Full text: Zeitungsausschnitte über Werke von Herman Grimm: Leben Raphael's

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 37 
Steinrück, Unterarzt beim Garde-Kür. Regt., mit der bei 
seinem Truppentheil vacanten Assistenz-Arzt-Stelle beauftragt. 
Dr. Pedell, Unterarzt im Kaiser Alexander Garde-Grena 
dier-Regiment Nummer 1, mit Wahrnehmung der bei diesem 
Regt. vakanten Assist.-Arzt-Stelle beauftragt. Dr. Petsch, 
Asstst. Arzt vom 1. Posen. Inf. Regt. Nr. 18, zur Marine 
commandirt. Dr. Westphal, Unterarzt vom 2. Garde-Regt. 
zu Fuß, versetzt zum 1. Hess. Inf. Regt. Nr. 81 und mit 
Wahrnehmung einer vakanten Assist. Arzt-Stelle beauftragt. 
Dr. Fritzschen, Unterarzt vom Garde-Schützen-Bataillon, 
versetzt zum Holstein. Inf. Regt. Nr. 85 und mit Wahrneh 
mung einer vakanten Assist. Arzt - Stelle beauftragt. Dr. 
Schmitz, Unterarzt vom 2. Garde-Ulanen-Regt., versetzt zum 
2. Nassau. Inf. Regt. Nr. 88 und mit Wahrnehmung einer 
vakanten Assist. Arzt-Stelle beauftragt. Dr. Steinrück, 
Unterarzt vom Garde - Kürassier - Regiment, versetzt 
zum 2. Hannoverschen Ulanen - Regiment Nr. 14 und 
mit Wahrnehmung einer daselbst vacanten Assist. Arzt-Stelle 
beauftragt. Dr. Heinrich, Unterarzt vom Kaiser Alexander 
Garde-Gren. Regt. Nr. 1, versetzt zum 8. Ostpreuß. Inf. 
Regt. Nr. 45 und mit Wahrnehmung einer vacanten Assist. 
Arzt-Stelle beauftragt. Dr. Klein, Unterarzt vom Garde- 
Füs. Regt., versetzt zum Ostpreuß. Drag. Regt. Nr. 10 und 
mit Wahrnehmung einer vacanten Assist. Arzt-Stelle beauf 
tragt. Dr. Pedell, Unterarzt vom Kaiser Alexander Garde- 
Gren. Regt. Nr. 1, versetzt zum Pomm. Huf. Regt. (Blücher 
Huf.) Nr. 5 und mit Wahrnehmung der daselbst vacant. 
Assist. Arzt-Stelle beauftragt. Dr. Müller, Unterarzt vom 
2. Garde-Ulanen-Regt., versetzt zum Colberg. Gren. Regt. 
(2 Pomrn.) Nr. 9 und mit Wahrnehmung ' einer vacanten 
Assist. Arzt-Stelle beauftragt. Dr. Gielen, Ob. Stabs-und 
Regts. Arzt des 1. Garde-Regts. zu Fuß, gestorben. 
Nach § 71 der Städte-Ordnung hat Magistrat die Pflicht, 
alljährlich über den Stand des Vermögens der Stadt 
gemeinde Rechenschaft zu legen. Der Stadtverordneten- 
Versammlung liegen jetzt die Uebersichten vom Activ- und 
Passivzustande der Gemeinde Berlin pro 1868 vor. Danach 
betragen die Activa 18,301,829 Thlr., die Passiva 8,692,037 
Thlr., so daß sich eit: Vermögensstand von 9,609,792 Thlr. 
