titfpriiuglich beabflchiigteit Slnorbituttg im 9Jhnu« 
ffripte (©oetheS ^anbejrempiar, au8 bem ©cljiller* 
fdjen ßbgefdjriebeit Don feinem ©efretär (Seift) im 
©oetl)e=$lvcl}iD bisher aufbewahrt mürbe. ES ent* 
hält nicht affe bi« im ffflufenalmauach abgebr tieften 
©ebichte, aber bafiir eine größere 2lnsahl bisher 
noch gang unbefannter Steife. ©er neuen SlnSgabe 
gebt eine hiftorifdje Einleitung Doran8 in einem 
gefpreisten, gefuchten ©tile, ber immer pifant fein 
foff, ber bas einfache, fct)lid)te 2Bort Derfcljmâfjt. 
©er SJerfaffer lüârc feinerjèit ben Pfeilen ber 
heibeit ©ichter nicht entflohen: e8 ift febr frîfabe, 
bafj er fein Valent fo maSfirt. 3ßir fäheit 
[ lieber fein ixatürlidjeS ©efidjt. ©djaute eS etwas 
I einfacher au8, fo märe e§ Doch bann bem ©oetjjefcben 
I Porbilbe äbnlidjer al8 jefct. 
| .©er ©til tiefer • Einfettung ifi bem fd)Iid)ten, 
I ï natürlichen unb hoch immer anfdjauuttgSreifhett 
I immer trepirten Slnêbrncfe ©oetpeS biametral 
f entgegenfefjt. E§ ift beirübeub, in einer Spornte 
I an ©oethe einem ©ah git begegnen, mie ber (©.XV.) 
â ,tft: „2Btc nun afle Ä'räfte fid) betbäftgen unb auS* 
1 leben moiïen, fo martete auch biefe ©abc feit einigen 
Stobren auf einen Slnfiofj, um tu Epigrammen Der* 
• bic&tet ïoëjufdjnrtrren!" Eine au Epigrammen 
» wrbiebtete ©abe, weldje loSffljwirrt; affe Sichtung! 
©a3 ift ber jargon „fenfationSIüftevner" Sountalel, 
aber fcT'ott tm SJorjimmer ©oetbeä füll man anber* 
rebett! ©anj Slngft mirb bem Cefer, meint elf. 
erfährt C©. XXI): „SRatt blieb flreng beim® 
93ionobifiid)on*), brel}te ihm aber baS Sltmife ttadi 
allen ImitmelSgegettben!" ©fl8atute2ftonobtftichoni 
2öie mag fut) ba§ Bei tiefer graufatuen ffSroaeburbe«5 
funbeit haben! hoffen mir, ba§ fte ihm nicht bloSf 
ben .£>al3 umbrehten! — ©. XXIX heißt eS: „5Sirf 
fehenjeht, wteüiel ©duffer in lefeter ©tunbe fitr bief 
BEeuteu gethan hat. Kummer auf Stamme* fiel feit' 
bem Suit unter beit £ifch." ©tatt be8 einfachen: 
SUtSbrudS: „©duffer fchieb eine Slnjahl ©iftichen 
auS" — biefe fdjtefe SDîetapher. ©chief ift fie, beim 
bte Perfe fittb ja au nuferem ©lüde nicht unter beit 
Seifet) gefallen, foitbern oben liegen geblieben unb 
mi8 erhalten, „Uöletapbern finb ein ©lalteiS", 
pflegte ber grofje Philologe Sfforiö #aupt, ber ; 
greuitb unb Sftadjfolger ^art CathutattnS, einer ber ; 
Vorgänger Erich ©cbmibtS auf bem berliner Sehr» I 
ftuhle, su fagen. 25a8 foffte fleh gerate ber *u I 
fersen nehmen, meldjer über ©oethe etmaS fchreibt.. 
©er äJeifpiele liefen fid) noch me^c herfefjen: 
„®er fucheit min im mtlben Sann 
Ifiamh SBaffenfiücf noch ftnbeit faitn." 
Un8 märe eine flare, präsife Slngabe, ma§ bemt; 
nun geboten mirb, lieber gemefen: jefet tnu§ fich ba8 
ber Cefer erft sufammeufudien, ähnlich mte in Erich 
©dimibts gauftauëgabe, melche an philologtfchet 
fßräjifton ebenfalls Diel ju münfehett übrig lä§t. 
©aff s- S. iit bem ©ebid)t DorgebrucfteS ©teruchen * 
UngebrucfteS aujeigt, erfahren mir nid)t, mie 
fleh ba8 gehört hatte, am Anfänge be8 SitcheS, 
fonbern itt einem 3^ad)trage. ©. 107 itt einem 
Slebenfah ift einer Komerfang: ,,©a8 ©ternfteit, ba8 
UngebrndteS anseigt, ift Dordlr. 90 su ftreidien." 
