Full text: Zeitungsausschnitte über Ludwig Emil Grimm

Seite 204 
Unsere Heimat 
i Nr. 25/26 
Nr. 25/26 ZAZZZ-AH'AHZZZAJZJHAZZZZZ'Z Unsere Heimnt tzOEtzDEEHG-OOGOGGOE-GGOEEEH Seite 205 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 7 
haut. Daroeds braucht dehamm Kaans zu. frage, 
boas dauß beim Vieh vürgange woar. Oie konnte's 
gerich, bann se nach niet graad die feinste Noase hare. 
Manchmoal wur so gequalmt, deß, dr ganz Grennel 
devon ausgefällt wur. Bann mer hoanfuenn, stacke 
die Erle im Raache bie im November im Newel. Za 
Strech sein vleicht niet noach jerermanns Geschmoak,' 
äwer mir woann recht vrgnügt an lustig debei, an 
mir nuhme doadurch sogoar es Nühhüre mit in'n 
Naaf. In dr Hauptsache wur dach Feuer gemoacht, 
deß mr sich debei konnt gewärm. 's woar aach 
nörig, weil die Nenn früher niet so in dr Mondur 
stoackte, bie heutigestoags, bu jeres sein Mäntelje 
äwer Neeb 11 ) hoat. 
Na is's vom Feuer bis zu de Noacherei würklich 
kann weire Weg. Außerdem gitt's beim Nühhüre niet 
nur Kalle Füß on Fenger, nan, aach Hanger, 
an deshalb is's Kaan wonner, deß mir beim höre 
aach gekoacht on gebrutzelt hon. Noachgeschirr on 
Nöchezehl woann sehr oanfach. Mir waann joa in 
kanner Noachschul gewest, on bann mr dehamm moal 
ins Többe wollte guck, wuenn mr mit em Rühr- 
läffel zu de Nöche nausgejat, deß mr die höälzen 
Schueh debei vrlur. Trotzdem schmoackt alles recht 
abbediddlich, boas mir kaachte, an bann ihr nur 
dr nörig Hanger hätt', fällt ihr dr Boart leck bie 
Natze am Sonndigmittoag. Naffee - ze kcache, fiel 
ans niet ein. Der kom daamoals bei ville Leut aach 
schon vom Bure roa, woar vuenne on Henne spetz 
an schmoackt bie eingeschloaffene Füß, Dem so Brüh 
moachte mr noch kann Fenger kromm. Mit am 
anzige Marjöässer Többje käme mir aus, alles üwe- 
rige wur geschnetzt an geschnebbelt, on mit em Täsche- 
messer kann mr vill gemach. Im herbst, bann die 
Ouätsche bloa wuenn, wur Ouätschebrei ge 
koacht. Dazu brauchte mir noch Kaan Noachbuch 
anzerüenn. Doas Konnt' ons aach wengk genätz, 
doa haßt's joa doch ömmer: man nehme, wenn man 
hat — an mir hare leider wengk. Doch woar die 
Ouätschebreizeit e festlich Zeit. Bei de fange Buescht 
is' se durchs Latwarjerüenn auch sehr beliebt, an 
dr Latwargehannes hoat, waß Gott, schon meh Ehe 
gestift bie dr Tlieser. Mir kaachte aach in Gesellschaft. 
Esse an Nrwet schmecke doa besser. Ieder hatt' äwer 
sein Nrwet. Der oan mußt' hoalz hol, dr anner 
Wasser. Der moacht Feuer on, an alle üwerige ginge 
Duätsche stribbse"). Bann alles schön beinanner 
woar, wuenn die Täsche link gemoacht, doamit dr 
Ioacker zum Dürschein kom, an no konnt's los gegeh. 
Dille Näch vrdarwe dr Brei. 's wär dach e wonner, 
bann ons dr Ouätschebrei ömmer geroare wär. Ga- 
moal woare ze süß, e annermcal ze sauer, an villmoal 
angebrannt, weil kanner wollt rühr. Meist konnt' 
mr vür lauter Naach niet gerühr. Dns schmoackt' 
dr Ouätschebrei doch gut. Mr wüedd alles gewohnt, 
aach dr brennzelig Beigeschmoack. Die hälft von 
allem, boas im Többje gekoacht hatt', hongk noach 
dr Mahlzeit außwennig am Többje on on ans. 's 
Maul, die Backe, die pure^), dr Motze on die Hofe 
woan beschmiert on eingesalbt, wennjer Gemstenn 
moacht die Noacherei, bann es Többje kabutt woar. 
