Full text: Zeitungsausschnitte über Werke von Herman Grimm: Homer

Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 39 
bleiblich dem Veralten ausgesetzt, schon zu Alexander's Zeit 
bedurfte sie der gelehrten Erklärungen, Plutarch und Pausanias 
hatten eilt ganz anderes Griechenland vor Augen, für uns nun 
gar ist sie ein Namenregister ohne jeden tieferen Inhalt. 
Dasselbe gilt von den Siegern und den Gemordeten, es sind 
Schatten, die an uns vorüberhuschen; wir haben im Ohr ein 
verworrenes Geräusch, im Kopf eine Wüstheit von dieser 
gespenstischen Jagd. 
Weiche Bewunderung wir auch der Jliade entgegenbringen, 
völlig loszulösen ist sie von ihren Lebensbedingungen nicht. 
Wie alle menschlichen Schöpfungen trägt auch sie ihren Erd 
geruch tlnd ihre bestimmte Atmosphäre mit sich. Sie ist aus 
einer Wirklichkeit entsprungen, die für immer dahin ist, deren 
letzten glänzenden Wiederschein sie bewahrt. Für die Griechen 
lag ihr grösster Zauber in ihrem nationalen Inhalt, in den 
Sagen, die sie auffrischte, in den Gestalten, die sie herauf 
beschwor, in den tausend Fäden, die sie zwischen Gegenwart 
und Vergangenheit spann; wir genießen sie als ein Kunstwerk, 
wir gehen um sie herum und betrachten sie von allen Seiten, 
wie die Venus von Milo im Saal des Louvre; daß sie etwas 
schildert, was nicht mehr ist, Dinge, von der wir nur durch 
sie eine ungefähre Vorstellung erlangen, giebt ihr die besondere 
Glorie. „Ilias und Odyssee zusammen gewähren die Ahnung 
eines dichterischen Geistes, der an Tiefe und Umfang von 
feinem späteren übertroffen worden ist. Weder von Goethe, noch 
von Shakespeare", sagt Herman Grimm. Doch eben weil dieser 
Geist nicht einem Einzelnen, sondern einem ganzen Volke an 
gehörte; weil in ihm, so weit wir es zu übersehen vermögen, 
sich die Quintessenz des griechischen heroischen Zeitalters zu 
sammenfaßte, weil durch ihn eine versunkene Welt im Spiegel 
bilde für uns gerettet ist. Goethe erscheint unö beschränkter, 
weil er uns so unvergleichlich näher steht und wir ihn uns 
ohne Schiller nicht recht denken können; Shakespeare, weil seine 
Welt von der Bühne her uns noch immer als eine fortbestehende 
gilt und wir mit seinen Vorgängern, seinen Quellen und seiner 
Entwickelung vertraut sind. Hoiner dagegen ist für uns etwas 
Einziges. Undenkbar, daß er allein, daß er zuerst den Krieg 
um Troja und Helena besungen. Aber wir wissen, wir haben 
nichts von denen, die mit ihm lebten und wetteiferten. Wer 
war er? Welche Lebensschicksale erfuhr er? Welche Vorlagen 
batte er für seine Gedichte? Darauf giebt es keine Antwort. 
Der ragende Gipfel ist da, er erhebt sich plötzlich vor uns, die 
unabsehbare Ebene rings umher läßt ihn noch einmal so hoch 
zum Himmel emporsteigen. 
Bis in das fünfte Jahrhundert unserer Zeitrechnung blieben 
die homerischen Gedichte lebendig, nur daß die Zahl derer, die 
sie lasen und sich daran erfreuten, beständig zusammenschmolz. 
Dann verschwinden sie aus dem Gedächtniß der Menschen. Von 
Gregor dem Großen bis zu dem Hohenstaufen Friedrich II. sind 
sie so gut wie nicht vorhanden. Die Araber, die sich so eifrig 
mit Aristoteles beschäftigten, haben von Homer keine Ahnung. 