ergiebt. Der Werth des Grundbesitzes betrug Ende Dezember 
1868 12,919,066 Thlr., die Obligationsschuld hatte sich auf 
7,074,870' Thlr. vermindert- Der Zuwachs an Grundbesitz 
kommt mit 220,415 Thlr. den höheren Lehranstalten (Köllni- 
sches und Sophien-Gymnasium) und mit 351,405 Thlr. den 
Gemeindeschulen zu Gute. 192,192 Thlr. faßen auf den 
Rathhausbau, und die städtischen Gasanlagen nehmen mit 
530,450 Thlr. Theil. Außer diesem eigentlichen Communal- 
vermögen verwaltet die Stadt Stiftungsvermögen und Fonds, 
welche zum Nutzen der Gemeindemitglieder dienen und Ende 
1668 eme Höhe von 2,108,387 Thlr. erreichten. Seit dem 
Jahre 1856 bis 1868 hat sich das Vermögen der Stadt von 
2,444,676 Thlr. auf 9,609,792 Thlr. erhöht, während der 
Werth des Grund-Vermögens von 5,529,459 Thaler auf 
12,919,066 Thlr. gestiegen ist. (St. A.) 
In der Zeit vom 15. bis 30. d. M. liegen die berichtigten 
Listen der stimmfähigen Bürger im Nathhause öffentlich 
aus. Außerdem werden Abschriften der Listen in den ein 
zelnen Wahlbezirken ausgelegt. 
Aus Fulda, 8. Juli, wird der „Köln. Volksztg." berich 
tet: „Hr. v. Savignh hat die an viertausend Nummern reiche 
und außer diesen eine seltene Sammlung von fünftehalb 
lausend Dissertationen bietende Bibliothek feines Vaters dem 
Herrn Bischöfe zu Gunsten der in Fulda zu gründenden 
katholischen Universität Übermacht, welcher sie einstweilen im 
Klerikal-Seminar unterbringen ließ. Indem wir dies zur 
Kenntniß der Freunde der Universitäts-Angelegenheit gelan 
gen lassen, möchten wir als besonders bemerkenswerth den 
Umstand hervorheben, daß gerade jetzt in dem Momeirt, in 
welchem der katholischen Kirche inr Allgemeinen und insbe 
sondere ihrem Einflüsse auf den Unterricht in jeder Weise 
Hindernisse in den Weg gelegt werden, die bedeutende Biblio 
thek des berühmtesten protestantischen Rechtslehrers zu den 
Katholiken flüchtet, um mit der Zeit dem eminent katholischen 
Zwecke wahrhaft freier Wissenschaft dienstbar zu werden." 
Vom Rhein, 10. Juli. In Folge des Erlasses seitens 
des Kriegsministers an die katholische Militär-Geistlichkeit vom 
29. Mai c. hat am 5. Juni zu Münster am Stein (bei Kreuz 
nach) eine Versammlung von Militär-Geistlichen stattgefunden, 
woran sich je einer _ der beiden von Straßburg und Koblenz, 
bxe beiden von Mainz, der von Trier und der von Saar 
louis betheiligten. Ueber das Resultat ist noch nichts Näheres 
bekannt geworden, aber nach den Elementen der Versamm 
lung läßt sich fast mit Gewißheit schließen, daß das Verhalten 
des Feldpropstes Namszanowski dem Staat gegenüber die Bil 
ligung der genannten Militär-Geistlichen gefunden hat. Viel- 
letcht in Folge dieses Vorgangs wurde Ihnen von Berlin 
aus gemeldet, daß sämmtliche Militär-Geistliche (mit nur zwei 
Ausnahmen) das Schicksal des Feldpropstes zru theilen bereit 
seien. Dies ist jedoch irrig und es haben denn auch jetzt 
mehrere Mtlitär-Geistliche in einem Schreiben an das Kriegs 
ministerium erklärt: daß sie, in der richtigen Auffassung und 
Würdigung ihrer Stellung, nach Nr. 1 der Instruction vom 
29. Mai handeln und in treuer Anhänglichkeit an Kaiser und 
Reich auf ihren Posten bleiben werden. (A. A. Z.) 
Hamburg, 11. Juli. In der gestrigen Sitzung der Bür 
gerschaft wurde zunächst der Antrag des Senats betreffend 
Ratification des zwischen Preußen und Hamburg geschlossenen 
Staatsvertrags in Betreff einer Eisenbahn von Stade nach 
Cuxhaven, ivelchem im Allgemeinen der früher wegen der 
Osnabrück-Hamburger Eisenbahn verhandelte Staatsvertrag 
zu Grunde gelegt ist, ohne Discussion definitiv genehmigt. 
