Full text: Zeitungsausschnitte über Werke von Herman Grimm: Goethe

Tecfung ber SerioattungSfoften beftimmt finb, 
beträgt 1,846,807 Ä gn ber üom 
Tagelang im ©efpräch über ©oetbe, öfter am 
Straube auf einem Trittbrett, too uns einft ber 
bamalige Sabemeifter Schuld überrafdbt unb be* 
horcht batte, beuu loir loaren ganj oerfuufen, 
©cfetmanu im ©wählen uub Sefdbreiben, leb 
haft geftifulirenb, ich ftiüe borchenb. loar 
ja auch fo ftarf, bafj er eine Kanone mit ber 
Hanb aufricbten tonnte", hörten loir bann bie 
Stimme beS SabemeifterS inS ©efpräch entfallen, 
ber auch mit in Segeifterung geraten loar burdb 
bie Sdjilbernng unfereS Helben. 
„2Ber benn? rief ©cfermann, auf* unb um* 
blicfenb, loer bat baS erjä^It ?" 
Stun, ich meine Sluguft ben Starten, fagte 
ber Sabemeifter unfcfjulbig, babon fpredben Sie 
ja loobl. „Sich loaS, rief ©cfermann jornig, 
loaS gebt uns ber an, loir fpredben Pom „Sllten 
Herrn", oon ©oetbe." 
Salb nun tarn idb in Sonn unb Seipjig in 
bie eigentliche ©oetbe*@emeinbe, in einen Kreis 
Oon SJtännern, bie nicht blofi loie idb ©oetbe ge* 
lefen unb beiounbert, fonbern bie als Schrift* 
ftelfer, ©elebrte, als Kritifer, Sammler, Ser* 
leger ein praftifdbeS Serbältnifj 3U ibm unb 
feinen SBerfen batten. 
2Jtein fpejietler SanbSmann unb nädbfter 
greunb Otto gabn batte baS intereffante unb 
loertböolle Such über ©oetbe’S Slufentbalt als 
Stubent in Seip3ig gefcbrieben. Süiit meinem , 
u wu.uiye|ujiyein; u3T 
©füdEftabt überführt. — gür bie Kaüfen’fcl 
SieiSmüble in g I e n S b u r g ift loieber eine ! 
greunbe unb HauSioirtb ©buarb Södfing mad 
ich auf einer Steife einen Slbftecber nach 2Born 
um für Salomon $trfcel, ben @oetbe=Samml 
als ©eburtStagSgefcbent einen nodb ungebruct“ 
Srief ©oetbe’S an bie ©baritaS Sfteijner, t 
ein tur3 bauernbeS gntereffe. für ibn gebe, 
loo möglich 3u erobern. Ter Sefiher, eilt tleic 
nicht su fauberet TabacfSbänbler, loar aber t 
„©efchäft" flüger als loir, er loufjte fidb n 
üorläuftgeS „©otteSgelb" burch binbaltenbeS C* 
fpräch öon Söcting betauSsulocfen, unb erlitte 
am Schluß beS HanbelS: baS Original S 
SriefeS fei längft oon König Subioig Pt 
Saiern getauft, boch baffe er eine Slbfchrift tr 
uqS erlangen 31t tönnen. 
TieS mag bie Sammler dbarafteriiiren, beit 
Schäle ber fluge Schioei3er, Serleger in fie>* 
jig, fiir&el faft fämmtlich 3U oereinigeit loufjt 
©ine neue SluSgabe ber SBerte ©oetbe’S ab 
Seranlaffung 31t eingebeitber Tejtfritif unb oft 
fcharfer Serurtheilung beS Oerftedtten aber rieht 
unbefannten Herausgebers. Helmbolfc, ber ja* 
malS in Sonn loar, mit bem ich loegen meii*er 
naturioiffenfcbafflicben Steigungen im b^<hft alt* 
genehmen belehrenben Umgänge ftanb, batte 
fdhon ein paar gafjre Oorber feinen bebeutungS* 
tiefen Sluffab über ©oetbeS Slrt in ber Statur* 
forfdhung in ben Kieler SJtonatSbeften brodien 
laffen. Slufierbem aber batte faft jeber biejfer 
im JSamen aer Hinterbliebenen: 
Justus von Bestimm, Dr. phil. 