©iefen ©teruc|en als llBegmeifer folgenb haben 
mir eine Slnjahl ber bisher gaus unbefannten 
Epigramme anfammengeftefft. 2fta«ihe flnb mohl 
*) ©em einfachen ©iftichon, au8 3eile»- 
au?gefd)ieben movben, mell fie im ^letrnm mirïltch 
an Den ©pottDer8 auf bie Genien (’.innem: 
Sit äßeiuiar unb Se»a nutdjt man «jpepameter 
mie ber ba: 
Slber bie Pentameter ftnb noch t : i abfcheulichcr. 
Sffanche auch megen ber su gvol ächett Slugrip» 
metfc, manche megen be§ su fpestêll l iffenfdiaftlicheu 
Eharafterß, s. 33. über djemifche Probleme. 
2ßir geben tj\n eine Stlnsal)! con allgemeinem 
: Sntereffe. SSet jemals hiftövifchui ©tubieu ob* 
; gelegen hat, mirb bie Eßahrheit emopubeit, bie in 
„ßiterarifcher 3uDertâffigfeit" gefennteichttet mirb: 
Slllegiere ber erfte nur falfch, ba fchreibett ihm 
ben Sorthum nach, ofnf beit ^e^su 
Sin gemip ßohttfehreibet politifcher 3«itungen 
i rid)tet fiih bie gorbermtg: 
i ©abelt mir immer bie Sürpu- Rtuar jeber 
politifche fehler 
©traft fleh felöer, hoch euch iocibeu bie fehler 
! ! besahlt. 
©oethe mar nie ein fÇreitub ber fransöfifchett 
l fflebolution; bat?ott jeugeit auch bie Epigramme. 
k 1, greihett ift ein ©d)mud, ber 
fchönfte Don atleu, 
Unb bo<h fteht er, mir fehu$, wahrlich nicht 
! jeglichem an. 
2. galtet ihr benn bie ©eutf^en fo buntm, ihr 
gteiheit§apoftef? 
Î Seglichcr fleht: euch ifi’8 nnr um bie ^erc* 
^ ïchaft su thun. 
©ans ähnlich hat fleh eittfi gftifHBilmardüber 
f bte ^DrtfdjrittSpartei au§gefprod)e«. 
! greiheitlpriefter! ihr habt bie Ehttin niemals 
©enn mit bem Tnirfcheubeu Bahf leigt fuh^ bie 
» löttlidje nicht. 
Slu baS Politifche flreift auch baS T ^nbe: 
Sorfche bu Phifbfophi bu r ^ hantle! 
meh uns, 
^autelt ber govfeher, unb giebt, ber e8 Doff* 
^ Sieht, ba8 ©efcü! 
©er fdjmeichelnbe Höfling ber bod) biefelbe 
3uuge sunt ©diabett gebraucht, mirb gegeifjelt: 
1. Sit ba8 ^uie nur gefchmeibig, fo barf bte 
m . . . . Bunge fchon läftern, 
2Ba8 barf ber nidjt begehn, ber fid) gu 
_ _ friedjen nidjt febämt. 
2. SSaS bu uut Leihen Dcvborben, ba8 bringft 
bu mit ©chmeidteln ins föleid)e, 
Sflecht fo! auf hüubifche 21 rt sahlft bu bie 
w hüubifche ©dulb. 
sur eut affgemeineS SonuBium ift ©oethe nidjt. 
Procul profani. 
2Bie fle fleh quälen, baS Eble mit bem ©e* 
mr . , w meinen 31t gatten, 
vlbet baS Eble mirb nur burdj ihr ©emeiueS 
«... ^ . gemein. 
™.rF tms S Epigramme, bie für ben Ei)ïfu8 ber 
öiuffe .geplant gemefeit, fo „bie ©onatt bei SBieu": 
Euigelne ©atten begvfthen mich noch an beiuem 
föeftabc 
Ceopolbina, hoch bann fdjtvetget auf immer ber 
©ruubltch geanbert hat fleh burch ©riaparger, 
©chmtnb u. a. nt. ber im folgenben ©iftidjon ge* 
fchitberte 3«flattb: 
Sßir gajafeit, mir fudjen feilt Cob in .ttämpfeu 
r , be8 ©eifte§, 
ßieben mir haltet ben ©cbmaitS, ^euerme»:?, 
„„ Raffen tntö ©piel. ' 
. Eine Slugahl gehört bem äftfetifeijen unb affge* 
mein philofophtfchcit ©ebiete au: 
©äule. 
Pühig gelt ich bir nichts, ich gefaffe bir nur, 
_ . „ menu ich trage, 
^ertlich tu Stangen ben 9fîethu fehmueft mich bie 
glängenbe Saft. 
» Kernpel. 
irohltch bienen wir eines bem aitbevn, mich 
hatten bie Ichlauten
	        
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