Zwickau, 11. Juli. Die k. Kreisdirection hat unterm 
28. Juni eine Verordnung erlassen, in welcher aus Anlaß 
des am 16. und 17. v. At. bei Crimmitschau abgehaltenen 
social-demokratischen Volksfestes, bei welchem in demonstrativer 
Weise rothe Fahnen entfaltet, rothe Schärpen und Cravatten 
beziehentlich Schleifen von den am Feste theilnehmenden 
Frauen getragen und rothe Eintrittsbillets ausgegeben wor 
den sind, die Polizeibehörden des Regierungsbezrrks an die 
noch immer in Geltung stehende Verordnung vom 14. Juni 
1849, das Traget: republikanischer Abzeichen betreffend, mit 
der Veranlassung erinnert werden, eintretenden Falls gegen 
Zuwiderhandlungen wider dieselbe nüt Nachdruck einzuschreiten. 
(B. Tgb.) 
§ München, 11. Juli. Bezüglich der Reise des Kron 
prinzen und der Kronprinzessin des DeutschenReiches 
nach Berchtesgaden können wir mittheilen, daß dieselben 
nächsten Dienstag Morgens 8Uhr mit dem Counerzug hier 
eintreffen und ttach einstündigem Aufenthalte im Bahnhöfe 
die Reise nach Berchtesgaden fortsetzet: werden. Die hohen 
Herrschaften werden das strengste Jncognito beibehalten und 
demzufolge wird auch kein officieller Empfang stattfinden. Nach 
der Rückkehr aus dem bayerischen Hochgebirge, in 4 bis 5 
Wochen, beabsichtigen die kaiserl. königl. Hoheiten einige Tage 
in München zu verweilen; ob dann auch, wie es heißt, eine 
Jnspicirung der hiesigen und anderer bayerischen Truppen 
durch den Kronprinzen stattfindet, ist noch nicht bestimmt, 
vielmehr sollen, wie uns versichert wird, die desfalls einge 
leiteten Verhandlungen noch nicht beendet sein. — Hinsicht 
lich der Wiederbesetzung des Staatsministeriums des 
Aeußern läßt sich völlig Verlässiges noch nicht mittheilen, 
allein versichert wird uns, der Ministerrath habe den Hrn. 
Staatsminister v. Lutz als künftigen Minister des Aeußern in 
Vorschlag gebracht. Es hat diese Angabe große Wahrschein 
lichkeit für sich, und eben deshalb glaubtet: wir dieselbe nicht 
utrerwähnt lassen zu dürfen. — Von ultramontaner Seite 
giebt man sich beretts . alle Mühe, _ hinsichtlich der kanonischen 
Investitur des vom hiesigen Magistrat neugewählten Stadt 
pfarrers Dr. Boxler — weil derselbe liberal und ein Gegner 
des Unfehlbarkeitsdogmas sein soll — Schwierigkeiten hervor 
zurufen. Sollte das erzbischöfliche Ordinariat in dieser Be 
ziehung Hindernisse bereiten, dann würde zwischen ihm und 
oem Magistrat ein ernster Conflict unvermeidlich sein. 