Selbst in den byzantinischen Geschichtschreibern begegnet uns 
nur selten sein Name. Die Lieder der Troubadours 
und der Minnesänger, die Sagenkreise von Karl dem Großen 
und seinen Paladine», von Artus und seiner Tafelrunde blühen 
ohne nähere Kenntniß der Ilias und der Odyssee auf. Die 
dämmernde Vorstellung, die das Mittelalter von dem trojanischen 
Kriege hat, entnimmt es der Aeneis Virgil's, seines Lieblings 
dichters. Erst Dante und Petrarca bringen, noch ohne seine 
Lieder zu kennen, Homer's Namen wieder zu Ehren. Mit dem 
fünfzehnten Jahrhundert sangen seine Werke langsam an in 
ihrer Originalsprache, in Uebersetzungen, in Bearbeitungen, in 
den mannigfaltigsten, aus ihnen abgeleiteten Kanälen in die 
Bildung und Kultur der anderen Völker hinüberzufließen. 
Aber sie sind keineswegs mehr der einzige befruchtende Strom, 
wie es im Alterthum der Fall war. Die Bibel hat sich neben 
der Ilias und der Odyssee als ein tieferes und breiteres Wasser 
erwiesen und Haiden und Einöden, zu denen der Strom der 
homerischen Poesie auch nicht im bescheidensten Rinnsal 
vorgedrungen, in blühende Gefilde umgeschaffen. Zu 
Homer wie zu der griechischen Skulptur kann uur die 
Bildung ein rechtes Verhältniß gewinnen. So frei und vor 
aussetzungslos Grimm die ersten neun Gesänge der Ilias be 
handelt, er redet doch aus der Fülle seines Wissens heraus und 
wendet sich an seine Bildungsgenossen. Die Kluft, welche die 
modernen Lebensformen, Verhältnisse und Zustände von denen 
des Alterthums trennt, ist eben einzig und allein durch das 
Wissen zu überbrücken. Durch die Schule werden wir zunächst 
mit den Gebilden Homer's vertraut, die Phantasie des zum 
Jüngling heranreifenden Knaben ergreifen sie mit Gewalt, er 
lebt gleichsam im Banne Achill's. Für den Mann und für die 
Frauen aber ist der Abglanz der homerischen Dichtung in unserer 
Literatur bedeutsamer, als sie selbst. Ich kenne wenig Frauen, 
welche die Ilias zu lesen versucht, keine unter ihnen, die 
ihr nicht die Odyssee bei weitem vorzöge. Homer hat 
ein unermeßliches Echo erweckt: viel mehr als seine eigene 
Stimme, bewundert die Bildung, wie sie jetzt ist, dies Echo, 
das ihr, oft tausendfach gebrochen, einen letzten Hauch des 
ursprünglichen Klanges zuträgt. Eine Reihe seiner Figuren 
und Vorfälle hat sich mit unsern Vorstellungen so eng ver-I 
bunden, daß wir sie als ein unverlierbares und unzerstörbares 
Erbgut der Menschheit betrachten, ohne die wir uns das Leben 
nicht denken könnten. Wohlverstanden, das Leben der Bildung. 
I Die Bibel ist ein Volksbuch, die Jliade eine Lektüre für Aristo 
kraten. Nicht unsere christliche Erziehung allein bringt dies 
Resultat hervor, auch der Inhalt der beiden Bücher. Ich wüßte 
keine Stelle im Homer, die so unmittelbar zu dem Herzen der 
Armen spräche, wie die Legende von Christi Geburt und die 
Geschichte Joseph's. Selbst der Abschied Hektor's von Andromache 
und die flehende Bitte des Priamos an Achill, ihm den Leichnam 
des Sohnes auszuliefern, haben den fürstlichen Ton. Wie hätte 
es auch anders sein sollen? Sang doch Homer in erster Reihe 
den Fürsten und ihren Helden. 
Aber innerhalb der Grenzen ihrer Wirksamkeit, die ihr die 
Natur ihres Stoffes und das Wesen des griechischen Volkes 
ziehen, welche Dichtung ließe sich mit der Homer's vergleichen? 
An beweglicher Erfindung, an gestaltender Kraft, in der Pracht 
der Farben, in dem Wechsel des Tons! Zwei Eigenschaften sind 
es vor allen andern, die immer auf's Neue unsere Bewunderung 
hervorrufen und Homer den ersten Platz unter den Dichtern 
sichern: seine Frische und die Unerschöpflichkeit seiner Bilder. 
