Full text: Rezensionen von Herman Grimm in der National-Zeitung (1870 u. o.J.)

desselben arWWW^nter 
die des Antrags ein Fehler, oen!^ die vorauszu 
seheiM Ablehnung kann gewiß keine Propaganda für die Ab 
urtheilung der politischen und Preßvergehen durch die Ge 
schworenen machen. Es war den Deutsch-Freisinnigen in Wahr 
heit auch nur darum zu thun, gewisse gerichtliche Urtheile 
aus neuerer Zeit, deren bedenkliche symptomatische Bedeutung 
auch wir hervorgehoben, zur Sprache zu bringen. Dazu hätte sich 
eine andere Gelegenheit finden lassen; es wäre beispielsweise 
beim Etat des Reichsjustizamtes oder des Reichsgerichtes möglich 
gewesen. Statt dessen hat man einen Antrag eingebracht, dessen 
Ablehnung mit Bestimmtheit zu erwarten ist, falls die Antragsteller 
nicht vorziehen, ihn im Stillen unter den Tisch fallen zu 
welche aus Juristens 
! unerörtert bleiben. 1 
wären, das mag hier 
ßieder kommen, wo solche 
den; durch die praktisch 
T-.-Wr Kontroversen wird sie nicht 
Fragen zur Entscheidung reif 
zwecklose Wiederholung frühere— 
beschleunigt. tjcn Lage. 
) beeilt, die Meldung eines 
m . «kur diplomserung benutzten Blattes über 
ftffova Ü U y lcl L stuö mar ty der militärischen Maßregeln 
öfters von der österreichischen Sentiren. Die bereits in 
Schritte bezüe Meldung lautet: 
Rußlands rn aller Form zu «m»«» 
unserer dritten Ausgabe mitgetl 
Muliu,W !?rdenA^M^^^^W^^M die belfWndel',,^ 
die man begt, zu völliger Gewißheit gestaltet babö.i' 
Die Mittheilung eines dort^^BlatteS, daß deiWWWZtaats- 
sekretär des Aeußeren, Graf M^smarck, nach Sr.^perersburg 
reisen werde, ist vollständig n Weg rund et. Was mit dieser Mit 
theilung eigentlich bezweckt wurde, wird in Wien ebenso gut ver 
standen werden, wie dies in Berlin der Fall ist. 
In Bezug auf die russischen Truppenbewegungen gegen 
die österreichische Grenze weist man darauf hin, daß die russischer- 
seits versuchte Motivirung derselben — Fntterverhältnisse batten 
die Dislokation jener Kavallerie-Divisionen veranlaßt — für reinen 
Sachverständigen zutreffen kann und nur einen neuen Beweis 
, dafür liefert, welch' grobe Waffen in St. Petersburg angewandt 
werden, um die öffentliche Meinung zu dnpiren. 
Nachdruck bervoten. 
Trippe! 1787 in Rom ge-1 strichen ihren 
ausgeführt auf der groß- 
tSL 
Veröffentlichungen des Goethe-MuseumS in Weimar. 
(Die Schätze des Goethe - National - Museums in Weimar. 
60 photographische Aufnahmen nach den Originalen in Licht 
druck. Einleitung und erläuternder Text von Direktor Geh. 
Hofrath C. Ruland. Mit Höchster Genehmigung im Auf 
träge des Großherzoglichen Staatsministeriums unter Leitung 
der Direktion, herausgegeben von Louis Held, Hofphotograph 
in Weimar. 1887. Verlag von Louis Held in Weimar und 
Adolf Titze in Leipzig. I., II., III. Lieferung.) 
Das Wohnhaus Goethe's in Weimar umschließt des Dichters 
Sammlungen und Bibliothek. Goethe hatte während der sechzig 
Jahre feines Weimaraner Lebens vieles an sich zu bringen ge 
wußt, was seiner Liebhaberei als wünschenswerther Besitz er 
schien oder was er für seine Studien bedurfte. So war sein Haus 
beinahe zu einem Museum geworden. Heute thunlichst neu in Stand 
gesetzt, so daß jedes Stück womöglich die gewohnte anfängliche 
Stelle wieder einnimmt, bietet es den doppelten Anblick der 
Wohnstätte unseres größten Dichters und einer, neben den um 
fangreichen Museen Deutschlands, in ihrer Einfachheit immer 
noch kostbaren Sammlung. Denn manches Unikum gerieth in 
Goethe's Hände. Medaillen und Handzeichnungen von großem 
Werthe kamen zum Vorschein, als man die vorhandenen, so 
viele Jahre still liegenden Schätze neu aus Licht bringen durste. 