£ München, 11. Juli. Es ist sehr begreiflich, daß die 
Ultramontanen hier zu Lande die Anwesenheit des Utrechter 
Erzbischofs zum Anlaß nehmen, um ihren Verdrtiß gegen die 
sogenannte altkatholische Bewegung wieder einmal stromweise 
auszuschütten. Wir selbst zählen nicht zt: denen, die sich von 
dieser Bewegung allzugroßen Erfolg versprechen, und jene, 
die den religiösen Beruf derselben in den Vordergrund stel 
len, dürften ihre Hoffnungen sehr mäßig halten, aber ander 
seits ist es doch unzweifelhaft, daß der Altkatholicismus poli 
tisch viel geleistet hat. Wer gab den Anlaß zu dem energi 
schen Vorgehen gegen Bischof Namszanowski, als eben die 
Beharrlichkeit dieser tapferen Minorität, die ihre Ansprüche 
auf die Pantaleonskirche nicht fallen ließ. Und wer rief das 
Verfahren gegen Bischof Crementz ins Leben, tvenn es nicht 
wieder die Altkatholiken waren, die ztterst in der Wollmann- 
schen Affaire die Thätigkeit der Staatsgewalt in Anspruch 
nahmen. Hätte Jedermann geduldig die Gewalttnaßregeln 
der Hierarchie ertragen, so hätte sich unmöglich jene rasche 
und energische Religionsbewegung enttvickeln können, die jetzt 
durch Deutschland geht. Unter solchen Umständen würden 
die klerikalen Organe wohl gut thun, wenn sie etwas weni 
ger geringschätzig von dieser Bewegung sprächen, ganz abge 
sehen davon, daß man doch dem Gegner nicht gerade den 
Beweis der Bedeutungslosigkeit dadurch liefert, daß tnat: die 
selbe ohne Unterlaß bethettert. Der sicherste Maßstab für den 
Antheil, den die Mkatholiken an der gegenwärtigen kirchli 
cher: Krisis habet:, bleibt eben doch der Haß, den die Ultra 
montanen gegen sie empfinden. Was aber die bayrische Re 
gierung anlangt, so hat sie keinen Grutrd, die üble Laune 
dieser letzteren irgendwie zu theilen, denn tvenn die Reform- 
bewegutrg ihr einerseits zwar viele Schwierigkeiten bereitete, 
so bietet sie dem Staate anderseits auch die correcteste Hand 
habe, um sein formelles Recht zur Geltung zu bringen. In 
dem die Altkatholiken den gesetzlichen Schutz ausdrücklich an 
rufen, legitimiren sie das Einschreiten der Staatsgewalt spe 
ciell durch ihren Nothstand nnb geben den Maßregeln der 
selben den Charakter einer reinen Defensiv Politik. Diese 
Erwägungen find unseres Erachtens nicht Meinungen, son 
dern Thatsache!:, die n:an den Altkatholiken zugestehen muß, 
ob man es übrigens gut oder übel mit ihnen meint. 
Straßburg, 11.-Juli. Die „Straßb. Ztg." bringt heute 
einen Artikel, welcher/die Bedeutung der Verfügung des Ober- 
Präsidiums erlMMU wonach dem hiesigen protestanMchen 
leies Jahr die' Ermächtigung zu^Vor- 
jnten - Prüfungen ertheilt wird. , Es 
fur 
Gymnasium 
nähme von Abitur 
heiß da: 
„Durch die VerorV 
ulg vom 4. Juli ist den: Gymuasium für 
dieses Jahr bei seines gegenwärtigen Lehrverfassung das Recht zur 
Abhaltung des Abitumenten-Examens verliehen. Die Prüfung wird 
stattfinden auf Grund des vorläufig noch gemilderten officiellen Pro 
gramms, welches namentlich, dem Schüler noch die Wahl freiläßt, 
ob er bei den schriftlichen Arbeitet: das Deutsche oder das Französi 
sche als „Muttersprache" anwenden tvill. Diese Milderungen sind 
auch noch für die nächsten Jahre zugestanden, aber nicht etwa in der 
Absicht, die Geltung des Deutschen als Schulsprache 31t beschränken, 
sondern nur aus Rücksicht auf die bisherige Erziehung der älteren 
Schüler. Die Regierung ist ohne Zweifel gern bereit, die 
für dieses Jahr dein Gymnasium ertheilte Berechtigung im 
nächsten 31t erneuern oder definitiv zu bewilligen, aber 
jedenfalls unter der Bedingung, das; die Anstalt die nöthige Unr- 
änderung ihres Lehrplanes bewerkstellige, um nach Ablauf der Ueber- 
gangszeit den vollen Anforderungen der Prüfungsordnung vom 
0. Juni entsprechen zu können. Wenn diese Umgestaltung rächt er 
folgen sollte, so würde deshalb den Schülern der obersten Classe 
gleichwohl nicht überhaupt dje Möglichkeit, entzogen fein, die Abitu- 
ricntenprüfung abzulegen; sie würden sich derselben als Externe bei 
einem Lyceum unterziehet: können, gerade wie sie unter den früheren 
Verhältnissrn genöthigt gewesen wären, sich zur Ablegung des Bac- 
calaureats-Examens an die Akademie zu wenden. Diesen Umstand 
scheinen die Verfasser der obigen Erklärung nicht ju kennen oder 
doch außer Acht zu lassen. Hätte;: sie eine richtigere Vorstellung 
von der Tragweite des Rechtes, das sie für die Anstalt in Anspruch 
nehmern, so würden sie vielleicht auch begreifen, daß die Regierung 
die Ertheilung dieses Rechtes an Bedingungen knüpft." 
