Full text: Zeitungsausschnitte über Werke von Herman Grimm: Goethe

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Hebet bie ©rfpriefjlidjteit biefcr 2Xrt bet ©ehanblung (bei 
bet eS bet -Jlatur berSadje nadb ohne gewiffe SBilllüiItdjfetten 
nicht abgehen fann) lägt fid) unaweifelhaft ftteitew: ober auch 
wer bet bem Sföiberfprud) gegen biefe ajletgobe nerharrt, wirb ein« 
ßefteben ntüffen, ba& fte bem notliegenben Suche itt mehrfacher 
ytücEftdjt ju ©ute gekommen ift. Einmal ift bet SSerfaffer bet 
SHühe übethoben gewefen, fid) bei bet Apologie einet 9ieihe 
©oethe’fchet Schöpfungen aufauhalten, bie nifht fowoljl über 
lebt, als niemals lebenbig gewefen finb unb an bereit einmal 
feftftefjenbent ©efdjirf auch bet berebtefte unb eitiflufireicbfte 
5?ritiEer nichts mehr 3U änbern oermag. 2Beil nitßenb bet 
Serfuch gemacht roirb, bem SSergänglichen unb 3ufäüigen, baS 
bet ©octhe’fchen ©piftetts wie jebet anberen angehaftet, .Rttmng 
anjuthun, ift ber Serfaffer in bet Sage geblieben, allenthalben 
aus bem Sollen fehaffen unb in ungehemmtem 3uge bcnißinfel 
führen ju tonnen, ber baS ^bealbilb beS größten ©eniuS 
unfeter Nation entroerfen füllte. 3uro Slnbertt ift burd) biefe 
ftoffliche 33efdjränfung Sftaum für eineffteihe culturgefchi<htn<het 
Gpifoben gefdjafft motben, welche nicht nur gu ben ©lanjpartien 
beS SBerEeS unb pnt Seften gehören, was ©timm überhaupt 
gefdjrteben hat, fonbern bie für baS Serftänbnife non ©oethe’S 
(tntroidelung aufjerorbentlid) fruchtbar ftnb, hierher ftnb «or 
Mem bieunoerglei<hli<heS<hilbetunq beS alten gmnffurt mtb bie 
eharaherifti! ber eigentümlichen ju jählen, welche ber 
freien Bewegung beS jungen ©oettjeburch feine ©eburtin bem 
patricifdjen öaufe einer greiftabt alten 3uf<hnitteS angelegt 
waren. ®iefe SdjUberung hält uns nicht für bie ^lüchtigleit 
fdjabloS, mit welcher bie (in ihren SBirfungen nießetcht unter* 
fc&ätjte) Seipstger ijjeriobe behanbelt wirb — fte bilbet einen 
Scitrag xum Serftänbnt ber erften ©oethe’fchen Schriften, beffen 
hohen SJertt) wir nur bemjenigen gleidjfteflen möchten, ber bem 
meifterhaften Gpcutfe über bie „europäiften3»ftünbe um 1700" 
beijulegen ift. 2)ie Seblofigfeit beS aus beu ftämpfen beS 30s 
jährigen Krieges heroorgcgangenett beutfcheu itnb europäifchen 
öffentlichen SßefenS ift mit einer Reinheit unb Schärfe ge* 
fchilbert, welche in ber neueren beutfchen Sitcratur faum ihres 
©leihen hat. Dftit einigen wenigen Strichen wirb ber Sinters 
gtunb, auf welchem bie gefammte nor=©oethe’fcht.’ Siteratur ber 
©eutfchen fich bewegt, fo beutliät unb fo ftimmungSooll be= 
jeichnet, bah wir bie non ben Sefftng, Älopftod, ßngel u. f. w. i 
ilSlan unb Slnlage beS ©rimm’fchen sßudjeS hängen mit ! 
i oen SlngriffSpunften, weite baffelbe bietet, ju eng aufammen, j 
als bafe über biefen $un!t noch Weiteres ju fagen wäre. 3)en ! 
5Danf beS SeferS werben biefem SGßerfe grabe diejenigen Partien i 
am reichlichften eintragen, bet benen bie jfritil am meiften eins j 
juwenben hat. S5ie 3)etaÜforfdmng über©oetbe fteht noch auf 
halbem üöege ~ bie Summe biefeS SebenS heute ju sieben, 
fonnte überhaupt nur unternehmen, wer im SBemufetfein 
innerer Sicherheit über bie ftauptpunfte, frei bem 3uge feines 
ÖerjenS folgte unb Nichts nach ber3ufriebenheitber ßleinmcifter 
fragte. $aS hat Hermann ©rimm gethan unb bafür ftnb wir 
ihm ju einem Saufe nerpfüdjtet, ber um fo lebhafter fein 
wirb, alS Jiiemanb genauer, als ber SSerfaffer felbft über 
bie Schwierigtciten biefeS Unternehmens unterrichtet ge* 
wefen fein tann. Ohne bie „SBiffenfdjaftSreife" feines 
Stoffes abgttwarten, hat er baS gegeben, was feit lange ers 
wartet unb gewünfdjt würbe: einen auS ber guile etgehenben 
StubiumS gefdjöpften, non ber £anb eines liebetollen unb 
fretftnnigen Zünftlers geformten, wenn aut ftagmentanfcben 
Slbrib beS bebeuteubften SebenS, baS überhaupt jemals non 
einem Seutfchen gelebt worben. $n biefem Sinne wirb bie 
beutfdje Sefewelt baS ©rimm’ftc Such entgegennehmen unb 
3U feinem bleibenben ©igenthum machen. 
—r—
	        

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