Es verstand sich von selbst, daß mit der Veröffentlichung 
dieser Dinge vorgegangen werden müffe. Der doppelte Zweck 
war hier zu erfüllen, in dem Werke das zu geben, was dem 
Kenner von Wichtigkeit wäre, und die Stücke zugleich so zu 
wählen, daß sie dem Besucher des Hauses eine anmulhende Er 
innerung gewähren. Es wurden zum Beginn diejenigen Werke 
deshalb'bevorzugt, welche Goethe und seine Familie darstellen. 
So empfangen wir von Goethe selbst zuerst das Portrait, 
welches Angelica Kaufmann während seines Aufenthaltes in 
Rom dort von ihm malte. Mir war es lange Jahre nur aus 
der Kopie bekannt, welche Abeken in Berlin besaß, das Ori 
ginal hing, unsichtbar für Jedermann, in der sogenannten „Archiv 
stube" des Goethe'schen Hauses. Ein warmes, mehr unmuthiges 
als charaktervolles Bildniß, dem man anzusehen glaubt, daß die 
Hand einer Frau es malte. Goethe, damals im siebenund 
dreißigsten Jahre, sah vielleicht niemals ganz so jugendlich aus 
wie er uns hier erscheint. Wenigstens läßt das zu derselben Zeit 
entstandene Tischbein'sche Portrait, früher bei Rothschild, 
Abguß der ersten Anlage der hrend Abgüsse der, wie man 
arbeiteten Büste, die in Mar zurückgebliebenen Original 
herzoglichen Bibliothek steht, utschland verbreitet sind. Oft 
sagt, von Tieck nach dem in Trippel den Apollotypus 
modeüe gearbeiteten Kopie in and die Ansicht war verbreitet, 
ist darüber geschrieben worden,g an ^om Künstler beabsichtigt 
u: Goethe's Züge einstießen lic der Büste zeigt noch keine 
diese Verschmelzung sei von Anbrigens dieser von Trippel ge 
gewesen. Die früheste Anlaopfes wurde, zeigen zwei im 
Spur davon. Wie einflußreich Zeichnungen Angelica's. Die 
schaffene Typus des Moethchenhende Büste selbst darstellend 
Goethemuseum # sichtMe getuschwird. Die andere die Scene 
eine die auf einem Piedestale ie Orest von Iphigenie und 
die von zwei Musen umkrän, in Goethe's Gestalt, nimmt 
aus Iphigenie wiedergebend, Komposition ein. Wir sehen, 
Pylades getröstet wird. Oref empfunden zu wissen wünschte, 
als Hauptfigur die Mitte deiiswürdigen Modernisirung der 
wie er sein eben vollendetes Wi war, 'kann das Gedicht nicht 
Ohne die Kenntniß der lielend bei dieser Darstellung ist 
Antike, die jener Epoche ei, Erscheinung, so daß man sich 
ganz^verstanden werden. Auffindet, Frau von Stein sei als 
das Frauenhafte in Iphigenien 
auch hier dem Gedanken zu Goethe, als Buri das Blatt 
ihr Urbild zu denken. de zwischen Jugend und Alter 
, Dreizehn Jahre älter w.)rte Arbeit in schwarzer Kreide, 
zeichnete, das ihn auf der Wcud. Ruland aber bringt Stellen 
zeigt. Eine sorgfältig durchgcs.ie sehr von den Zeitgenossen 
uns heute jedoch ein wenig schätzt wurde. Und abermals 
bei, aus denen sich ergiebt, -lgemälde dann den Kopf: das 
gerade diese Darstellung gez. Bei den meisten Gemälden 
20 Jahre älter giebt Kolbe's H Goethe-National-Museum eine 
ehrfurchtgebietende Greisenantluen erweckende Anzahl besitzt 
aus Goethe's Sssfor horott K/ t... «»nun Aomisfpr 
. . . Kopf leicht hinzeichnete, dessen lockiges Haar in d # 
rechter Kraft zur Anschauung zu bringen ihm dabei besonders 
rjc.-i.-i. n\*a in s*a ¥.vmfo /s7 
jetzt im Städel'schen' Museum in Frankfurt, rhn männ 
licher und in fchärserer Modellirung erscheinen. Wichtiger 
als beide Werke jedoch, auf denen neben dem, was die 
Natur gab, die Manier des Künstlers zugleich entschieden 
hervortritt, ist der im Goethehause wieder aufgefundene 
Alter, deren der Künstler, einen gewissen 
. . nicht immer Vertringen. Davon ist auch wohl 
emerken wir das Bestreben-rgleichen wir Alles in Allem, 
imponirenden Zug hineinzulUulmüthigkeit Goethe's im Ge- 
Kolbe nicht freizusprechen. Wer die Unfähigkeit der meisten 
erstaunen wir über 
u;ict «uiiguue gerne zur '-nnscyauung zu 
von selbst, daß die vorliegend die vorzüglichsten. , 
haben kann, auch das Verse schließen sich die ferner Frau 
die für sie gewählten Stücke shen war, in dem Maße als neu s 
An Goethe's Porttaitsftorischer Würde gewinnt, 
Christiane, die, wie vorauszuft Schreibpapier ausgelegt, aus oen 
Material sich findet, an hi Bekanntschaft mü kräftigen Feder- 
Museum ist der halbe Bogt 
Goethe in den ersten Ze^ 
A 
M 
■r, 
0 
r 
ILU/lCt OV t V4 | V guv VHI 0** * vv ***l) w ~ r ... 