Provinzielles. 
Thorn, 11. Juli. Der Jahresbericht der hiesigen 
Handelskammer enthält folgendes: Bis zuitt Juni 1870 
war die Einfuhr von den aturirtem oder Viehsalz nach Po 
len von den Russischen Grenzzollämtern unbeanstandet 
bewilligt und von ben Importeuren nur ein Einfuhr- 
zoll von 5 Kop. pro Pud erlegt worden. Plötzlich wur 
den derartige Importe angehalten, confiScirt und mit Strafe 
belegt. Tue Handelskammer intervenirt bei den: Chef des 
Russischen Zollbezirkes und erbittet die Herausgabe des von 
den Interessenten in gutem Glauben übergeführten Salzes. 
Wiewohl der Bescheid die größte Bereitwilligkeit zur Schlich 
tung von Differenzen zwischen den dortigen Behörden und 
diesseitigen Staatsangehörigen ausdrückte, so bedauerte er 
doch, in der Sache nichts mehr thun zu können, da über 
Confiscate nur die oberste Behörde für das Zollwcscn, das 
kaiserlich Russische Finanzministerium in Petersburg, Verfü 
gung treffen sönne. Salzimport sei verboten, und tvenn es 
auch Viehsalz heiße; denn was das Vieh ohne Schaden ge 
nieße, könne auch dem Menschen nichts schaden. In der 
Sache selbst ist diplotnatische Intervention eingetreten. 
Posen, 11. Juli. Oberschlesien ist unausgesetzt das Ziel 
der propagandistischen Bestrebungen der poltuschen National 
partei. ' Von welchem oberschlesischen Centralpunkte aus und 
in welcher Weise für diese Bestrebungen gewirkt wird, dafür 
giebt einen beachtenswerthen Fingerzeig eine vor etwa 14 
Tagen an den Vorstand des hiesigen polnischen Volksbil 
dungsvereins gerichtete Petition. Sie ist it: einem hiesigen 
polnischen Blatte veröffentlicht und flautet: 
Glaubensbrüder aus dem Großherzogthmn Posen! Wir obcrschle- 
sische Polen, Söhne derselben Mutter, strecken die Hände aus nach 
Euch: erbarmt Euch unser, denn Niemand ist so vergessen tme wir. 
Seit länger als 400 Jahren in fortwährendem Kampfe mit dem «ns 
feindlichen detttschen Element, fern gehalten von allen Aemtern und 
verfolgt, haben wir andererseits Mangel an intelligenten Männer::/ 
polnischer Nationalität und entbehren gänzlich populärer polnisches 
Lesebücher, welche geeignet sind, dm Nationalgeist zu wecken. Um unsä 
solche Bücher zu verschaffen, müssen wir uns an Euch oder nach Kra^ 
kau wenden, was uns große Kosten verursacht: denn unsere hiesige 
Buchhandlungen beschränken sich ausschließlich auf den Vertrieb " 
Gebetbüchern, und wem: sie andere Bücher halten, so find es^ 
solche, durch welckw das polnische Nationalgefühl keine Anregur 
hält. Deshalb ist es kein Wunder, daß unser Volk schemba. 
