Full text: Zeitungsausschnitte über Werke von Herman Grimm: Leben Raphael's

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frlqe in ben Weltpriesterstand getreten, um in Regensburg 
bis Erzieher der Prinzen von Taxis fortwirken zu können. ' 
Ein katholischer Pfarrer im' Regierungsbezirk Minden 
hatte kurz vor der „Jesuitendebatte" im Reichstage diegröhern 
Schulkinder nach Befragen und im Aufträge ihrer Eltern 
eine bereits von der Gemeindevertretung unterzeichnete Pe° 
ttion um Abweifung der auf Verfolgung und Verhöhnung 
>ra Jesuitenordens abzielenden Anträge und Vorlagen in der 
Schule unterzeichnen lassen. Unter dem 9. Sevtem'bcr wurde 
in Folge dessen dem Pfarrer eine Verfügung insinuirt, welche 
f"lgenden Wortlaut hat: „Minden, am 2. September 1872. 
Da Ew. Hochwürden durch das Auflegen einer Petition an 
den Reichstag, betreffend die Ablehnung des Gesetzes über 
den Orden der Gesellschaft Jesu, in der Schule zu W. be 
treffs der Unterzeichnung derselben durch die Schulkinder 
Namens ihrer Eltern Ihre Stellung als Schulaufsichtsbeamter 
gemißbrauckthaben, so entziehen wir Ihnen hiermit im Auftrage 
des Herrn Ministers der geistlichen re. Angelegenheiten die 
Aufsicht über die Schule zu W. und haben sie sich fortan 
einer jeden Amtsthätigkeit als Schul-Jnipektor zu enthalten. 
Könialiche Regierung. Abtheilung des Innern." 
Wie der „Kobl. Volksztg." geschrieben wird, hat die Ver 
zögerung der Maßregeln gegen die Naffauer Jesuiten in 
Marienthal und die Redemptoristen in Bornhofen in einer 
Eingabe des Herrn Bischofs von Limburg ihren Grund, 
tvorin sich dieser sehr entschieden für die beiden Klöster ver 
wandt hat. In Beantwortung dieser Eingabe soll die Re 
gierung sich dahin ausgesprochen haben, daß dem Gesetze kein 
Einhalt gethan werden könne, ein Aufschub der Ausführung 
aber wegen der gerade bevorstehenden (jetzt stattfindenden) 
Wallfahrten bewilligt werde. Als Termin der Ausführung 
des Gesetzes gegen die beiden Klöster wird die Mitte des 
Monats Oktober genannt. 
3k Straßbrrrg, 20. September. In dieser Woche ist 
das Programm des protestantischen Gymnasiums für 
das Schuljahr 1872—73 erschienen. In den höchsten Klaffen 
werden wöchentlich 32, in den untersten 27 Lehrstunden 
ertheilt, zur Hälfte in französischer und zur Hälfte in 
deutscher Sprache. Mathematik, Physik, Chemie und 
Pbslosoptüe werden ausschließlich in französischer Sprache 
dvcirt; Geographie und Geschichte ebenfalls, ausgenommen, 
in den Realklaffen. Die alten Sprachen hingegen 
werden in deutscher Sprache gelehrt, jedoch werden Üebec- 
letzungsübungen vom Lateinischen ins Französische fleißig 
betrieben, mit Rücksicht auf die Schüler, die nach vollendetem 
Lehrkursus sich um den Grad eines Bachelier 6s-lettres und 
fcs-scieaces bewerben wollen. Den Schülern wird Zeit ge 
laffen, daß sie am Dounerstag Morgen, sowie Dienstag und 
Freitag von 11 bis 12 Uhr den Religionsunterricht der 
Stadtpfarrer besuchen können. Das Studium der alten 
Sprachen beginnt zwei Jahre eher als früher. Das Lehrgeld 
für einfache Schüler ist auf 100 Fr. des Jahres festgestellt; 
'^üler, die in der Anstalt Kost und Wohnung haben, be- 
Fr jährlich; die Halb - Pensionäre nur 500 Fr. 
' "" ‘ ' “ ‘ “ it bc- 
Lben n 
er Sorgfalt 
zugestellt. 
JpatnfcuAg, 20. September. In heutiger Sitzung 
der Bürgerschaft ist an Stelle des ausgeschiedenen Senats- 
mitgliedeS Herrn G. Godeffioy der hiesige Kaufmann Herr 
Adolph Ferdinand Hertz zum Senator der freien und 
Hansestadt Hamburg gewählt worden. Die getroffene Wahl 
wird allenthalben mit großer Befriedigung aufgenommen, da 
der neuerwählte Senator in den weitesten Kreisen feines 
Charakters wie seiner reichen kaufmännischen Erfahrung und 
Einsicht wegen geschätzt wird. Herr Hertz, der augenblicklich 
in einem englischen Seebads weilt, steht im besten Manncs- 
altcr. Er ist Associe des von seinem Vater begründeten 
großen Rhederciglschästs A. I. Hertz Söhne, für das er 
früher große Reisen nach Afrika, dem Orient u. s. w. ge 
mach^ hat. Er war seit längerer Zeit bereits in der Ham- 
burgirchen Verwaltung thätig, namentlich war er Mitglied 
des Handelsgerichts u, d der Handelskammer, der er zuletzt 
präsidirte, und bis heute Mitglied der Deputation für Handel 
«nd Schifffahrt. Im letzten Jahre war er als Delegirter 
unseres Staates in die Kommission zur Entwerfung der 
Seemannsordnung nach Berlin entsandt, wie er auch der 
Reichs-Kommission zur Entschädigung der während des 
Krieges geschädigten deutschen Rheder und Schiffer anae- 
hörte. ‘ (H. C.) 
Darmfta-t, 22. September. Die „Darmstädter Zeitung" 
meldet heute die Ernennung des Advokaten Finger in Alzei 
zum Ministerialrath im Justiz-Ministerium, so wie des seit 
herigen Ministerialrathes v. Lehmann zum zweiten Präsi 
denten des Ober-Konsistoriums und des Kreisrathes Knorr 
zum Ministerialrathe im Ministerium des Innern. 
