Full text: Zeitungsausschnitte über Werke von Herman Grimm: Goethe

Sonntag, ©rlieS Säeiblatt gu Br. 59 ber Bational=3eitung. 4. Februar 1877. 
einnehmerfteßen mteber tn$ Seben gerufen Serben foßen. 
3)ie Debatte mürbe aber nicht gu ©nbe geführt, 
otelmeljr auf Freitag üertagt. 3« unerqntdltdjen perfcniidjen 
©rötterunqen gab bann nod) ber llmftanb Aniah, bah ber 
©eneral Bourcet nod) immer nidjt in ber Sage ift, feinen 
^Bericht übet baS neue ©eneralftabSgefefj gu erftatten. 
£)berft ©IjabotS maäjtc im tarnen beS AuSfchujfeS bem auS 
bem progeh Bataine befamtien ©eneral megen feiner Saum» 
fetigfeit Bormürfe; biefer fud)tc bie Sdjulb auf ben ©eneral 
Sabmirault ober auf beit KriegSmintfter gu mälgen, mogcgen 
•Sperr Brunet mentgffenS ben erfteren in Sdjufc naljm. 3wlefet 
erklärte ber präftbent Aubiffret*paSquier etmaS gereigt, eS 
fotlte ein 3eber für feinen Stbeil batür forgen, baf) öffent* 
liebe AuSeinanberfefcungeu biefer Art nid^t nötbig mürben. 
Der telegraphifd) gemclbete ^Proteft ber „proOingial* 
forrefponbeng" gegen bie gchäfftgen ©ioflüfterungen ctncS 
in ber „Beüue bei beuj SRcnbeS" erfdjienenert ArtifelS 
über bie norbtfdjen f^iotten, als beffen Berf aff er übrigens 
I)ter aßgemetn ber Pting oon Soinbille genannt mtrb, mirb 
in ben Parifer Blättern Oielfacfc fommentirt. „DaS 33efte", 
fagt ber „FtatmaiS", ift, auf biefe neue Auflage ber Fabel 
ae^rSSotf unb ootn Samm gar nicht gu antmorten". Unb 
ber „Bien Publ|ic" Oermag aud) ntdjtS BeffereS gu 
ermibern als: „SStt finb burdjauS ber Anftdjt ber 
„Prooingtalforrefponbeitg", nur muff man bie Stoßen um* 
tebren. @8 ift mühtg, auf bie herauSforbernben Angriffe 
ber im Solbe ber BeichSfanglci ftebenben beutfdjen 
treffe git antmorten, meldje baS „gefährliche" Spiel non Oor 
gmei Fahren mieberbolt unb Ftahfretch mit ihren Schmähungen 
reigt. Sßtr braudjen nur an einen Sah gu erinnern, ber ben 
Ulanen ber Bufunft in ben Schulen geprebigt mirb unb 
meldter lautet: „£oßanb unb Dänemarf merben als Anljängfel 
DeutfddanbS angefeben, meit fie gum groben Tfjeil innerhalb 
ber natürlichen ©rengen DcutfdjlanbS gelegen finb.“ Dtejcr 
©ah ftel)t in einem geographifchen ßeljibuch, melcheS in ben 
beutfdjen ©ymitaften cingefübrt ift. — AßerbingS unterläßt 
ber „Bien public" biefeS in ben beutfdjen ©ymnaften ein* 
geführte geographtfdje fiehrbud) namhaft gu machen. 
©rtcd)enlmt&« 
$ SJthett, 28. 3anuar. Am nergangenen ORittmod) hat 
bie Kammer ihre jSihun gen mieber aufgenommen. ©S be» 
gann bie Debatte über baS Bubget bcS SuftipiinifteriumS, 
bte abermegenBefdjluhunfähigfeit’nichtfortgefehtmerbenfonnte. 