Gewiß, er schildert nicht nur die Jugend Griechenlands, sondern 
steht auch noch mit einem Fuße in ihr. Wohl sind die Men 
schen, mit denen er lebt, an Stärke geringer als die Kämpfer 
vor Troja, aber von Gedanken sind sie so wenig angekränkelt 
wie jene. Die Verhältnisse, in denen sie sich bewegen, die 
Ziele, denen sie nachjagen, entbehren noch jeder künstlichen 
Verstrickung und der Mannigfaltigkeit eines reicher sich aus 
breitenden Lebens. Die Staatsverfassung bewahrt noch die 
einfachsten, patriarchalischen Formen. Von einer kunstvollen 
Schlachtordnung, von einem Siege durch die strategischen Maß 
regeln der Feldherren, von taktischen Bewegungen ist keine Rede. 
Wild stürzen die Haufen aufeinander los, wie besessen. rennen 
oder sausen auf ihren Streitwagen die Helden über das Blach- 
feld. Ueberall die Einfachheit und die Schlichtheit der Natur. 
Homer kennt das Leben in Krieg und Frieden, in Stadt und 
Lager, Schifffahrt und Handel, mancherlei Gewerbe und Künste, 
aber Alles liegt in den Anfängen und schimmert für uns wie 
in dem Glanze einer neuesten Erfindung. Der Reiz, den die 
Schilderung dieser Dinge auf uns ausübt, beruht zweifellos in 
ihnen selbst: sie rufen uns ein fernes Zeitalter zurück, in dem 
die Menschen mit der Natur noch inniger verwachsen, noch nicht 
durch die Schranken der Kultur von ihr getrennt waren. Auch 
ohne Homer würden sie ihre Anziehungskraft für uns haben. 
Fesseln uns doch die kunst- und schmucklosen Beschreibungen der 
spanischen Eroberer von demLeben, den Städten und den Sitten der 
Mexikaner und der Peruaner. Wie stark wir indeffen auch die 
Frische und Neuheit des Stoffes in der homerischen Dichtung in 
Anschlag bringen müssen, um das Maß des Genius zu ge 
winnen, der diesen Stoff behandelte — so, wie er gestaltet ist, 
Konnte er es nur von einem größten Dichter werden. Rein 
.Trübung spiegelte sich deist 
mer's Seele wieder. Es ist 
iussprach, durch sein Herz 
aber wir haben diese Ein- 
assung von den Dingen, sie 
und keusch, ohne Bruch und ohne 
Weltausschnitt, den er übersah, in. 
ja klar, daß die Dinge, ehe er sie 
und seine Phantasie gehen mußten 
pfindung nicht. Nicht Homer's Au,,«,,«-» _ „ . . 
selber begegnen uns in seinen Verse» Blank, sarbenfrisch, thau- 
benetzt, wie an einem Frühliugmnorgen; als ob sie eben 
geschaffen worden wären, Fels und Meer, die Bäume und 
die Bäche hier, die Schiffe und die Mauern, die Menschen und 
die Rosse dort. Auf ihnen ruht noch kein Staub der Betrach 
tung, kein Schatten der Fragen nach dem Woher? und Wozu? 
des Seins und Vergehens. Die Greise sogar, Nestor und 
Priamos, haben nichts von der Grämlichkeit und Gebrechlich 
keit ihres Alters. Aehnlich wie sie denken wir uns Homer; 
wie alt er sein mag, seine Seele ist jung, seine Sinne sind 
frisch geblieben. Die Schärfe und Deutlichkeit, mit der er Alles 
erfaßt, die Anschaulichkeit und Rundung, in der er es wiederzu 
geben versteht, machen ihn zu einem unnachahmlichen Maler. 
Wie auf einer Holztafel oder einer Wandfläche sehen wir seine 
Figuren und Scenen im Bilde vor uns. Die tafelnden Götter 
eben so deutlich, wie Helena, die von den Zinnen des skäischen 
Thores ihrem Schwiegervater und den Greisen um ihn die 
griechischen Fürsten zeigt und nennt. Wer hätte den dahinschreiten 
den helmumflatterten Hektor nid)t. wie leibhaftig vor sich, dem 
der Rand des schwarzen Felles, der rings am genabelten Schilde 
umherläuft, oben den Nacken und unten die Knöchel schlägt? 