** Karlsruhe, 22. September Unsere Stadt hat sich 
wieder zum Empfana deutschen Architekten und 
Ingenieure geschmückt, deren heute beginnende (16.) Ver 
sammlung alle tyr.: Vorgänger an Zahl der Theilnehmer über- 
Ein schreckliches Ereigniß, die Erstürmung und Plünde 
rung Rom's im Jahre 1527 durch die Deutschen und Spanier, 
hat den Versuch der italienischen Renaissance, Antikes und 
Modernes, Heidnisches und Christliches zu verschmelzen, ver 
nichtet und zugleich den Faden der römischen Tradition zer 
schnitten. Nach diesem Zeitpunkt, wie Grimm es treffend 
und überzeugend nachweist, galt nicht Raphael, sondern 
Michel Angelo. Ihm strebte, ihm ahmte man nach. „Jede 
seiner Figuren ist der Adam eines ganzen Geschlechts gewor 
den." In der Stimmung der Menschen war ein allgemeiner 
Umschlag eingetreten; aus der Lebcnsheiterkeit in eine schwere, 
düsüre Niedergeschlagenheit. Das Harmonische wird von dem 
Gewaltsamen verdrängt. Auch in Rom, am päpstlichen Hofe 
vollzieht sich die Umkehr und Einkehr: eine Folge der 
deutschen Reformation. Politisch sind die Spanier 
die Herren der Halbinsel geworden; in der Theologie 
wie in der Wissenschaft drängt sich das jesuitische 
Prinzip vor. Zuerst hinter die Nachfolger Michel 
Angelo's, dann hinter die Schule von Bologna und 
den kecken Caravagqio sind Raphael's Werke zurückgewichen. 
Don 1550 bis 1650 ist wenig von ihnen die Rede. Nicolas 
Poussin, der große französische Maler, hat sie wieder zu ihren 
alten, vollen Ebren gebracht; Grimm nennt ihn den ersten 
selbstständigen Nachahmer Raphael's, aus dem eigenen Wesen 
dazu bestimmt. <L>eitdem ist mit der Kenntniß auch die Be 
wunderung Raphael's fortwährend gestiegen und hat immer 
weitere Kreise der Menschheit erfaßt. Die französische in 
Rom gegründete Akademie wurzelte reckt eigentlich in dem 
Studium der Antike und Raphael's. Drei' Männern vor 
Allem verdanken wir so zu sagen die Neubelebung Raphael's: 
„Der französische Kupferstecher Dorigny gab in energischen 
Stichen die Malereien der Farnesina heraus (1693); der rö 
mische Gelehrte Bellori veröffentlichte 1695 seine Beschreibung 
der raphaelischen Gemäldeg im Vatikan und Maratti setzte 
erbeten hatte. — Man meldet den en 19. d. erfolgten Tod 
einer Persönlichkeit, die in den früheen politischen Kämpfen 
Badens eine nicht unbedeutende Rlle gespielt hat — des 
früheren Regiernngsdirektors I. J'Peter in Konstanz. 
Peter war Mitglied des ersten deutMn Parlaments, indem 
er der äußersten Linken angehörte. Im Jahre 1819 schloß 
er sich vollständig der badischen Revlution an, wurde Mit 
glied des Landesausschusses der Volkwereine, dann mit Bren 
tano, Eichfeld und Goegg der von >em Ausschüsse niederge 
setzten Exekutivkommission, sowie derproviforifchen Regierung. 
Mit dem Scheitern der Revolutio: verlieh auch Peter das 
Land. Nach mehrjähriger Verbamung in die Heiinath, 
Achern, zurückgekehrt, lebte er dafelfft im engsten Familien 
kreise und erlag am 19. d. einem schweren Leiden. Peter war 
politisch ganz verschollen, und die Meisten mögen erst jetzt 
erfahren haben, daß er noch lebte. 
München, 21. Septenubr. Freiherr v. Gaffer 
hat die königliche Entschließung, du'ch welche er des Auftrags, 
ein Ministerium zu bilden entloben wird, nach der „A. 
AUg. Ztg." gestern Abends zugestckt erhalten. Zum Ueber- 
stuß wird heute in dem in der vorliegenden Frage ohne 
Zweifel von betheiligter Seite unterrichteten „Bair. Kurier" 
versichert, daß Herr v. Gaffer nemstens Sr. Mas. im Nach 
gange zu der 'vorgelegten Miniserliste auch einen Kriegs 
minister in der Person des Herrn Generals v. Walther in 
Vorschlag gebracht habe; daß 'man in den betheiligten Kreisen 
bis gestern Abends noch der Hoffnung war, die Vorschläge 
des Herrn v. Gasser würden die allerhöchste Genehmi 
gung erhalten, geht aus dem genannten Blatte mit Bestimmt 
heit hervor; von demselben wird auch die Nachricht, daß Hr. 
v. Gaffer nach Stuttgart zurückgekehrt sei, als pure Erfin 
dung bezeichnet. Die wegen Uebernahme des Portefeuille's 
des Aeußeren nunmehr mit Hm. Staatsminister v. Pfretzsch- 
ner eingeleiteten Unterhandlungen sind zwar noch nicht be 
endet, lassen jedoch, wie uns versichert wird, das gewünschte 
Resultat erhoffen. Damit wü.de, da der Ersatz des Hrn. 
Pfretzschner im Staatsministerium der Finanzen wohl 
keine große Schwierigkeit bieten dürfte, die Ministerkrisis zum 
glücklichen Abschluß gelangt fein. — Nach Mittheilung des 
„Bair. Kurier" hat ein aus 7 Wagen bestehender Extrazug 
aus Frankfurt gestern Nachmittags Kriegs entsch ädi. 
gungsgelder im Betrage von 3,200,000 fl'hieher gebracht. 
Strftspropst Dr. v. Döllinger beabsichtigt dem Ver 
nehmen nach auf dem Kongreß der Altkatholiken in Köln, 
den Antrag auf Ernennung eines Bischofs, falls derselbe 
eingebracht wird, entschieden zu bekämpfen und er soll sich 
auch hauptsächlich zu dem Zwecke nach Köln begeben haben. 
(Da die Beschiffsneuwahl auf unbestimmte Zeit vertagt ist, 
hat es wohl Herr Döllinger unterlassen, feinen Widersprruch 
ausdrücklich zu erheben. Änm. d. Red.) 
ch-Urrgarrsche Monarchie. 
„Abjög, ^^^^^Scpten^W^^^»Wiener 
d 
von der Regierung in T u n sMW^die- ui. 
wiesen worden, find wir auf Grund mittlerweile 
«er bestimmter Berichte in der Lage mitzutheilen, daß der 
Kommandant der österreichischen Eskadre keine Veranlassung 
hatte, die tunesische Regierung um tErlaubniß zur Vor 
nahme von Landungsübnngen anzugehen, daher auch 
eine Weigerung gar nicht erfolgen konnte. Die öster 
reichische Eskadre erfreute sich im Gegentheile der größten 
Zuvorkommenheit von Seite' der tunesischen Behörden." 