Am Donnerftag mar bie Kammer gleichfalls nidjt befd)Iuh= 
fähig. Am Freitag mürbe baS Bubget beS SuftigminifteriumS 
bcenbigt unb geftern begann bte Beratung über baS Bubget 
beS SRmifteriumS beS Fanern. 
Stt ber nötigen 2Bod)e ift bie englifdje flotte, be* 
ftehenb aus 8 ©djiffen mit ungefähr 60 Kanonen unb faft 
3000 StRann, angetommen unb hot ftch im ipafett Ampelafia 
bor Salamis oor 9lnfer gelegt. (Sbenfo ift norgeftern Slbsnb 
non SRalta baS Sdnff angetommen, melcheS ben Springen 
Sllfreb unb feine ©entahlin SRaria trug. 9lm 2)onnerftag 
langte ht^SRarquiS of Salisbury mit bem Slopbfdjiff „SereS" 
an unb reifte geftern nach zweitägigem Aufenthalte ab. 
9lm Freitag betuchten ber fßremierminifter unb ber SRinifter 
beS Aeuftcrn ben SRatquiS of SaliSburt) unb am Abenb 
mar zu (?nrcn bes Sezieren eia binlouiatifdjcö 2)incr in cer 
engltjdjen ©efanbtjdjaft, mosu attd) ÄommunburoS unb Storno* 
ftauloS gelaben maren. An ber barauf folgcnben Abenb* 
Unterhaltung nahmen auch bie übrigen Parteiführer, SDeti» 
iorjtS, B^'lwiS unb SrtfupiS St^eil. 
S)ie Ausgrabungen in SRpcenae merben je^t non ber 
ardäclogifdoen ©ejellfdjaft biirdh StamatafiS fortgefeht. ®te 
beftimmte llebergeugung, meldje einige SRitglieber ber ardjäolo* 
gifdjen ©efeßfehaft hegten, bah ttrdj anbere ©räbet ft^ neben 
ben aufgebedten ftnbcn mürben, hat ftch als richtig ermiefen; 
benn einem Telegramme non StamatafiS zufolge ift norgeftern 
mieber eine Anzahl non ©olbfadjen gefunben merben. ©efiern 
haben bie SRafeftäten mit bem Prinzen Alfreb bie hier auf* 
gefteßten Alterthümer non 9Rt)ceitae beftdjtigt. 
3n biefen Tagen haben folgenbe beutfdje ©eiehrte: 
9R. (Schömann, Äirchhnff» Kiepert, SRußath, ©eorg ©urtiuS 
unb Dr. 23öttid)cr ben griec^ifd^ert ©rlbferorben erhalten. 
, Surfet* 
P. C. Äunftauthtopel, 26. Januar. 35ie Abreife 
ber fremben 33otfdjafter mirb hier noch immer nielfad) 
fommentirt. 5Die nernünftigeren Politüer hoffen mohl, bah 
SfRibljat Pafcha unb bte anberen SRinifter nunmehr tlügere 
Söege etnfdhlagett unb auf einer Politif nicht beharren 
merben, burdj melde bie Türfet fith bie Sympathien unb bic 
moralifdje Uuterftü^ung ©uropaS oerfeberzen mürbe. That* 
fädjlid ift aber non einer foldjen ©eftnmtugSänberung bcS 
türüfdjen SSRini^lemtmS nod) nichts zu nerfpüren. 3m ©egen* 
thcile ift bte non einer fanatifdfjeit Preffe aufgeftadheltc mufel* 
männifiheSäenblternng non$ia§ gegen ©xtropa erfüßt unb für 
einen Äampf bis auf’S Aeuhevfte eingenommen. Unter ber 
Äontrole ber SSehörbe erfdjeinen Pref)erzeugntffe, metdje baS 
