Full text: Zeitungsausschnitte über Elisabeth von Heyking

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 20 
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r ?^lMama hatte NysrMch beabsichtig, dir» Enkel zu ihren 
zu gesotten und sie eöner nach dem andern nach ihren 
versch edsnen BestLmm'.DMor'-en cWa^rm -yu sehen. Aber gerade 
da^/egM echoben sie Einsprache. Großmama soll e vor ihnen ab- 
ns^en, so dos^ die beiden sie nach m ihren Zug sehen konnten. Dos 
^i-ehen ans einem Bahnhof zwischen lauter Frentt-m und doch in 
M'wvr Angst CeeLnton. dos Tücherrornken mH Blicken nach e'nem 
enteilenden Auge. das enttarne Zurückgehen, all das wollten sie 
chr, ber GebrechS'chm. ersparen Und ane sie angeordnet, geschah 
€3 * ® : ; n wtmdorl'ch neues mH süßes Go'ühl war dieses Umsorgt- 
und beinch Kommandiertwenden siir Großmama. Neu? —} a ' 
rrnd doch weckte cs zugleich ein Er'nnern, — hatte n'cht einst 
PP’j fangen Jahrein, als sie salbst jung gewelen, der Grohns er 
KÄfder ganz ähnlich sorgend- über sie bosti-mntt und gewacht t 
Zehrten alte Zei en wieder? — Und während die beiden Enkel 
d«n Bahnhof mit festem Händedruck und einem „Auf WAd. r* 
' voneinander Adichi-ch nahmen und jeder feines Weges 
Astern Geschick entgegentchritt, sann Großmama in dem - vtt. 
Heimat zurollenden Zuge nach, wie schön es alles werden Mts» 
wenn d'o beiden endgülttg hei-mgekchrt sein urürden. Sie wollte 
ihnen dann alles übergeben und sich selbst endlich etwas umhegen 
lasstn, denn sie fühlte sich müde von langer Lebensarbeit. Noch 
bester als früher würde sie von den Enkeln jetzt verstanden werden. 
r>e.nn es waren ja -keine Kinder mehr, hatten inzwischen selbst 
gelernt. Visiere zu tragen, wußten mm. wieviel sich oft dahinter 
barg. Ja, wenn sie erst endgültig hsimgekehrt ^siöin würden! 
(Schluß folgt.) 
Die Orgelpfeifen. 
Don ElUabeth 5> enkina. 
(Schluß ans Nr. 95.) 
Oftmals lvu-rden dann während der folgenden Monate auf des 
Een Schlosses Dach die stolzwchendsn Fahnen gehißt, denn, der 
Siegeslauf gen Osten ging ja ummfhaltstMi werter. UrD ZU d.rier 
osisomoinon Frmtde gesellten sich für Großmama noch Gründe ne' 
sonderor persönlicher Dankbarkeit. Von dem jüngsten Enm 
sprachen die Fliegcvberichte immer häufiger, zählten die Siege aus, 
d-e er droben in den Lüften erfochten. Das ganze Dorf foie/te »* 
3iag, da er den höchsten Kriegsorden erhielt. Nicht GroßEd 
allem, sondern die ganze Gogerrd, wo jeder ihn kannte, schien ja mr 
umstrahlt von dorn Glanz, der von sonioin Namen ausging. , 
Uber den Seemann hörte man weniger. Sein Wirken lag fa rn 
fchauererfülltsn dunkeln Tiefen, und die dort vollbrachten Helden- 
raten drangen nicht fo in die allgemeine Kenntnis. Namen wurden 
k>t diesen Berichten nicht genannt, mH in dieser Anonymität der 
Leistungen lag eine besondere entsagungsvolle Größe. Aber voi 
ven sich mehrenden Zahlen der versenkten Schiffe wußte Grob- 
Mama doch, daß einer dabei mitwirkte, desion kindlichen Spielen 
Mrt Schi'fschen, die alle ihr E>He auf dem Grund des Garlenteichs 
fanden, sie oftmals zugeschaut hatte. .... 
Tage still-LN Stolzes, des Lichtes und der Zuversicht blühten 
Großmama. Ein sanftes Leuchten ging von ihr, der Uralten, chis^ 
Und ihre Freude teilten die bei ihr genesenden Feldgrauen, teilte 
vor allem ihr Freund, der alte Pastor. Mit ihm, der die Enke! 
heranwachsen gesrhen, entwarf sie Pläne für ihre Zukunft, denn 
sicher waren di-'se beiden, die sich setzt schon fo hervortaten, noch 
zu Großem bestimmt, würden, in ihrer Gewöhimng an völlige 
Verantwortlichkeit und Fähigkeit zum Entschluß, gerade als joiälr 
Männer aus dem Krieg hervorgehen, wie das Land sie bitter 
vra-uchte. 
Und dann brach dies letzte Glück ebnes langen Lebens zusammen. 
Überfällig war das Tauchboot, das den Enkel trug. Banges 
Karten, angstvolles Forschen füllten die Tage urrd Nächte. Endlich 
M. die Kunde ein, daß ein paar der Mannschaft an fremder 
gelandet waren. Der eine heißersehnte Name aber war nicht 
"nlcr ihnen. Schließlich kam langsam durchsickernd Kenntnis der 
Aussagen, die fern wenigen Überlebenden über des Schiffes Zer- 
stortmg, über den Tod ihrer Kameraden gemacht. Aussagen, bei 
^enen das Herz sich zusammen krumpfte und der Verstand nicht ver- 
ftehen wollte. Es konnte doch nicht wahr sein! Selbst die Un- 
tzetüme der Meerestiefe mußte ja das Entsetzen erfaßt haben, als 
ste solches geschehen sahen! Wie war das Unge^üerliche nur ffU 
ertragen? 
Als fein Zweifel mchr möglich, kämm zaghast einige ihrer feld 
grauen Pflegebefohlenen zu Großmama, wollten warmen Herzens 
und voll natürlichen Zartgefühls ihre Teilnahme bezeigen. .So 
jtmg. So nma. konure der eine bärtige Landsturmmann nur 
immer wiederholen. Aber ein sicherer sagte- Der liebe Gott 
frägt eben de. komem von mrs, wie lange er gelebt hat der frägt 
immer tme." - „Bleicht «chsint solch eÄ, arr^s jrm^
	        

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