Die Wiener Presse ist durch dieses Dementi um einen dank 
baren Stop gebracht worden. Mit den „Zerwürfnissen 
zwischen Oesterreich und „Tunis" ist es nichts und so bleibt 
den Wiener Blättern nichts Anderes übrig, als sich fortgesetzt 
mit dem gemeinsamen Kriegsbudget zu beschäftigen und 
ihren Lesern zu versichern, wie tapfer die Delegirten des 
österreichischen Rcichsraths an den Erfordernissen des Kriegs 
ministers v. Kuhn gestrichen haben würden, wenn nicht die 
bösen Feudalen denselben Herrn v. Kuhn gerade jetzt durch 
eine Intrigue zu stürzen versuchten; unmöglich könne da doch 
ein verfassungstreuer Abgeordneter etwas thun, was die Stel 
lung des Herrn v. Kuhn nach Oben hin zu erschüttern geeig 
net fei. Nach dieser Nutzanwendung scheint es fast so, als 
ob die ganze Intrigue einfach zu dem Zwecke in Scene ge 
setzt worden fei, um den verfassungstreuen Blättern einen 
paffenden Vorwand zu dem Rathschlage an die Delegirten zu 
geben, das gemeinsame Kriegsbudget ohne erhebliche 
Abstriche zu bewilligen; denn das ist der praktische 
Kern, der sich hinter allen den Mahnungen zu sorgfältiger 
Prüfung, zur Berücksichtigung der im Verkehr mit den Wäh 
lern bekannt gewordenen Thatsachen u. f. w. verbirgt. (Vgl. 
auch unter Pest.) 
Der Streit zwischen den Führern der Tiroler Ultra 
montanen, den Herren Greuter und Rapp einerseits und 
Baron Giovanelli andrerseits, der sich im Wesentlichen darum 
dreht, ob durch das Ausbleiben des Letzteren aus dem Reichs- 
rathe nach Art der czechischen Deklaranten die Parteidisziplin 
verletzt worden sei. wird in dem Organ des Fürstbischofs pon 
Brixen, den „Tiroler Stimmen", als vorhanden konstatirt^ 
es wird indessen gleichzeitig versichert, „daß alle drei Herren 
einigemeinsames Ziel anstreben", wobei Greuter und Rapp 
nur noch von dem Gefühle, Baron Giovanelli noch vom 
Verstände sich leiten ließen. Es wird abzuwarten fein, ob 
hinier dieser Katzbalgerei unter den Tiroler Ultramontanen 
irgend eine ernsthaftere Differenz sich versteckt. — 
ist am 21. September der erste allgemeine österreichische 
Notarentag versammelt; es wohnt demselben als Vertreter 
des Justizministeriums Obergerichtsrath Forstner bei; zum 
Prasident wurde Dr. Rilke (Prag) gewählt. 
* Pest, 21. September. „Pest: Naplo" schreibt in 
feinem Leitartikel über das gemeinsame Budget: „Wir 
fordern die unbedingte Nespektirung der Befchlüffe der Dele 
gation, die Auflösung der für den Staat nachtheiligen Ver 
träge, die Vermeidung willkürlicher Vornahmen von Vire 
ments; und wenn der Kriegsminister erklären wird, daß er 
ohne Bewilligung der präliminirten Summen die Reform 
des Heeres nicht weiter führen könne, so möge ihm die Dele 
gation jene Anordnungen und Unterlassungen des Ministers 
vorhalten, welche die 'Reform in weit größerem Maße aus 
halten, als die Streichung von einigen Millionen. Graf 
Andraffy übernimmt mit der Stellung der Kabinetsfrage 
eine große Verantwortlichkeit. Aber er möge nicht vergessen, 
daß wir, falls es feiner so berechtigten, aus den der Monarchie 
geleisteten großen Diensten beruhenden Popularität gelingen 
sollte, den 'erwähnten Plan (die Mehrforderung des Kriegs 
ministers durchzusetzen) auszuführen, an ihn appelliren wer 
den und nur auf ihn die öffentliche Meinung sowohl in 
Ungarn wie auch in Oesterreich sich berufen wird, wenn der 
Zustand unseres Kriegswesens den an die ungeheuren, für 
dasselbe ausgegebenen Millionen geknüpften Erwartungen 
nicht entspricht. Das Land schreckt nur dann vor neuen 
Opfern nicht zurück, wenn es weis, daß es dieselben für die 
staatliche Sicherheit, für die Freiheit und Verfassung bringt 
und daß diese Opfer zweckmäßig, auf eine den Erfolg ver 
bürgende Weife verwendet werden.- Die ungarische 
Delegation wird demnach gegen Ertheilung der Zu 
sicherung, daß in Zukunft das Kriegsministerium die 
Befchlüffe der Delegation respektiren werde u. f. w., die gc- 
forderte Summe bewilligen. In der Ertheilung solcher Zu 
sicherungen sind die Ministerien in Oesterreich und Ungarn 
niemals verlegen gewesen. 
Der aus dem Jahre 1818 berüchtigte Rumäne Janku, 
der einstige „König der Alpen", war geistig und körperlich 
mit jedem Jahre ttiefer und tiefer gefunken. Don seinen 
eigenen Stammes- und Gesinnungsgenossen verlaffen und 
verleugnet, starb der in schmutzige Lumpen gehüllte Land 
streicher neulich im Hofe eines Bäckers in Körösbanya, wohin 
er sich mit dem Aufgebot feiner letzten Kraft von einem Stroh 
haufen geschleppt hatte, auf welchem er mehrere Tage hin 
durch hilflos und verlaffen gelegen chatte. Kaum war er aber 
todt, als sich auch schon die rumänischen Agitatoren, 
KomitatsMMD^ Bergwerksbeamte an der Spitze, ein- 
des.Mannes, welche 
Tenoeuzen zu-Magen. JarWfs Leiche wuttien?-oem^pau'f 
eines der Honoratioren auf einem Katafalk aufbewahrt; zu 
demselben wurden Komitats-Hajduken als Ehrenwache kom- 
mandirt; die rumänische Fahne wurde auf dem Trauerhause 
aufgezogen; Gedichte, welche die Großthaten des Veistorbe- 
nen verherrlichten, wurden vertheilt; zum Leichenbegängniß 
selbst aber fanden sich 28 Popen, die aufgebotenen Lehrer der 
Umgebung und die fognannte Intelligenz ein!und wurden 
Reden gehalten, in welchen Janku als'der Messias der Ru- 
mänier gefeiert und fein Beispiel zur Nachahmung empfohlen 
wurde. Beerdigt wurde Janku unter einer Eiche,','unter wel 
cher nach der Volrssage Horna, der Führer des großen ru 
mänischen Bauernaufstandes, feine Sitzungen hielt. Zum 
Schluß der Feierlichkeit wurde eine Pistole abgefeuert. Janku 
hatte nämlich seine politische Laufbahn im Jahre 1818 damit 
begonnen, daß er bei der verhängnitzvollen Blafendorfer Ver- 
fl.mmlung auf die Rednerbühne sprang und dort feine Pistole 
abfeuerte' und bemerkte, dies fei die Sprache, die geführt 
werden muffe. 