©ift beS ©hnftenhaffeS nach aßen ©den unb ©nben beS 
SteidjeS nerbreiten, fo bah im ^alle eines Krieges mit Stuh* 
lanb audj ein Stacenfampf im 3 ni ^ c nt broljt. ©S ift nicht 
gu leugnen, bah feitenS ber Stcgicrung ben ProOinztalbeljorben 
fortmährenb eingefdiärft mirb, ©intracht unb Harmonie zmifdjen 
ben nerfdjiebenen ^onfcfjionen zu erhalten. ©S ftnb bieS 
ftdjerlich aufrichtige unb loyale Anempfehlungen, bie aber in 
ben Provinzen ur.b hauptfächltd int 3wiern ÄletnaftenS, 
mo ber Fanatismus ganz in feinem Urguftanbe herrfcht, uu= 
berücfftditigt bleiben. T)aS journal „Sttihab", meldjeS alSbaS 
Övgan SRibhat pafdja’S augefehen mtrb, unternahm cS, bie 
Ausführungen beS ©enerals Sgnatjem in ber lebten Konferenz* 
ftiiung gu mtbetleqcn, mobei eS mt heftigen Ausfällen gegen 
Stufßanb nnb beffen Vertreter nicht fehlte. T)ie Sprache beS 
Journals mirb mitunter probojirenb, inbem eS behauptet, 
bah Siuhlanb gar nicht im Staube fei, einen erfolgreidjen 
Ä'rieg gegen bie Türfet gn füllten. 2)er ottomanifdjc Staat 
oerfüge über 600,000 reguläre Solbaten unb ebcnfootele Fi’ei 5 
mißige, brauche bemnadj bic ©arantien ©uropa’S nid)t. 
Söemt ©uropa ihm bie aus ben beftehenben Verträgen 
refultirenben ©arantien unb SBohlthaten entziehe, fo tonne 
ftd) bic Tütfei nur freuen; benn gerabe biefe ©arantien 
haben ben gegenmärtigen Softawb beS 9tcid)eS üerfdnlbet. 
SSie man Oerfichert, bereitet bie ^Regierung in biefem 
Angenblide bte 3)rndlequng unb SSevöffetttlidjuwg einer Samm* 
lung b t p l o m a t i f d) er A f te n ftü d c oor,in toeldher bte SthuugS* 
protofoße ber Konferenzen, bte Oerfchiebenen Proieffe unb 
©egenprojefte, SRemoranten, 9toten unb aße bie Pforte recht* 
fertigenben SDofumente enthalten fein merben. 3Mefe Sammlung 
mirb „ber cioilifirten SOSelt ©uropaS" gemibmet fein unb in 
mehreren taufenb ©ycmplarcn nad) ©uropa Derfenbet merbeu. 
3n biefer Sßetfe menbet ft<h bte Pforte an baS europäifdje 
Pttbltfum. Sie miß, fagt fte, burd) baS öffentliche ©emiffen 
uub nicht burd) bie Diplomatie ahgeuttheiit merben, meld)e 
fte gum Selbftmorbe trethen moßte, tnbent fte fte bie 3er> 
fiüdelung beS Staates linterfdireihen Iaffen moßte. Der ©roh 5 
oegter richtete in ben leüten Tagen ein JRunbfdreihen an 
Ote yitv’t^X/triOvvcu, iii l O*‘n stc* 
unb bie Abretfe ber Sotfdjafter jingugcigeii: -kutbhat pafd)a 
begeidjnete bte Abberufung ber tRepräfentanten ber fed)S 
©rohmädjte als eine biplomatifche prooiforifdje 
üRahregel, meldje in feinem 3of ammenhange 
mit ber politif bei Pforte in ihren frettnb* 
fdjaftUdjen 93egiel)ungen gu ben a^ädjten ftehe. 
