Full text: Zeitungsausschnitte über Werke von Jacob und Wilhelm Grimm

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 G 
lation Tür ahdübün, achtübun in der weise von hoffart für hoch- 
fart und von vielen andern, hier sehen wir, wie bei H. Sachs 
die von Ulfilas einzeln und bestimmt gebrauchten abaks und dubo 
in einer Zusammensetzung mit einander verbunden, diese Ad- 
monter glosse mag dem zehnten, eilften jh. zufallen, viel weiter 
zurück, wenn man will fast bis an Ulfilas zeit dringt ein dritter 
beleg, im siebenten cap. der lex salica de furtis avium zu den 
Worten si quis turturem de trappa furaverit hat eine malbergi- 
sche glosse das wichtige wort acfalla, wozu in andern hss. die 
Varianten hacfalla und baofalla, letzteres sicher verschrieben oder 
verlesen für hacfalla, da in altfränkischen hss. h und b, c und o 
der Verwechslung unterliegen, in dem ac oder hac läszt sich 
wiederum ein fränkisches ahac ---- goth. ahak nicht verkennen und 
wir gewinnen nicht nur ein erwünschtes zeugnis für diesen na- 
men, sondern auch ein neues für die deutschheit der malbergi- 
schen glosse, wenn es solcher bestätigungen bedarf, es musz 
einleuchten, dasz ein an drei verschiednen orten unseres deut 
schen landes auftauchendes wort dadurch viel festere gewähr em 
pfängt, als ihm gezwungene auslegung der armenischen und os 
setischen halb ähnlich lautenden namen bereiten kann. rücken 
wir einmal vor in sicheren deutungen altdeutscher personeu und 
Ortsnamen, so mag in einzelnen, jetzt dunkeln praefixen ach, acha, 
haha leicht die Vorstellung von taube liegen. 
Meiner längst ausgesprochenen ansieht nach hat Waitz gar 
nicht wol gethan, seine ausgäbe des salischen gesetzes aus zwar 
alten, aber gekürzten handschristen aufzubauen und dagegen die 
fast gleich alten oder auch jüngeren vollständigeren zu verschmä 
hen; entscheiden könnten nur noch ältere aus dem sechsten und 
siebenten jh., die untergegangen sind. das beste kennzeichen 
gewährt die malbergische glosse und alle glossierten texte dür 
fen für alte gelten. Merkel ist nun meistenteils in seines Vor 
gängers fuszstapfen getreten und verweist eine reihe der merk 
würdigsten, uralten glossen samt ihrem lateinischen text aus dem 
hier besprochnen siebenten capitel in eine sogenannte novelle 33, 
das gesetz büszt hier auszer acfalla auch die glossen chanasuido, 
ortfocal, solampina, sundelino ein. 
Waitz gewinnt einen gründ oder eine beschönigung für sein 
verfahren durch die Vorstellung, dasz zwar Schweine, rinder, 
schafe, ziegen, habichte und gänse dem früheren, rohen und ein 
fachen leben der Franken entsprochen hätten, sperber, bahn und 
henne, kranich und taube erst späterhin durch wachsende bedürf- 
nisse und bequemlichkeiten eingeführt worden wären, diese an 
nähme scheint höchst willkürlich, und wie denkt man sich wol 
die häuslichen zustande der Germanen in den ersten vier jahr- 
hundorten unsrer Zeitrechnung? dem Tacitus freilich schienen sie 
indigenae, heute zweifelt niemand daran, dasz sie irgend einmal 
aus Asien eingewandert waren, soll nun den Gothen an der Weich 
sel, den Sachsen und Langobarden an der Elbe und den übrigen in 
ihren andern sitzen ihre dürftigkeit und beschränkung allmälich erst 
durch die Römer und das Christenthum benommen worden sein ? 
ich glaube umgekehrt, dasz sie, gleich ihrer spräche, deren 
ältere gröszere formvollkommenheit keinem zweifei unterliegt, 
eine fülle von sitte und Überlieferung aus Asien mit nach Eu 
ropa, aus ihren früheren europäischen wohnplätzen in die späte 
ren brachten und lange zeit fortführten, wenn ihnen auch vieles 
davon verloren gieng und auf dem fernen gründ und boden sich 
anders gestalten muste. eier und hühner entbehrten sie wahr 
scheinlich nie und kütten von tauben mögen ihren zögen gefolgt 
sein. Sachen und gegenstände, die ihnen in der neuen heimat 
nicht mehr zur band noch vor äugen waren, hafteten in sage und 
spräche; es wäre ganz falsch anzunehmen, dasz manche namen 
von thieren oder pflanzen, die nur auszerhalb Deutschland vor 
kommen, darum in der altdeutschen spräche mangeln und noth 
wendig von Rom her eingeführt sein müsten. unsere deutschen 
wälder hegten und nährten schon in den ersten jahrhunderten 
keine drachen und löwen, lieder und sagen hielten aber die er- 
innerung daran wach. 
Wie hiesz der löwe auf gothisch? wir waren unmittelbar 
nächst daran es zu erfahren, 2 Tim. 4, 17 hätte das wort ge 
standen und eben in 4, 16 bricht die hs. ab. ich bin unschlüs 
sig, ob man lau ja oder liuva zu vermuten hat, jenes gliche dem 
frauja, wie ahd. louwo und frouwo gelten, doch unter den west- 
gothischen königen treten Liuva und Liuvigild auf, welche namen 
Förstemann 1, 852 unrichtig zur wurzel Hub stellt, liuva scheint 
geradezu löwe, wie ein krieger und held auch biörn oder pero, 
nach des löwen Stellvertreter in der deutschen thiersage, ge 
nannt wird, die altnordischen dichter gebrauchen Ijonar wie bir- 
nir von beiden und männern, als Wolfhart in den kämpf sprin 
gen will und von Hildebrand zurückgehalten wird, ruft diesem 
Volker zu:
	        
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