§* Pest, 21. September. Das ungarische Budget 
hat den Deakistifchen Kreisen reichlichen Stoff zum Nach 
denken gegeben. Nicht allein das Defizit von 3 Millionen 
Fl. im Ordinarium und von 28 Millionen im Extraordina- 
rium, sondern vor Allem die Richtung, welche das Budget in 
e feiner Entwicklung genommen hat und die eine alljährliche 
Erh öhung desselben in Aussicht stellt, — giebt Anlaß zu Be 
sorgnissen. Auf dem bisher befolgten Wege muß innegehalten 
werden. Ungarn ist vcrhältnißmäßig ein zu kleines Land, 
um ein ordentliches Budget von 150 Millionen Fl. zu ver 
tragen. Wir besitzen einen ungeheuren Regierungsapparat: 
zehn Ministerien, 500 Abgeordnete, eine Unzahl von Kom 
missionen, außerdem ein gemeinsames Ministerium, Delega- 
1701 die Reinigung der Fresken Raphael's in den Vatikan!' 
scheu Gemächern durch." 
Wie klein und gering auch die Zahl derer, die ein Ge 
mälde von Raphael gesehen, noch immer fein mochte, sie war 
während des vergangenen Jahrhunderts im beständigen Zu 
nehmen. Die Reifetust nach Italien stieg, wiederholt wurden 
die Hauptwerke des Meisters in Kupfer gestochen; endlich 
ward durch die Erwerbung der Madonna des heiligen Sixtus 
auch dem Norden Deutschlands „ein Raphael" zugänglich und 
sichtbar. Gegenüber dem, was Frankreich und England bis 
dahin in der Kunstgeschichte geleistet hatten, war Deutschland 
kaum zu nennen, in dieser Hinsicht schien es in der That 
von einer barbarischen Finsterniß bedeckt zu fein. Aber mit 
einem Schlage wich dies Dunkel einer strahlenden Helle. 
Zwei der hervorragendsten Genien, Winckelmann und Goethe, 
haben uns die Pforte zu der Geschichte der bildenden 
Künste geöffnet, uns das Verständniß derselben erschlossen. 
Feinsinnig schildert Grimm nun die verschiedenen Verwand 
lungen, die Raphaer in diesen Forschungen und Darstellun 
gen durchgemacht. Winckelmann und seinen Zeitgenossen 
„galt Raphael als unübertrefflich liebenswürdiger Hofmaler 
zweier großer Päpste, Michel Angelo als melancholischer, 
etwas verschrobener, zuweilen abstoßender Hofbildhauer und 
Architekt." Atari betrachtete eben nur Raphael's römische 
Thätigkeit; die Werke seiner früheren Jugend kannte man 
flüchtig, die meisten waren zu weithin zerstreut, als daß man 
sie leicht hätte überblicken können; in Rom dagegen fand sich 
daß Größte und Reifste feiner Thätigkeit auf einen Punkt 
zusammengedrängt. Und auch in der Auffaffung der 
Persönlichkeit und der Stellung Raphael's traf die Rococo- 
zeit bis zu einem gewissen Punkt das Richtige. Wir sind 
jetzt, aus der unabhängigen Stellung, die Künstler 
und Schriftsteller einnehmen, aus einer gleichsam republika 
nischen Anschauung herays geneigt, den Hofdienst, die Ab 
hängigkeit Raphaels, Tasso's von dem Willen, den Launen 
ihrer Herren gering anzuschlagen oder lieber noch ganz zu 
beseitigen. Wrr geben den Malern und Dichtern der Rc- 
naiffance ein Freiheits- und Selbstgefühl, das sie nicht hatten. 
Noch weniger als die Künstler und Literaten der Rococozeit 
besaßen sie ein Publikum. Sie waren im Großen auf die 
Gunst der Höfe, auf die Unterstützung vornehmer Herren 
angewiesen. Gerade^ der innerste Gegensatz Michel Angelo'S 
zu diesen Verhältniffcn, denen er sich'doch wieder fügen muß, 
denen er in der Nothdnrft des Lebens nicht entrinnen kann, 
macht feine Erhabenheit und die Tragik semes L-chicksals aus. 
Umgekehrt war Raphael feinem ganzen Wesen und schmieg 
samen Charakter nach der rechte Mann für diese erlesenen 
Kreise. Die Gunst zweier Päpste von so widerspruchsvoller 
Eigenthümlichkeit, wie es Julius II. und Leo X. waren, be 
zeugt es unwiderleglich. 
Aber ebenso unzweifelhaft, wie diese Stellung, dieser Um 
gang einen entschiedenen Einfluß auf Raphael ausübten, 
eben so gewiß ist es, daß sie nicht den ganzen Raphael aus 
machten. Er war nicht durchaus, nicht immer der Hofmaler 
römischer Päpste, der Freund der Herzogin von Urbino. 
Das Bild, das Winckelmann, selbst Goethe von ihm aus 
gestellt, das dann aus tausend Wegen, wenn auch nur im 
fehlerhaften, übertriebenen Abklatsch sich bei den Gebildeten 
festgesetzt und eingebürgert hatte, bedurfte einer Ergänzung. 
Durch die Romantiker wurde fk ihm. Die erste literarische 
Anregung dazu schreibt Grimm dem Tieck'schen Künstler 
roman „Sternbald", der am Ausgang des Jahrhunderts 
erschien, zu. „Ticck", sagt er, „schuf in der Gestalt einiger 
lunger Künstler, die zu den Zeiten Raphael's zwischen Nürn 
berg, Antwerpen und Rom in der Welt sich umhertrieben, 
die historischen Gespenster, die fast ein halbes Jahrhundert 
lang Jo viel Unheil gestiftet haben. Hier finden 
Raphaests und Buonarotti's Cha- 
wir Dürer's 
en, die mit einander nur durch dass zu haben, um diese so Wünschenswerte Versöhnung zuver- 
Verbindnna sieben Heute sind bindern?" — Der klerikale „Monde' bleibt dabei, daß die 
-r^rvmoung Monarchie in Frankreich schon wieder hergestellt,wäre, wenn 
tionen und Zwei Armeen 
oberste Kommando in „ .... 