©r forbere bähet bic ©oüoerneure auf, nach Wie oor ihre 
guten ^Beziehungen gu ben Konfuln mtb ben ^Rationalen bte* 
fer SRädjte gu pflegen nnb Alks aufgubieten, um und) nicht 
gu ber geringften Ungufömmlid)feit Anlaf) gu geben, ©leid)* 
Zeitig empfiehlt er allen Unterthaneit beS Reiches ©intracht 
unb Sßerträglidjfeit, tnbem er bemerft, bah bie Feinbe beS 
SäaterlanbeS, um ihr 3tel — ben 3fuin beS fiaubeS — gu 
erreichen, nicht üerfeljlcn merben, bieBeOölferung gu Streitig* 
feiten unb llnorbnungen aufgureigen. SfRtt grobem ©ifer 
merben bie ©efe^e gur rafd)en Ausführung ber 23er* 
faffttng öorberettet. ^Bisher gelangte noch feines biefer 
©efefje gur 23eröffentli<hung. Die Pforte bcfd)Ioh auch,. 
Fachmänner attS ©uropa gu berufen, meldje in ben SRinifterien 
ber Finanzen, beS £anbelS, AderbaueS, ber öffentlichen Ar* 
Beiten ttnb tm KriegSminifterium bei ber Dnrd)fül)tung ber 
Reformen zu IRatlje gegogen merben foßen. Für baS Kriegs* 
minifterium foßen biefe Fachmänner auS Deuifdjlanb geholt 
merben, mährenb bezüglich ber anberen auf ©nglattb unb 
Fraufretd) rcfleftirt mirb. Sir $enry ©lliot erhielt oor 
feiner Abreife nicht nu»* oon ber engltfchen Kolonie, fonbern 
auch bon ber türftfdten Söeoölferunq Stambul’S eine Abreffe, 
lieber fein auSbrüdlicheS ©rfudien hat eS oon ber in Stambul 
ihm gu ©hren bcabfithtigten SRanifeftatiou fein Abfommen 
erhalten. 
P 0 9&etcr8fm.r(t, 25. Sanuar. 3m ©egenfahe gu bett 
Behauptungen ber ijtcfigen 331öitter, bah ©cneral 3qoatfem 
auf ber IRüdreife auS Kouftaulinopel mehrere Plonate in 
Kiem bei feiner Familie gubrtngen merbc, fann pofttio oer* 
ftchert merben, bah berfelbe nad) einem nur eintägigen Auf» 
enthalte in Kiem oielmehr fobalb als möglid hier eintreffen 
mirb, um genauen Bericht über bie Situation tn ber Türfei 
unb baS ©rgebnih ber Konferenz gu erftatten. ©S fteljt nidjt 
gu ermarten, bah ^’ e Pforte ihre Bertreter an ben £>öfen 
©uropaS abberufen merbe; ber türftfdje ©cfdjäftSträger beim 
hieftgen $ofe Temfif*Bey bleibt iebenfaßS hier; both mürbe 
berfelbe aufmetffam gemacht, bah fich feine Bollmacfcten, 
gleich benen beS rufftfdjen ©efdjäftSträgerS in Kon» 
ftautinopel, BctfdjaftSrath o. Beltbom, nur auf bie 
©rlebiqung laufenber ©efdjäite, nidjt aber auf ben Bortrag 
politifäjer 1 Angelegenheiten erftreefen fönnen. Bon ber Ab» 
fenbung eines türfifdien Spegial*©efanbten naäj St. PeterS* 
bürg, mie bieS bic hieftge Preffe geftern melbete,* ift an 
leitenber Steße nidjtS befannt; baS betreffenbe ©erüdjt mtrb 
als unglaubmürbig begetdmet. 
DaS oon bonapartiftifdjer Sette oerbreitete ©erüdjt, bah 
ber pring Sou iS Ba pole on feinen Befudj in Petersburg für 
9Rittc Foöntar angegeigt ober gar Ijiergü eine birefte ©inlabung 
auS Petersburg erhalten Ijabe, entbehrt feber Begrünbung. 9Ratt 
befümmert ftch hier an mahgebenber Stoße nicht um piäne 
unb fReiferouten bcS pringen fioitiä Bapoleon, unb ift bcSljalb 
and) hier oon einem berartigen ©utfdjluffe beffelben nichts 
befannt. ©S barf ebenfalls ntd)t unbetont bleiben, bah baS 
Petersburger Kabinet in gu guten Beziehungen gu bem 
frangöffdjen Kabinet ( fteljt, als bah man burd) eine Beoor» 
gugtmg bcS bonapartiftifden prätenbenten ber gegenmärtigen 
frangöftfdhen IRegiernng Aniah zur ©mpfnbltdjfcit geben foßte. 