Wiesbaden, den 6. August 1880. 
Ö773 | 0608 
jur älbfahrt (SiadpnittaflS unb SJüdfaJrt «Ibent 
\ ä 2 Mi. r TuhcnbbtüetS 21 
bei «Sartori & »etfler. 
bebeutenben SJtänner, ID03U reifenbe, mehr ober 
loeniger lang in Sonn anioefenbe, loie SDtoritj 
Haupt, Taoib Straub, bie SJtonate lang mit 
mir unter einem Tach auch bei Söcting loohn* 
ten, menu nicht 3u ©oetbe felbft, fo boch 3» beffen 
greunben, Secretaires Herausgebern, loie 3. S. 
SBelcfer su SBilhelm Poit Hnmholbt perfönlidhe 
Stellung, oft gans intime gehabt unb er3äbltcn 
bem begierig gragenben gern baüon. So fafite 
ich gleichfam auS sioeiter Hanb bie lebenbige elef* 
trifdbe Kette, bie 3« bem groben SJtittelpunft, 311m 
„alten Herrn" 3urücffübrte. 
Sater Slrnbt, SöcfingS HauSnachbar, loar mir 
loährenb einiger 3fa^re faft loie ein Sater 
frennblich- geh fab manchen fchönen Slbenb an 
feiner Seite unb ^örte mit ©rftaunen feinen leb* 
haften Stählungen 3U auS ber B^t tyv, bie 
faft jebem Sebenben als längft oergangen unb 
biftorifcb oorfommen mubte, bie ihm in allen 
Bügen lebeubig loar, als fäb er fie Oor Slugen 
unb man fab fie mit ihm. Slrnbt loar Oor 
2Wem beutfdber patriot, ©r fdhioärmte für ein 
einiges ftarfeS Teutfdhlanb. ©r babte bie grau* 
3ofen, fran30fifdh.eS SBefen, Prahlerei unb ©le= 
gans, er babte glübenb bie StapoleonS, ben fo* 
genannten ©toben noch über ben Tob hinaus, 
freilich batte Slrnbt ilrfadhe ba3it. ©t loar 
auch mit, loie fo mancher beutfdhe SJtann, oon 
I bem corfifdben Tiger gebebt loorben, flüchtig 
loie baS 2BiIb im SBalbe, uub ohne grage er* 
fdhoffen, loenn er nicht baüon gefommen. 
2ßemt ich fein Such „SBanberungen unb 
Söanbelungen mit bent f^ret^erm Oon Stein", 
loorin er ihre flucht nach Stufilaub, Slufentbalt 
in Petersburg unb Stücffebr nach ber Schlacht 
an ber Serefina befdhreibt, lefe, fo ift eS mir, 
als fäbe ich noch an feiner Seite, b^te ihn 
laut fpredben; feilte Slugeit bliben in bie gerne, 
er fdhlägt mit ber gauft bröbnenb auf ben Tifdb, 
bann lacht er über meinen Schrecfen: „ga, 
mein liebet greunb, Kinb, baS loaren anbere 
Beiten ! Ta muhte man ein eiferneS Her3 haben l 
Ta ging ber Tob um, loie ein SJtäber. geh 
habe im SBinter 1813 eine fleine Kirche ganj 
ooll Seichen gefuuben, fie loaren aufgefdhidhtet 
loie H0I3, alle erfroren, hoch auf foioeit man 
reichen fonnte..." Unb er 3eigte eS mit ber Hanb. 
gür eine foldhe Statur, loie Slrnbt, loar nicht 
©oetbe baS gbeal, fonbern Stein, fein „alter 
Herr", loie er loieberum 3U fagen pflegte, ohne 
ben Stamen 3U nennen, ©oethe unb bie Hum* 
boIbt’S loaren Slrnbt oiel 3u paffto geioefen in 
ber B^it ber Stotb unb beS Kampfes mit bem 
©r3feinbe. Strubt hätte oielleicht ben gauft, 
ben KoSmoS unb bie fprachioiffenfdhaftlidhen ÜJtei* 
fterioerfe Sßilbelm oon HumboIbtS gegeben für- 
eine Steibe Sdhladhtcnlieber. 
i (gortfefeung folgt.)
	        

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