die ordentlichen Auslagen für die Honved's ans 
7 Millionen Fl. beziffert und noch giebt es keine Hovred-Ar- 
tiNerie; welche Ziffer wird das Honved-Ministerium erst 
beanspruchen, wenn auch die längst gewünschte Artillerie für 
die Honveds errichtet werden soll? Die Deakpartei dürfte 
in kurzer Zeit ?u der Ueberzeugung gelangen, daß der bisher 
einacschlagene Weg in Betreff des ungarischen Budgets dem 
Lande unerträgliche Lasten aufbürdet; vor Allem muß das 
Gleichgewicht rm Ordinarium hergestellt werden. Nehmen 
wir an. daß es gelingt, die Honvedtruppen zu einer Honved- 
armee zu entwickeln, wird Ungarn dauernd im Stande sein, 
für zwei Armeen zu zahlen? Mich dünkt, man habe wohl 
auch an einer genug Ausgaben. Das politische Motiv kann 
hier nicht in Betracht kommen. Sobald die ungarischen Re 
gimenter aus ungarischem Boden in Territorial-Divisionen 
vereinigt sind, bieten sie für die Selbstständigkeit Ungarns 
dieselben Garantien wie die Honvedtruppen. 
In deakistifchen Kreisen beschäftigt man sich eingehend 
mit dem Gedanken, die ungarische Landwehr in die gemein 
same Armee einzufügen, damit die Auslagen zu der Errich 
tung selbständiger Padres zur Ausbildung der Rekruten 
fortfallen und zu letzterem Zwecke die bestehenden Kadres der 
gemeinsamen Armee benützt werden können. — Sollte dieser 
Plan zur Ausführung gelangen, so würde das ganze Defizit 
aus dem ungarischen Budget mit einerumale verschwinden. 
Die Wehrkraft des Gesammtreiches würde hierdurch 
keineswegs beschädigt, indem die Ausbildung der Honved- 
rekruten weit besser mit den alten Kadres der genrcinsamen 
Armee, als mit den neuen der Honved's durchführbar ist. 
Jedenfalls steht die Deakpartei am Scheideweg. Sie hat zu 
wählen zwischen einem Budget ohne Defizit und einem 
andern mit alljährlich in's Unabsehbare steigenden Defizit. 
Die Vereinfachung des Regierungsapparates und die 
Reorganisirung ' der Honveds nach dem Muster 
der preußischen Landwehr führen uns zu einem geregelten 
Staatshaushalte, während die Entwickelung der Honved- 
armee nach dem bisherigen Plane und ihrer Ausstattung mit 
entsprechender Artillerie zu einem riesigen Defizit führen muß. 
Auch 'bezüglich des Extraordinariums, von dessen 
75 Millionen 10 Millionen aus Eisenbahn- und andere 
Bauten fallen, wünscht die Deakpartei eine gänzliche Umge 
staltung des bisher befolgten Systems. 
Die zu bauenden Eisenbahnen sollen keine Staats- 
snbventionen erhalten. Man wünscht eine großartige Eisen- 
bahnbaugeseüschaft zu bilden, der auch die Regierung^ bei- 
treien würde, insofern sie für die bereits auf Staatskosten 
begonnenen Bauten Aktien der Gesellschaft übernehmen 
wurde. Diese Bangesellschaft wäre verpflichtest, bestimmte 
Eisenbahnlinien ohne Staatssubvention zu vollenden und 
ebenso neue Bauten mit eigenen Kräften durchzuführen. Ans 
diese Weise würde auch das 28 Millionen betragene Defizit 
des Extraordinariums fortfallen. 
Jeden alls ist man in deakistifchen Kreisen entschlossen, 
das Gleichgewicht im Budget um jeden Preis herzustellen. 
Frankreich. 
3k Paris, 21. September. In Folge des Briests dcs 
Carayon-Latour werden die. Prinzen von Or- 
ftchvon links und rechts aufs Neue gedrängt zu 
.^WWkigen^llch woll-ü. curnal de Paris" 
xt aus eine weitere Interpellation des „Ternps": 
„Wir glaubten uns über die Frage der Republik und Mo 
narchie deutlich erklärt zu haben. Wir sehen indeß, daß der 
„Temps" uns schlecht verstanden hat. Wir haben keineswegs 
gesagt, daß wir geneigt seien, uns dem Versuche mit der Republik 
anzuschließen, sondern daß wir dem Versuche beiwohnen wür 
den. Der Unterschied ist groß. Wir bleiben dabei, zu glauben, 
d«ß die Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten in der 
Herstellung einer Monarchie besteht, welche aus der Ver 
söhnung der beiden Bourbonen - Linien und der Eintracht der 
monarNnscheu Partei beruhte. Es ist daL nicht die herrschende 
Meinung. Man will Anderes versuchen. Wir legen diesem 
kein Hinderniß in den Weg; aber was unseren Anschluß betrifft, 
so ist dieses eins andere Sache. Wir sind überzeugt, daß, 
wenn die Regierung des Herrn Thiers dem Lande ansieht, dieses 
gerade daher kommt, daß sie von der Republik nur den Ztamen 
hat. Wir sind überzeugt, daß der Tag, wo man die Probe mit 
einer wahren Republik, mit einer Erekutiv-Gewalt macht, die zu 
bestimmten Zeiten erneuert wird, dieselbe scheitern wird. Vielleicht 
irren wir uns: die Zukunft wird cs sagen. Da wir aber die 
Ideen haben, welche wir haben, so glauben wir nicht, daß es 
unsere Aufgabe ist, die Probe zu machen, welche man verlangt. 
Mögen die, welche an den Erfolg glauben, den Versuch an 
stellen. Was uns betrifft, so halten wir im Gegentheil darauf, 
unsere Verantwortlichkeit immer mehr und mehr von den Aben 
teuern loszumachen, die man zu unternehmen geneigt ist." 
Zugleich antwortet das „Journal de Paris" auch der 
legitimistischen „Union", die von ihm wißen will, was die 
Versöhnung der großen Fraktionen der monarchischen Par 
teien bis jetzt verhindert habe. „Wenn, sagt das orleanistrsche 
Blatt, das „Journal de Paris" gegen den Grasen von Cham- 
bord nur den vierten Theil von dem geschrieben hätte, was 
die „Union" gegen die Prinzen von Orleans geschrieben hat, 
würde sie uns dann nicht mit Recht vorwerfen, Alles gethan 
die Prinzen von Orleans sich einfach unter die Fahne des 
Oberhauptes ihres Hauses gestellt hätten; ihr prirniploses 
Schwanken zwischen der Erb- und der Wahlmorrarchie und 
ihr Liebäugele mit den Ideen von 1789 habe alles ver 
dorben. 