Soßte ber Prinz trofgbem bte Abfcht haben, hierhergufommen, 
fo fann er oerftd)ert fein, bah hie Spaltung beS hieftgen $>ofeS 
ihm gegenüber bie gletdje fein merbe, mie bieS bem fpanifd)ett 
Prätenbenten Don ©arloS gegenüber ber Faß mar, meldjem 
auf oorhergegangene Anfrage bedeutet mürbe, bah man „hoffe“, 
feif u &4)5Ä^ i ^Ä u WÄ n t*9)?i t ,E; 
nung unterblieben. 
Dem Ijiefgen flaütfiüeit ©omite ift Ijeute bte be» 
fttmmte ©tflärung ber hergegomtntfc&cn ttnb boSnifdjen 
SBofmoben gugegangen, „bah fte nidjt gemißt feien, bte 
Waffen, bte fte für bie ©tfämpfmtg ihrer IRcdjte ergriffen 
uub bie fc fegreich burdj mehr als 1 3 a hr getragen haben, 
oor ber gefdjerten Durchführung ihrer Federungen lieber* 
gulegen. Die hevgegominifd)en unb boSnifdjen^ Freifdjaaren 
rechnen auf bte ^üfe fRuhlanbS unb feien überzeugt, in 
biefer thver ©rmartung nicht getäufdjt gu merbeu." 
nnb biefe Beugniffe haben both mohl gröberes ©emidjt als 
jene hödjft unflare 3nfdjrift. Denn ioaS foß baS Ijethen: 
„nach einer äBaljl oon bret 3aljren?" Söenn ©oethe an 
biefem Datum bte SPhtQente erft Oon Beuern aufgenommen 
hätte, fo liehe eS ftd) nodj eTjcr hören; mir mtfjen aber gang' 
genau, mie oiel er fdjou Oor biefem Datum im 3ahre 1779 
an ber 3Phifl e nte gearbeitet hat. Dünfjer’S Konfeltur, ftatt 
„3ahbcn" git feijen „Tagen", mo fd) bann bie Sßahl auf bie 
fiofalität begöge, hat fehr oiel für fdj; gu bemetfeu ift fte 
fretltd) nidjt, ba feie Fnfchrift nidjt mehr eytftirt. 
Der ^auptpunft ift aber biefer, ©titum fnbet cS un* 
mahrfcheinlid), bah öaS Stüd fo rafdj fertig merbeu tonnte. 
DaS ift aber gerabe baS ©iqenthümlidje bet ©oethe, bah 
menn er im echten Strom beS ©efüljlö mar, bie Btlber fth 
mit einer unglaublichen Sdjneßtgfeit fryftaßiftrten, unb bah 
gerabe bann organifdjc, titnflerifdj ooßenbete Dichtungen 
barauS Tj^’üorgingen. So ©öfj, SBertTjer, ©laoigo, ^ermann 
unb Dorothea, bie Baljloermanbtfhaften. 