Homer's Gleichnisse sind berühmt, jedes einGemälde für sich. Einen 
peilltre sublime nennt ihn Voltaire, der sonst nach seiner skep 
tischen Art Flecken genug in der Sonne entdeckt. Die vier 
Gleichnisse im zweiten Buche der Ilias, welche den Vormarsch 
des griechischen Heeres unter Agamemnon's Führung uns male 
risch vorführen sollen, gehören zu den bekanntesten Stellen des 
Gedichts, ich setze ein anderes her, das mir noch schöner und 
stimmungsvoller däucht und zugleich eine Probe von derUebcr- 
tragung Grimm's geben mag: Hektor hat, im Ausgang des 
achten Gesangs, die Griechen hinter ihren Wall und Graben 
zurückgetrieben und den Troern gerathen, die Nacht auf dem 
'reien Felde vor dem Schiffölager zuzubringen. 
„Und so saßen sie mit den hohen Gedanken 
Tief in der Nacht, und viele Feuer brannten. 
Und wie am Himmel, wenn um des Mondes Scheibe 
Sterne springen hervor und rein und windstill 
Ruht der Aether, und aller Berge Gipfel, 
Hohe Firsten und Schluchten werden sichtbar, 
Und der Hirte all die Gestirne droben 
O-^hTf hio t>Y ft* Mit hör» 
hpit Stfiiffen der Griemen 
Diese malerische und plastische Kraft erweist sich gleich 
groß in der Darstellung des Erhabenen wie des Häßlichen. 
Wie sie in dem stirnrunzelnden Zeus dem Phidias ein Vorbild 
giebt, stellt sie in Thersites und in dem Bettler Jros in der 
Odyssee Figuren des modernen Realismus hin. Ein hoher 
Kunstverstand gesellt sich zu ihr und vollendet, indem er die 
Eigenschaften und Fähigkeiten des homerischen Genius im 
Gleichgewichte hält, sein Wesen. An der Einheit Homer's, daß 
die Ilias und die Odyssee im Ganzen betrachtet von einem 
Dichter geschaffen sind, möchte auch ich festhalten. Gerade die 
Feinheit der Kompositim, das Zusammenpassen der einzelnen 
Theile, die Charakterenwickelung Achill's und der Helena, des 
Odysseus und der Penedpe bestärken mich in diesem Glauben. 
AIs Werk des Zufalls oder des letzten Bearbeiters, der, etwa 
zur Zeit des PisistraUs, die Volkslieder vereinigte und 
verschmolz, könnte ick mir sie nicht erklären. Dagegen 
neige ich zu der Ancht, daß fremde Stücke, bald hier 
bald dort hunderte von Zersen, in die beiden Dichtungen hinein 
geschoben sind, die ursxünglich nicht zu ihnen gehörten Und 
nicht von dem ersten echte Homer herrührten. Wie kunstvoll sich in 
der Ilias das in den eten Versen angeschlagene Thema von 
dem Zorn des Achilles ntsaltet, in der Odyssee das von der 
Irrfahrt und der Heimlhr des Odyffeus, wie harmonisch sich 
in beiden Anfang und Ende zusammenfügen, in der Mitte 
blieb ein leerer Raum, der mit Episoden angefüllt werden 
konnte, ohne den Jnllt und Fortgang zu empfindlich zu 
stören. Würde es dvi nicht einmal schwer halten in die 
strenge Geschloffenheit *eä „Befreiten Jerusalems" noch ein 
Abenteuer, in den „bn Quijote" noch eine Novelle ein 
zufügen. Auch Hernn Grimm nimmt an, daß im 
zweiten und noch M im siebenten Gesänge, wie sie 
uns vorliegen, Aendcruren, Verschiebungen, Zusätze und Aus 
lassungen stattgefunden-aben; für den zweiten hat er sogar 
eine Rede des Odysseuerfunden, um eine seinem Gefühl nach 
vorhandene Lücke zu.'füllen — ein Versuch, der „selbst 
verständlich nichts als c Phantasiespiel" ist. Wenn Grimm in 