Das „Sitzcle" sagt: 
Die Erklärung des Herzogs von Anmale, ans welche Herr 
von Carayon-Latour in seinem Briefe an den Prästdenten 
der Republik angespielt hat, daiirt, w'c man uns sagt, nicht von 
gestern und kann also nicht als das Zeichen einerFrontvcrande- 
rnng der orleanistischen Gruppe angesehen werden. Der Herzog 
von Anmale hat vielleicht den Herren von Carayon-Latour, von 
Bisaccia und Lueien Brun neuerdings „den Ausdruck seiner 
edlen Gesinnungen" wiederholt; aber die Führer der legitimrsti- 
schen Partei sollten nicht vergeffen, daß der Herzog seit stmer 
Rückkebr nach Frankreich niemals eine andere Sprache geführt 
hat. Er erklärte bei jeder Gelegenheit, daß er den Grafen von 
Chambord als den einzigen rechtmäßigen Erben des Thrones 
Ludwigs XIV. »nd Heinrichs IV. ansehe, ohne jedoch ein Hehl 
daraus zu machen, wie tief er persönlich bedauerte, daß es 
diesem Prinzen so gul wie unmöglich sei, zum Segen Frankreichs 
den ihm von Gott bestimmten Thron wiederzugewinnen. Er, 
der Herzog von Anmale, obgleich stets der gehorsame Diener und 
getreue Unterthan des einzigen rechtmäßigen Königs, dem Nie 
mand den stanzösischen Thron streitig machen kann, bleibe doch 
zur Verfügung seiner Mitbürger für jeden beliebigen Posten, 
aus welchem man glauben könnte, daß er Dienste zu leisten ver 
möchte. Er kann den Gang des Schicksals nicht ändern'. Er 
bleibt dem Willen des Himmels und seines Landes ergeben! 
Das wäre, versichert man uns, der wahre Sinn der Erklärungen 
deö Herzogs von Anmale und vielleicht ist es ein wenig naiv 
von den Herren Carayon Latour und Bisaccia, wenn sie ihrer 
Freud« über dieselben einen so geräuschvollen Ansdruck geben. 
Das „Journal des Debats" fährt fort für die Sache 
des Freihandels einzutreten; es hebt besonders die Schäden 
hervor, welcke die Erhöhung der Schijfszölle schon jetzt 
dem französischen.Handel zufügt. „Dieser prohibitive Zu 
schlag, sagt es, hält'die belgischen Schiffe von unseren Häfen 
lern, und da unsere Handelsmarine nicht bedeutend genug ist, 
so zieht Deutschland, mit dem der Handelsvertrag noch in 
Kraft steht, aus ^dieser Sachlage Vortheil. Die deutschen 
Rheder und die weniger zahlreichen anderer Länder erhöhen 
als Herren der Lage die Preise der Frachten und folglich die 
der Waaren, und am Ende sind es die Franzosen, die ihren 
Kaffee und ihre Baumwolle theurer bezahlen. Einige 
Ziffern werden die Richtigkeit unserer Bemerkungen 
darthun. Seit der Einführung des Gesetzes, ja seit den De 
batten darüber hat die Zahl der in unsern Häfen eingelau 
fenen fremden Schiffe, sowie die Einnahme an Tonnengeld 
bedeutend abgenommen. Aus den letzten bekannt gewordenen 
Resultaten geht hervor, daß die Abnahme für das erste Halb 
jahr sich mit 2552 Schiffen und mehr als 100,060 Tonnen 
beziffert. Wir können nur bedauern, unsere Befürchtungen 
in solcher Weift zum Nachtheile unseres Seehandels gerecht 
fertigt zu sehen." 
Das offiziöse „Bien public" feiert den Einzug des 
Hem: Thiers in Paris mit folgenden albernen Tiraden: 
Indem Herr Thiers sich in eine Menge mischte,' die begie 
rig war, ihn zu sehen, hatte er keine andere Ehrenwache, alö dre 
Erinnerung an seine glänzenden Werke, seine glorreichen War 
nungen, seine patriotischen Beängstigungen t seine Präsident 
schaftlichen Arbeiten und seftren prächtigen Erfolg. Und doch 
hatten die drei mächtigLN Sr nveräne, als sie in Berlin waren, 
ihre Äugen aus oeu ^leinet'- Strand zurichtet, wo das Genre 
eines Rtannes ohne Gefolge und Eskorte weil von den kaiseftichcn 
Festen strahlte. Was dachte in diesem Augenblicke der Sieger 
von Sedan? Was dachte der Besiegte von Sadowa? Was dachte 
der zu gleichgültige Beherrscher aller Reußen? Niemand weiß 
cs, aber Niemandem ist es unbekannt, welche zahlreichen Be 
glückwünschungen unser Botschafter wegen der jetzigen fran 
zösischen Politik erhielt. Waren dieselben auch richtig? Wir be 
hanptcn es nicht, aber selbst wenn sie es nicht gewesen wären 
was liegt daran? In jedem Falle waren sie ein kostbares Zeug 
nitz, weiches unser Vertrauen in die Zukunft stärken muß rc. 
Herr Alfred d'Aunay, der für den „Figaro" in Berlin 
war, Unglaublichen Unsinn über Deutschland zusammenschrieb 
und seine Rückreise über Holland und Belgien nahm, hat bei 
seinem Eintritt in französisch Flandern eine sehr wichtige 
Entdeckung gemacht. Er ist nämlich ans eine Unmasse Ort 
schaften gestoßen, wo man kein Wort französisch, sondern nur 
vlämisch spricht. d'Aunay meint, daß man eine äußerste An 
strengung machen müsse, damit alle Franzosen endlich ihre 
Muttersprache verstehen. Diese Arbeit wird jedenfalls eine 
schwierige sein. Sie ist zwar dadurch etwas erleichtert wor 
den, daß das deutsche Element aus Frankreich ausgemerzi: 
worden ist, es bleiben aber außer den Flamländern. noch die 
zahlreichen Italiener, Basken, Bretagner und andere Volks 
stamme, welchen die französische Sprache bis jetzt unverständ 
lich ist. 