©limut fiellt ftd) nad) meiner Anftdjt ben Unterfdjieb 
gmifdhen ber früheren nnb ber fpäteren ©eftalt ber 3Phi= 
genie gu groh bor. Seljt midjtig mar aßetbingS ber 
neue Kunftftil, ben er ftd) barin erarbeitete, 
^^abety ber eigentlid) fttliche unb raenfchlidje ©ehalt blieb oon 
biefen Beränbemngen unberührt, llnb ber bleibt hoch in 
biefem Stüd bie ^auptfadje. BoßenbS itberfdjä^t ©rtmm 
ben ©tnfluh 3^fienS: ber Berfehr mit 3Rorih unb beffen 
BerStheovie mar mistiger für biefe Arbeit, als ber italtenifdje 
^immel unb bic Statuen beS Batitan. SBenn ©oetTjc ben 
neuen fiebenS=©inbrüden, bte er in Ftalien empfing, Bannt 
hätte gehen moßen in biefem Kunftmerf, fo märe eS auS ben 
Fugen gegangen: benn biefe ©inbrüde maren bem ©eift ber 
Fphigenic’ cntqegengefe^t. Die fpäterc Helena atljmet oiel 
meljr Oon ber ßuft ber italienifchcn Beife. 
Boch ein SBort über ben ©efammteinbrud beS BucheS. 
©oethe in bem genitgenben Umfange gu oerftehen ift feljr 
mid)tig, noch midjtigcr aber für bie Bation, ihn auf bic rechte 
Art gu lieben. Satent finbet ftch hie Siebe gu ©oetlje feljr 
meit oerbreitet; hier ift nun aber einer, ber mit ber größten 
AuSbrucfSfähtgfeit begabt, uttö bie 3“agc löft unb uns feine 
©mpfinbungen einfdjmcidjclt, bah Wir glauben, eS mären bie 
unjent unb mir hätten fle fdjon Iängft gehabt Unb etmaS 
oon bem ©efüfjl, baS ber grofje ©egenftanb in unS erregen 
muh, übertragen mir audj auf bett, ber bafür einen fo jehönen 
ergreifenben AuSbrud ftnbet. Fitlian Schmibt. 
<Shafeft>eares®orträöe non Olubolph <$cttöe. 
9Rittmod), ben 31. 3anuar, hielt Bubolph ©enee im 
Saale beS Ard)iteften*BereinShaufeS ben gmetten feiner bem 
altbritifdjen Theater gemibmeten Borträge. Derfelbe be» 
fchäftigte fidj mit SBarlome’S „3ube oonSRalta“ unb Thomas 
Kyb’S „Spanifdjer TragÖbie". äBäijrenb ber lebten Degenntcn 
beS fedjSgehnten FaljrhunbertS gelangte baS romantifche 
Drama in ©nglanb gu immer gröberer Bebeutung. 3tn 
©egenfah gu ber Beigung ber üafftfehen Dichter,- bie $anb» 
lung in ©rgählung mtigufehen, brängte bei ben Bomantifcrn 
AßeS gur ftdjtbaren Aftion, bie oft gur mahlofen Ueberftitrgung 
ber Jpanblung ocrleitete, mie eS unS felbft in Shqtefpeare’S 
Fitgcnbbrampn bis gu Btdjarb 111. noch entgegentritt. Bon 
Btarlome’S Tragöbien mar bereits bie elfte, „Tambnrlaine 
the Great“, mclche ungefähr 1587 auf ben Brettern ber 
Sonboner BMjne erfebten, megen ihrer hiitreihenben poetifchcn 
Kraft eine epoäjemadjenbe Seiftüng. Der Bau beS DramaS 
geigt, mie menig Büdfi^t ber Dichter auf Baum unb Beit 
genommen hat, ba bic ftd) brängenbe« ©reigutffe, meldje 
meift auS Sdjladjten, Siegen unb ©roberungert beftehen, 
ohne füuftlerifchc ©ruppirung neben einanber herlaufen. 