Nationalbewußtsein verloren hat; aber es ist das, . wie gesagt! 
scheinbar und nicht in: Herzensgrund. Das polnische Natiois 
wußtsein regt sich in uns, tvenn es auch durch das von allen 1 
gegen uns andrängende Germanenthum stark abgestumpft ist. 
reicht uns nur, Brüder, Eure helfende Hand, und Ihr werdet: 
den warmen Pulsschlag des polnischen Herzens, denn sonst I 
wir der Uebermacht weichen. Darum rettet uns, besonders 
die Ihr die Führer des polnischen Volkes seid, damit wir in 
stet: nicht dasselbe Schicksal erleiden, dem die früheren Bewoh _ 
Pommerns (!) erlegen find, wovor Gott uns bewahren n:öge. Ge 
lobt sei Jesus Christus!" 
Dies Schriftstück ist aus dem bekannten oberschlesischen 
Wallfahrtsort Deutsch-Piekar (im Kreise Beuchen) datirt und 
trägt die Namens-Unterschrift Gornik. . (Pos. Z.) 
Ein außerordentlicher königlicher Schulrevisor berichtet 
im Amtlichen Schulblatt: „In einer von etlichen 60 
Kindern polnischer und nur einen: Kinde deutscher Nationa 
lität besuchten katholischen Schule eines der südlichen Kreise 
des Regierungsbezirks Posen verwaltet die Lehrerstellc ein 
seit 11 Jahren tatal erblindeter, jetzt 39 Jahre alter Lehrer. 
Wie lange ziehen sich die Verhandlungen über die EniMi-r"—-^ 
rung dieses Lehrers hin? So fragen gewiß Viele, welche 
jene thatsächliche Mittheilung lesen. Aber nichts von diesem 
unerquicklichen Thema. Der gedachte Lehrer erfüllt nicht nur 
die Pflichten seines Amtes vollständig, sondern seine Schule 
kann sogar als ein Muster der einklassigen polnischen Elemen 
tarschule gelten. Denn es wird hier in allen Unterrichts- 
Gegenständen das gesteckte Lehrziel erreicht, natnentlich aber 
auch in der detttschen Sprache, den: schwierigsten Unterrichts- 
Gegenstände solcher Schulen, den zu stellenden Anforderungen 
vollständig entsprochen. Wie ist dies _ aber möglich? 
so höret: wir weiter fragen. Allerdings steht dem 
Lehrer ein junger Präparande zur Seite, der für ihn, so 
weit es nöthig ist, die Augen offen hat. In der Hauptsache 
aber beruhen die Leistungen jenes Lehrers auf ununterbro 
chenen: unermüdlichen Fleiße, unterstützt durch gute Vorbil 
dung und ausgesprochene Liebe zu seinem Amte. Die Kinder 
fühlen sehr wohl, was sie einem solchen Lehrer schuldig sind, 
und lohnet: seine Mühe dttrch gespannte Aufmerksamkeit. Die 
Disciplin in dieser Schule ist eine vorzüglich gute, obwohl 
der Lehrer keine änderet: als Ehrenstrafen at:wet:det. Er 
staunlich fein ist das Gefühl des Lehrers. Er unterscheidet 
die Kinder dadurch nämlich von einander, daß er ihre Hände, 
die sie möglichst immer auf die Tische auflegen müssen, leicht 
betastet. Es kann nicht ausbleibet:, daß einem solchen Lehrer 
die größtmögliche Anerkennung zu Theil werdet: wird." 
Kiel, 11. Juli. Der Geh. Negierungsrath Marcard und 
der Corvetterreapität: Freiherr v. d. Goltz von der Admira 
lität träfet: heute Morgen hier ein, um mit den hiesige»: 
Mitgliedern der Commission zur Erforschut:g der deutschet: 
Meere den Plan für die diesjährige Expedition definitiv fest 
zustellen. Nach den vorläufigen Bestimmungen soll die „Pom- 
merania" bekanntlich am 15. d. M. in See gehet:. (Kiel. Z.) 