Der Tod des Königs von Schweden hat hier einen 
peinlichen Eindruck gemacht, da man seine starken Sympa 
thien für Frankreich kannte, welche seinem Nachfolger ferner 
liegen sollen. - Die deutschlntherische Gemeinde, die 
hier in der Bildung begriffen ist und welcher das Organ 
des Herrn Gambetta mit Verdächtigungen entgegentritt, die 
eines Jesuitenpaters würdig wären, soll nicht nur Deutsche 
im politischen Sinne, sondern überhaupt Deutschredende um 
fassen, also auch Schweizer und Oesterreicher. Ihre Grün 
dung wurde eine Nothwendigkeit in Folge der nationalen 
Intoleranz, deren sicü die französisch-lutherischen Geist 
lichen , wie zum Beispiel auch Monod, nach dem 
Kriege zu befleißigen anfingen. — Aus Epinal 
meldet man unter dem 19. September: „Nach der 
Räumung der Marne und Ober-Marne wird die Garnison 
unserer Stadt aus 2000 Mann Deutschen bestehen. Große 
Baracken werden in Bruyeres, Rambervilliers, Charmes und 
Neusckateau errichtet; dieselben werden aber schwerlich vor 
dem 1. Oktober beendet sein. iMan glaubt, daß die Gesammt- 
garnison unseres Departements (Vogesen) nach Räumung 
der oben genannten Departements 12,000 Alaun stark sein 
werde." 
Der Unterrichtsminister hat ein Rundschreiben er 
fassen, durch welches er die Maires auffordert, ein Verzeich- 
nih der Namen derjenigen Kinder, welche keine Schulbil 
dung genießen, herzustellen. Ein anderes Cirkular an alle 
Beamte des Ministeriums fordert dieselben auf, bei jenen 
Eltern belehrend aufzutreten, die ihre Kinder nicht zur 
Schule schicken wollen. — In Toulon, Lorient und Cher 
bourg werden drei Lager errichtet werden, die zum Zwecke 
haben, die Matrosen mit den Manövern der Landarmee ver 
traut zu machen. IDer Marineminister .hat den Befehl ge 
geben, daß der Transport der zur Deportation Verur- 
theilten bis zum Jahresschluß zu Ende zu führen sei. 
Das erst vor einigen Tagen entstandene katholische 
Blatt „L'Unitö franyaise" ist schon wieder eingegangen. 
Der Direktor des Blattes, Herr Albert Bötzel, welchen seine 
rommen Kommanditäre so bald im Sticke gelassen hatten, 
machte sich zuletzt den boshaften Spaß, einen stadtbekannten 
Idioten, den Advokaten Gagne, welcher in den Witzblättern 
eine stehende Figur ist. als Chefredakteur für die „Unitö" 
zu engagiren. Der Mann gab in der letzten Nummer des 
Blattes, welches den katholischen Jntcreffen dienen sollte, 
einen heillosen Blödsinn zum Besten.— Der Pater Du sour. 
der bekanntlich in Brest unter strengster Rüge fernes Ver 
haltens freigesprochen wurde, wird von seinem Orden nach 
den englischen Besitzungen in Ostindien gesandt, um dort m 
den semitisch en Unterrichts - Anstalten verwandt zu werden. 
— Zwei Pariser Geistliche, der Abbö Lamarche, Pfarrer 
von Saint-Louts in der Vorstadt Grcnelle, und der Abbe 
ttto ssignol, von denen der erstere Almosenier in der Armee 
von Metz gewesen und dieser freiwillig in die Gefangenschaft 
nach Neiffe und Kofel gefolgt war, sind nach Schlesien ab 
gereist, um die Gräber der dort gestorbenen französischen Ge 
fangenen zu besuchen. 
Nach dem Journal der statistischen Gesellschaft in Paris 
5at die neueste, im laufenden Jahre bewirkte Volks 
zählung von Paris eine Einwohnerzahl von 1/748,380 
Seelen (mit Ausschluß der Garnison) ergeben. Paris zählte 
im Jahre 1866 1.799.980 Einwohner; in den letzten 6 Jahren 
hat sich also die Bevölkerung der französische» Hauptstadt 
um 50,600 Seelen vermindert. 
Italien. 
3k Nom, 19. September. Die offiziöse „Opinione" 
chreibt: Die hiesigen klerikalen Blätter gefallen sich seit 
einigen Tagen darin, bald Differenzen, bald Unterhandlungen 
anzukündigen, die mit Frankreich wegen der Rückkehr des 
Gesandten Fournier und wegen der Frage der Güter der 
geistlichen Orden schwebten. Es ist niemals von Mit- 
heilungen in Betreff der Rückkehr des Herrn Fournier die 
Rede gewesen, weil man weiß, daß Herr Fournier sich nur 
für einige Tage von Rom entfernt hat. Was die Frage der 
Güter der kirchlichen Korporationen betrifft, so ist es aller 
dings wahr, daß viele Klerikale die Intervention 
Frankreichs nachgesucht haben, um ihre Konvertirung 
(in Rente) zu verhindern, unter dem Vorgeben, daß diese 
Güter für die beiden, zum großen Theil in Frankreich unter 
gebrachten päpstlichen Anleihen crls Garantie bestellt seren; 
aber die Regierung des Herrn Thiers hat begriffen, daß sie 
rakter in überzeugender Weise falsch dargestellt. 
Das ewige seraphische Jünglingsthum Raphael's, die senti 
mentale Weichheit Dürer's, das unablässige ästhetische Pre 
digen der großen Meister entzückte das deutsche Publikum, 
und der Nachhall fand zuletzt den Weg in das Herz der jungen 
Maler, denen der „Knabe Raphael" verlockend vor der Seele 
stand." Uebrigens nicht nur in Deutschland, in Frankreich 
und England trat dieselbe Anschauung in den Vordergrund. 
Sie hängt auf das Innigste mit der allgemeinen Umstimmung 
der Gemüther -nach dem Schrecken der französischen Revo 
lution zusammen. Unsere romantischen Dichter hängen ebenso 
mit dem Franzosen Chateaubriand und mit Walter Scott, 
dem echten Tory, wie unsere Maler Veit und Overbeck mit 
Ingres zusammen. Jetzt kam Raphael's vorrömische Zeit zur 
Geltung, seine Jugcndbilder, seine Madonnen wprden nach 
ahmungswürdige Aiuster. Gewaltsam hob man das Seraphi 
sche, das Religiöse in seinen Werken hervor. In der Ver 
götterung, die er namentlich in denbildlichenDarstellungen erfuhr, 
ging gleichsam alles Fleisch verloren und übrig blieb nur eine. 
geweihte, halb durchsichtige Gestalt. „Man nahm für Raphael's 
sämmtliche Lebensjahre' eine gewisse Durchschnittsgestaltung 
an, welche etwa aui die eines zwanzigjährigen jungen Mannes 
mii Anlage von Schwindsucht hinauslief und führte diese 
Figur in begierig aufgenommenen Gemälden und Zeichnun 
gen vor. In weit übergeschlagenem Hemdskragen und eng 
anliegendem, bis an den Hals zugeknöpftem Rocke erblicken 
wir Raphael, umgeben von seinen ähnlich schmal gewachsenen 
und gleich kostümirten Schülern. So wird er Papst Giulio 
präsentirt, so malt er die Sisiina, so entwirft er die Madonna 
della Sedia auf den Boden eines Faffes, so stirbt er." 