Tamarlait, ber ©roherer PevftenS unb Arabiens, bezeichnet 
ftch felbft in biefer Tragöbie, beren 3ol)alt ©enee jtiggirte, 
als ein oom ^itnmel ermäfjlteS Söerfgeug gur Brtd^ttqmici ber 
URcnfchcn. 3a biefem Sinne fann baS Drama gur Klaffe 
fener Badjetragöbien gcgäfjlt merbeu, beren bestimmter ©hatat* 
ter in SERatleme’S gmeitent Stüde, feinem „3uben oon2Balta", 
ausgeprägt ift. Die öauptfigur beS 3uben BarrabaS fann 
als baS Borbilb für Sljafefpeare'S Shylod betrachtet merben, 
bod) ift bie Aeljniiddeit beiber Figuren meniger in berDurdj* 
führung beS ©fjarafterS, als in ber Anlage unb aßaemeinen 
3bee erfichtltd). Drtgincß ift in ßRarlome’S Trquerfptel ber 
9Racd)iaoeUi in ben 9Runb gelegte Prolog, meldjer bie politif 
beS ttalienifdjen Staatsmannes ' nad) ber Auffaffung ber ba» 
maligen B^f erörtert, ©enee bot eine feenenreidje Analyfe 
biefeS DramaS, melcheS auS einer F°ffl e fdjvedlidjer ©retg* 
niffe befteljt nnb auf ber 3 n fd Blalta fptelt. Die jpaupt* 
ftgnr beS 3oben, ber, in feinem ©lauben befdjimpft unb fei* 
neö BefhcS beraubt, bte graufamfte Badje gegen bie ©Driften 
erftnni ifttroh argerItcbertreibungen oon impontrenbcr©nergie 
beS ©harafterS. Der Dichter hat eS oerfudjt, ber Familien* 
Tragöbie, meldje ftd) an BarrabaS unb feine Tod)ter fnüpft, 
einen politifdjen Konflift itt ber Belagerung SRalta’S burd) 
bie Türfen an bte Seite gu fefjen. Dod) geigte ftch 9Ratlomc 
unfähig» bie ©elbgier bcS Subett mit feiner StaatSflughcit 
in logtfd>er SBeife mit einanber gu oetfnüpfen. Die lei^t» 
fertige Ausführung beS pianeS fteht int ©egenfahe gu ber 
fünftlerifdjen Bertiefurtg unb Abgefdjtoffenheit, mel^c Shafc* 
fpeare in feinem „Kaufmann oon Benebig" gelungen ift. 
Abgefehcn oon biefem KompoftttonSfeljIer, tljeilt QRarlomc’S 
Tragöbie mit faft aßen oorfhafefpeare’fdjen Slüden ben 
ßRaitgel an einer bramatifchen ©ipfclung bet ©reigniffe. 
Die Tf)atiad)eu hüben ein roljcS Bebenetnanber, bet metchem 
baS tragiftho Fntercffc gu feinem £)öl)epunft gefteigert mirb. 
Audj in biefer Beziehung muh @buarb II. als bte hefte, 
füttfiletifd) am meiften gegtiebertc Dichtung SRarlome’S 
betrachtet merben. AIS Prototyp für biefe roljcre ©attung 
ber hritifdjen £iftottc fann Thomas Kyb’S „Spanifchc 
Tragöbte ober 3« r ® n i mßH begcidjnet merben, bie nach 
einer ©rmähnung 'SBcn F^nfon’S etma 1588 erfchienen 
fein muh nnb hcaddenSmerthe BeiühntngSpunfte mit Shafe* 
fpeare’S „TituS AnbronifuS" unb „fandet" aufroeift. 