am Herzen gelegen zu haben scheint. Das ist das „krause Haar", 
durch dessen Fülle mit den Fingern zu fahren ihn „sich von ■' 
Herzensgrund gesund fühlen" ließ. In unseren drei Heften 
empfangen wir von Christiane eine Zeichnung Buri's und 
die Büste Weisscrs. Neben ihr nenne ich Goethe's Mutter, 
auf einem Medaillon in biscnit zart und charaktervoll darge 
stellt. Goethe's Sohn zeigen Thorwaldsen's Basrelief und ein 
Oelgemälde; deffen junge Frau eine angenehme Zeichnung. 
Die übrigen Blatter de»' drei Hefte reproduziren Hand 
zeichnungen der Sammlung!, sowie eine Anzahl von deutschen 
und italienischen Medaillen. Auf diese Blätter, deren Werth 
mehr ein kunsthistorischer ist, hier schon einzugehen, verbietet 
die Rücksicht aus das noch zu Erwartende; es wird, wenn erst 
mehr Hefte vorliegen, von Goethe's Sammlungen in umfassen 
derem Maße die Rede sein können. Ans dem mir vorliegenden 
Verzeichniß der für die folgenden Hefte bestimmten Werke geht 
hervor, daß der gesammte Kreis der Personen, welche Goethe 
in Weimar umgaben, in Darstellungen erscheinen wird. Auch 
darauf fei noch hingewiesen, daß die von Ruland gegebenen 
Notizen nicht dem Vorrath bekannter Thatsachen entnommen, 
sondern aus dem Studium der auf dem Goethearchive be 
wahrten Briefschaften hervorgegangen sind. 
Das Ineinanderfließen des Schriftstellerischen und Künst 
lerischen, das Goethe's Entwicklung kennzeichnet, findet in diesen 
Heften seine besondere Illustration. Möchte man auf dem 
Goethearchive manchmal vielleicht vergessen, wie hervorragend 
das künstlerisch bildende Element bei dem Dichter war, so bringt 
uns das Goethe - National - Museum den Umfang deutlich 
vor die Augen, den es bei ihm einnahm. Je tiefer wir in der 
Betrachtung gerade dieser Dinge eindringen, um so mehr wer 
den vielfache Irrthümer verschwinden, die über Goethe als 
kunsthistorischeu Schriftsteller noch gehegt werden. Soviel ist 
gewiß, Goethe, der in seiner Bemühung um die bildenden 
Künste sich im Banne der Zeiten bewegen mußte, in die sein 
Leben fiel, hat, wo er urtheilend, sammelnd und selbstthätig als 
Kunstfreund eintrat, sich immer mit dem größten Ernste an 
den Dingen bethätigt. Und auch diese Erfahrung sei noch be 
merkt, die Goethearchiv und Goethemuseum bekräftigen: so um 
fassend die Kenntniß der Tage und Stunden wird, die wir 
aus Goethe's Leben gewinnen, nirgends begegnen wir einem 
inhaltslosen Momente bei ihm. Diesem außerordentlichen 
Menschen scheint der Begriff des Müßigseins völlig gefehlt 
zu haben. 
Ich schließe diese Besprechung, die nur eine Anzeige der 
Unternehmung sein kann, mit der Bemerkung, daß jedes Hefk 
etwa sechs Blätter nebst begleitendem Texte enthalten wird, io 
/
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.