In ihren Ausklängen beherrscht diese Ansicht auch noch 
Paffavant'S „Rafael S«nti": bis heute die ausführlichste und 
eingehendste, die bekannteste und verbreitetste Biographie 
Raphael's. Si« ist im Großen und Ganzen die alleinige 
Quelle, aus der die Mehrzahl der Gebildeten, der Künstler ihre 
Kunde von Raphael schöpfen. Alle späteren Arbeiten über 
den Meister beruhen auf ihr. Ein wichtiges Hülssmitte! 
indessen fehlte Passavant oder stand ihm doch nur in unge 
nügendem Maße zur Verfügung: die Handzeichnunben 
Raphael's, die jetzt in photographischen Abbildungen verhält 
nißmähig leicht jedem Liebhaber und Wißbegierigen Zugang 
lich sind. Auf die Herbeischaffung, Ordnung und Be 
urtheilung dieses Materials legt Grimm den größten 
Werth. „Während von den Gemälden nur wenige 
Raphael's Hand rein erkennen laffen, da bei der 
besten Erhaltung doch immer die Frage offen bleibt 
wie weit Raphael sich fremder Hülse bediente, liefern die 
Zeichnungen unverfälscht die Züge seiner Handschrift. Alle 
diese Blätter liegen jetzt in vollendeten Nachbildungen neben 
einander dem Forscher vor den Blicken. Nun wird es mög 
lich, die Frage zu beantworten, die früher gestellt wurde, ohne 
daß eine Antwort zu geben war: wie die Gemälde dem Ge 
danken nach entstanden seien. Ihr Verhältniß zu einander, 
zu Raphael selber und zu den Meistern, unter deren Einfluß 
er arbeitete, tritt nun hervor. Mit Staunen blicken wir in 
die wunderbare Werkstärte, die die Natur Raphael als ihrem 
schöpferischen Genessen gleichsam anvertraute. Aber das nicht 
allein: eine Kontrolle der Nachrichten Vasari's von ungeahn 
ter Seite her wird jetzt thunlich: die Werke beginnen ihre 
eigene Geschichte zu erzählen. Dies vornämlich war das Ziel, 
meiner Arbeit im vorliegenden Buche." 
Die Richtigkeit dieser Meinung leuchtet ein; für die voll 
endeten Werre sind die Handzeichnungen etwas wie die erste 
Handschrift eines Dichters. Eine Art vhilologischer Kritik 
wird möglich; sie ist es denn auch, die Grimm mit Meister 
schast an den einzelnen Nachrichten und Schilderungen Vasari's 
übt. Aber die Gefahr liegt nahe, daß wir durch diese Unter 
suchungen wohl eine vortreffliche kntische Geschichte der Bilder 
p en; es wird von'Seiten der städtischen Vertretung keine 
offizielle Feier beabsichtigt, vielmehr in einem Ausruf des 
Bürgermeisters den Römern überlassen, zu zeigen, „wie hoch 
sie die Erwerbung eines Vaterlandes und den Schutz der 
freisinnigen Institutionen, die uns regieren, in Ehren halten", 
am Nachmittag wird der Kriegsminister Gel^eral Ricotti über 
die Truppen der Garnison und der Nationalgarde aus dem 
Exercierplatze des Maccao eine Revue halten. 
Ueber die Entstehung der Unruhen in Pisa am 15. er 
fährt man nachträglich Folgendes: In Livorno feierte der 
dortige Handwerkerverein an diesem Tage sein elftes Stiftungs 
fest, als von einem Mitqliede ein telegraphischer Gruß an 
das antijesuitische ComrtL von Pisa vorgeschlagen wurde. 
Der Vorschlag wurde enthusiastisch aufgenommen. Während 
aber Guerazzi sich daran machte, das Schriftstück aufzusetzen, 
Fortseßuna im ersten Beiblatt. 
7^ 
Raphael's, aber nicht das erhalten werden, was ich „das 
Leben Raphael's" nennen möchte. Bei Passavant wie bei 
Quatremere erscheint mir Raphael wie eine ftemde Treibhaus 
pflanze unter den gewohnten Blumen und Blüthen; er ist 
wie losgelöst von seiner Zeit und ihrer Bildung, kaum daß 
hier und dort die Meister und Schulen angedeutet werden, 
bei denen er gearbeitet, aus denen er hervoGegangen. Aus 
die literarische, gesellschaftliche Kultur der Zeit und seiner 
Umgebung wird reine Rücksicht genommen. Und wie unend 
lich viel muß er ihr doch verdankt haben.! Raphael spielt in 
der politischen Geschichte seines Vaterlandes nicht einmal 
eine leidende Rolle; es ist, als ob politische Verhältnisse und 
Bestrebungen für ihn gar nicht vorhanden gewesen wären. 
Aber ohne die „Kultur der Renaissance" ist er doch auch 
wiederum nicht denkbar. * 
Daß er bei dem Perugino gearbeitet, nach Florenz ge 
gangen, in Rom von Michel Angelo's Arbeiten ergriffen 
worden: damit ist doch schwerlich die Fülle der Anregungen 
erschöpft, die ihm von der Außenwelt kamen. Diesen Hinter 
grund vermißt man bisher allzusehr in den Biographien deö 
Meisters. Raphael wuchs keineswegs in ätherischer Lebens 
lust auf. Dies wird verschwiegen, verdunkelt; gerade wie man 
in Shakespeare's Leben gewohnt ist, seinen Umgang mit den 
Lords und Grafen herauszukehren und über das wilde Treiben 
der Schauspieler und Poeten den Mantel der Liebe zu werfen. 
Aber auf diese Weise erhält man immer nur einen halben 
Raphael wie einen halben Shakespeare: eine Figur, die zwi 
schen Himmel und Erde schwebt. Möge es Grimm gelingen 
— es ist unser Wunsch und unsere Hoffnung —in dem letzten 
Abschnitt seines Werkes diese Klippe zu Umschiffen und Ra 
phael vor uns aus dem Boden feiner Zeit, als einen Man« 
der Renaiffance, voll und ganz emporwachsen zu laffen, wie 
er es in seiner Biographie Michel Augelo's mit dem großen 
Nebenbuhler des Urbinaten gethan. K. Fr.
	        

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