DaS lange hemunberte Stüd' oon Kyb, meldjeS ©enee 
gleidjfaßS einer fehr helclji'cnben B^güderung unteimarf, ift 
eine Slnljäufung oon Ahcnteuerlidjfeiten, an beren Steße gegen 
bett Schluff f)trt eine mitfie Aufctnanbetfolge oon ©rauel* 
thaten, Berftümntelungen nnb SSRorbcn tritt. BebeutungSooß 
ift jebod) baS SRotio beS oerfteßten SBahnftnuS, meldjeS Kyb 
ben König 3 ei 'oaimo gur Ausführung einer blutigen Badje 
an ben SRÖvbern feines SoljncS ^oratio attmenben läfjt unb 
baS oon Shafefpeare mieberholt gebraudjt morben ift, gunächft 
im „TituS AnbronifuS" unb bann im „jpamlct". SBit Öet3» 
terem hat bic-Tragöbie KybS audj baS fernere SRotio eines- 
SdjaufpielS im Schaufpiel gemein. Dod) trifft baffelbe tn 
ber „Spantfdjcn Tragöbie" nidjt nur, mie bei Shafefpeare, 
baS ©emiffen ber ©gültigen, fonbern führt gur fofortigrn Boß* 
gieljunq ber Badje. Die Täufdjung mirb bei Kyb gur fdjredlidjen- 
SBabrljeit unb mährenb ftd) bie Büljne mit mivflicheit fieidjem 
bebedt, fpenbett bieBufdjauerbemOermeintlidjenSdjmtfpiel Bet* 
faß. BtS gu biefer Kataftrophe reid)t bie mtrflidje Tragtf 
beS StüdeS, beffen Fortfefjung ittS ßädjerltdje umfdjlägt. 3 e ro» 
mino lauft auf ber Bühne tirnher unb miß ftd) felbft auf* 
hängen, als er ergriffen unb gu aßen möglichen ©efiättbniffen 
gegmungen mtrb, bis er ftd) enbitd) bte Bange abbetht unb erfticht. 
SßaS biefen Dramen auf ber engltjdjen Bühne ben ihatfächlich 
grohen ©rfolg Oerfdjaffte, mar bie ftd) bis gur Iteberfüßung 
brängenfcc jpßnblung, meldje bie BoPaner in bie lebhaftefte 
Spannung oetfejjte. ©S ift für unS Deutfehe fehr intereffant, 
bah einer ber älteften Dramatifer nnfercS BaterlanbeS, 3«fob 
Ayrer, biefe Tragöbie oon Kyb in ber „englifdjen 2Ranter", 
b. fj- ber ftdjtbaren Altion biefer Stüde, nachbilbete unb 
unter bem Titel „Ttagebie oon bem ©riedjifdjen Kcyfer git 
Konftantiuopcl unb feiner Toäjter Pelimperta mit bem ge» 
beugten ^oratio", ziemlich getreu bearbeitete. F^Wä) tft baS 
beutfdje Stüd nur eine Karitatur beS englifdjen 
DriginalS, ba Ayrer nur für bie blutigen ©rättel 
ntdjt aber für bie tragifdic ©röhe feines BorbilbeS 
baS Berftänbnih bejah. 3<?ner ©efchmadSridjtung, 
bie in Kyb’S „Spanifdjer Tragöbte" gipfelte, t>at audjSIjale» 
fpeare in „TituS AnbronifuS" feinen Tribut gegaljlt, elje er 
gu einer höheren Anfdjauung bcS Tragifchett gelangte unb 
feine eigenen SBege ging. SSöaS biefeS Trauerfpiel troh aß 
feiner 9Büftheit unb’Bohheü bereits über bie Literatur ber 
Beitgcnoffen erhebt, ift bte oon bem Dichter tm elften Alte 
mit bemühter Abftcht angebeutete tragifd)e Betjchnlbung feines 
gelben mtb bie gcmaltige poetifdje Kraft ber Scetten, itt 
mcldjen TituS tm oerfteßten 2Baljnfiun feine Bache auSführt. 
Ä3ie Shafefpeare biefeS ßRotio ber Bafhr aadj Abftretfmtg 
aßer trabttioneßeu F e ff e ^ in feiner reifften Dichtung noch 
einmal oermerthet hat, mie auS ben rohen Anfchauungen einer 
althetbntfdjen Sage bie Krone feiner poefle hrrbo^ßtag, mirb 
©enee’S britter Bortrag erörtern, meldjer „ftamlet" gu feinem 
©egenftanbe hat. ©ugen Babel.
	        

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