der Betrachtung und i Analyse der einzelnen Gesänge über 
den neunten hinaus rtfahren wird, werden sich ihm noch 
manche Stellen darbiet die schwerlich in dem ursprünglichen 
Gedicht einen Platz hm. Die Fülle der Episoden bis zum 
Tode des Patroklos Wuchert für meinen Geschmack viel zu 
sehr den klaren und schen Verlaus der Haupthandlung, als 
daß ich sie Homer zusciben möchte. Ihm konnte es doch 
nur darauf ankomme; sein Lied entschlossen zu dem Gipfel- 
vunkt, zu dem Umschlän der Seele des Helden zu führen. Ist 
die er vor uns ausbreitet, wendet er unsere Phantasie auf den 
grollend bei seinen Schiffen Sitzenden zurück. So lange Achill 
zürnt, ist keine glückliche Entscheidung für die Griechen zu er 
warten. Bis in die Tiefe des Meeres zu seiner Mutter, bis 
zu den Gipfeln des Olympos, zu den Ohren der Götter klingt 
der Wiederhall seines Zornes. Sein Fernbleiben vom Kampfe 
erfüllt die Griechen mit Sorge, die Trojaner mit Zuversicht. 
Die Tapferkeit der übrigen Helden und ihre Kriegskunst ist der 
Hektor's nicht gewachsen. Dazu das Versprechen des Zeus, das 
er der bittenden Thetis gegeben, den Trojanern so lange den 
Sieg zu verleihen, bis Agamemnon und die Achäer ihr Unrecht 
gegen Achill gesühnt. Alles in der Ilias, wenn man nur auf 
die Hauptsache siehst ist voll von dem Zorn des Achilles. Nicht 
feiner und sorgfältiger ist in Shakespeare's Trauerspiel Alles 
auf den problematischen Charakter Hamlet's, in dem Schiller's 
auf Wallenstein's Glauben an die Sterne gestimmt. 
Derselbe Kunstverstand, der die Komposition beherr'schst 
zeigt sich in der Schilderung der Charaktere. Grimm hat es 
in der Darstellung, die er von Achill und Hektor, von Helena 
und Andromache entwirft, feinfühlig und überzeugend nachge 
wiesen. Ich könnte nichts als seine Seiten ausziehen und den 
Lesern dadurch doch nicht die Hälfte des Genusses gewähren, 
die ihnen die Lektüre derselben machen wird. Man wird sich 
nicht allen Meinungen und Hypothesen Grimm's anschließen, 
ihm nicht in alle seine oft wundersamen Stimmungen folgen, 
aber man begegnet sich mit ihm immer in der Bewunderung 
des Dichters. Wie er ihn uns naherückt, verliert sich in etwas 
die Ferne, die ihn von uns trennt. Seine eigene lebendige 
Theilnahme an den homerischen Dingen überträgt er auf uns. 
Es ist gleichsam auch eine Ausgrabung, die Grimm hier 
vollführt. Nicht aus dem Schutt der Erde, aber aus der 
Dumpfheit der Philologie und dem hundertjährigen Schul 
staub. In seiner ganzen Schönheit und Größe erscheint derj 
Dichter vor uns — nicht in dem Lichte, wie ihn die Griechen^ 
wie ihn die antike Welt gesehen, sondern in der Auffassung und' 
Beleuchtung unseres Jahrhunderts und unserer Bildung. In 
der Renaissance wurde Homer zum zweiten Male geboren, hier 
wird der Versuch gemacht, ihn zum dritten Male wieder aus^ 
erstehen zu lassen, und dies kostbare Erbe aus der Jugend des 
Menschengeschlechts auch der neuen Entwickelung, der wir entJ 
gegengehen, als ein lebendiges und fortwirkendes zu bewahren 
K. ' 
Berichtigung. In dem Aufsatz «Zur Geschichte Der 
Lustgartens in Berlin" (Feuilleton der Morgenaur 
11. Juli) ist Spalte 5, Z. 18 v. oben ,indiani) 
ländischen" zu lese».
	        
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