Essen, 10. Juli. Die diesjährige ordentliche General 
versammlung des Vereins für die bergbaulichen Jnft 
essen im Oberbergamtsbezirk Dortmund: welche am gestrig 
Tage Hierselbst stattfand, hatte sich einer zahlreiche»: Theil 
nähme zu erfreuen, indem sich zu derselben 57 Vertreter von - 
75 Vereinszechen, derer: Belegschaft in Summa zur Zeit 
41,479 Mann beträgt, sowie eine große Anzahl anderer 
Bergtverks-Jnterefsenten eingefunden hatten. Auch ■ mehrere 
Mitglieder des kgl. Oberbcrgamtes und andere Bergbeamte 
wohnten, tvie in früheren Jahre::, den Verhandlungen bei. 
Nach Erledigung der sonstigen lausenden Geschäfte führte 
der letzte Gegenstand der Tagesordnung, welcher die gegen 
wärtige Lage der Kohlen-Jndustrie betraf, zu einer eingehet:- 
den Discussion über die auf den Essener Gruben ausge- 
brochettc Arbeitseinstellung, deren Resultat die einstimtmge 
Annahme einer von dem Vereinsvorstande beantragtet: Reso 
lution war. (E. $.) 
Köln, 10. Juli. In der gestrigen Versammlung des äm- 
calvereins der Ältkatholiken wurden zunächst die provi 
sorisch entworfenen neuen Statuten unter die Anwesenden 
vertheilt. Die Berathung und Feststellung derselben bleibt 
der nächsten Versammlung atn 30. d. Mts. vorbehalteu. Zur 
Grundlage dient das sogenannte Münchener Programm vom 
22. September 1871. Der Verein stellt sich ohne Vorbehalt 
auf den Boden der christkatholischen Kirche, wie diese von 
Attbeginn an bis zum 18. Juli 1870 verstanden worden ist, 
protestirt deumach entschieden gegen die päpstlichen Decrcte 
von der persönlichen Unfehlbarkeit und absoluten Gewalt des 
Papstes. Zugleich setzt er sich die Aufgabe, aus allen Kräften 
und- mit. allen erlaubten Mitteln mitzuwirken, daß einerseits 
das Wesenhafte, Unveränderliche und Unvergängliche des 
katholischen Glaubens von den Verdunkelungen, welche es 
im Laufe der Zeiten durch den Papalismus zu erleiden 
gehabt, gereinigt, in Formen, wie sie das dttrch eine 
große Culturgeschichte entwickelte Bewußtsein fordert, zum 
Ausdruck gebracht und auf diese Weise wahrhaft 
virt und lebendig erhalten werde; andererseits fd 
politischem Gebiete die eigenartige Entwickelung des di 
Volkes gegenüber dem vaterlandslosen Ultram^ 
mus bewahrt und gefördert werden. Ferner würd; 
theilt, daß das katholische Central-Comitö für Rheinl 
Westphalen in seiner letzten Sitzung am 7. er. in 
düng mit den gewählten Local-Commissionen betr 
hier abzuhaltenden allgemeinen Katholiken-Congressi 
then habe. Als die geeignetste Zeit wurden bte T 
20. bis 22. September dieses Jahres angenommen 
gesetzt. Die Ueberlassung des großer: Gürzenichsaaj 
wird bei der Stadtbehörde nachgesucht werden. Dil 
Prof. v. Schulte in Prag, Maaßen in Wien tl 
Michaud in Paris, der schon fett längerer Zeft 1 
Comite in Verbindung steht, haben heute schon Vr 
zugesagt, die sämmtlich in deutscher Sprache abgehj 
den und »vozu, so weit _ der Raum es gestattet, J^ 
Zutritt haben soll. Freiwillige Anmeldungen zur, 
:ser- 
gung der Gesinnungsgenossen sind schon vielfach 
Die Theilnahme von einhetmischen und fremden Ai 
wird, so viel sich jetzt schon voraussagen läßt, etr 
große werden und dem Congresse einen europäis^ 
verschaffet:, und, was die Hauptsache ist, die Rcforml 
zum ersehnten Austrage bringen- ^ (El6? 
Zwei Söeila] 
i
	        

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