Ouätsche an Nebbel wuenn oanfach aff e Gerte ge 
spießt an in dr Flamme gebroare. Ohne sich ze 
1+ ) (Tape, Umhang ") stehlen "') Pfoten 
besilljern, ging's äwer aach. doa nie aab. Damoal wollte 
mr äbbes Bessersch koach. Doa käme N r e b s ins Mar 
jöässer Többje. E kallosoal Meerwonner moachte 
die vürnehme Leut aus Nrebssabbe. Sonndigsoaweds 
hatt' en Nutscher von Nommez devon im wiettshaus 
vrzallt, on mir hare's im Durf aufgeschnappt. Nrebs 
woann so billig, deß mir'sche bezoahl konnte, dröm 
goab s on em schöne Sonndig im Grennel richtig 
Nrebssabbe. Boas äwer dr Bauer niet kennt freßt 
e niet, on so ging's ons mit dr Nrebssobbe. Nichtig 
zerechtgemoacht woar'sche, sie woar goar on rot bie 
im Noachbuch, nur mir sein niet drongange. Die 
Nrebs kome all mitenanner wierer hien, bu. mir'sche 
ge fange, ich wallt sa, gekafft hare. Don aamoal 
hare mir die Noase voll genungk, mir ließe Nrebs 
Nrebs sei an koachte Hausmannskost. Doamit komme 
mir zu dr zwatt an letzt Nommer von onserm Nöche- 
Acicvnung mm G. Knauf 
3^1, die hieß: Sraatkatoffel. Nach doas Ne- 
zept woar sehr oanfach. Sogoar es Több e hare mir 
debei niet norig Off em Ncker wuenn mit de hänn 
Natoffel rausgekratzt on in der Nappe äwer im but 
beigeschloappt. 's Feuer wur richtig in Glut qe- 
broacht, on no wuenn die Natoffel in de glühende 
Noll begroawe Doa denn brure se on brauchte koan 
Salz an koan Schmalz. Die vrkahlt Schoall wur mit em 
Messer e wengk raagekratzt, on no ging's ans Blouse 
on Schnaweliernn. Ich sann euch, so Broatkatoffel 
brenge se in dr Noachschul niet zerecht! Mir hon ans 
dr Nanze demit so gefleckt, deß mir beim Dawedesse 
kann Broacke meh einegeschürg kannte, hänn an 
Gesicht Kroge auch wierer ihr puetion debei aab Bann 
die Mannsleut üweraal on all mit dem NöcheE sa 
zefriereweänn häre's die Weibsleut gut. Nach eNachet 
v e ck k o p p hare mr emoal ins Töppe an affs Feuer 
gebroacht Doa wußt äwer jerer vürhar, deß die 
met zu esse waann.. Mir hare Necht, sogoar dr hond 
ließ tz: leig. Doa bei gal's ons aach nur öms Fange 
ons Zerechtmache, an es woar niest bie en Zeitvrtreck 
Zeitvrtreib woar alles, boas mir so en Sommer an 
herbst durch, oft von de Maispetze bis zu de Spenn- 
blume, dauß beim viehhüre getriewe hon! 
Die Natur ist unser Iungbrunnen: keine 
Hygiene, keine Wohlfahrtspflege kann 
uns das geben, was die Natur uns 
bietet. Schwächen wir sie, so schwächen 
wir uns,- morden wir sie, so begehen 
wir Selbstmord. 
Hermann Löns 
Das Vlaufarbenwerk Schwarzenfels 
von Dr. jur. u. phil. Npel, Marburg a. d. L. 
7. Beamte und deren Gehälter. 
(Fortsetzung) 
Naturalien, Wohnung, Gärten, Feuerung, Licht 
werden später mehrmals neu und höher berechnet. 
ber Beamten- und Nrbeiterschaft, deren Gehäl 
ter, Löhne und sonstige Berufsoerhältnisse ist 
noch einiges zu sagen. 
Nn Beamten, oder wie man sie damals nannte, 
Offizianten, waren nur sehr wenige an dem Far 
benwerk angestellt. In den Begründungsakten der 
Fabrik von 1731 werden nur deren 3 genannt, der 
Fabrikinspektor, der Farbenmeister und der Faktor 
oder Nechnungsführer: Die beiden erstgenannten Nrm- 
ter waren obendrein in einer f)erson vereinigt. Mit 
der Nusdehnung des Werkes und der Vermehrung der 
Nrbeiter wuchs auch die «oahl der Beamten. c)war das 
Diätenreglement von 1743 läßt 3ahl und Nrt der 
Beamten noch nicht erkennen. Dagegen gibt der 
Beamten-Ltat des Farbenwerks von 1807 ein klares 
Bild der Beamtenschaft und ihrer Bezüge. Lr verzeich 
net für 
1. den Fabrikinspektor freie Wohnung und Garten, 
Brand und Licht, Futter und Streu für 1 Pferd 
und 600 Tlr. — a. — hl. 
2. den Nechnungsführer und Zabrik-Nommissar freie 
Wohnung und Garten, Brand und Licht, V^Teil 
Nschenauswurf und 300 Tlr. a. hl. 
desgl. als Nnappschafts-Nechnungsführer 
67 Tlr. — a. — hl. 
3 den Nontrolleur freie Wohnung und Garten, 
Licht und Brand, V» Nschenauswurf 
und 200 Tlr. — a. — hl. 
4. den Farbenmeister freie Wohnung, Licht und Brand 
und 150 Tlr. — a. — hl. 
5. den Materialschreiber dgl. 150 Tlr. — a. — hl. 
6. den Blaufarbwerkgehilsen dgl. 
69 Tlr. 10 a. 8 hl. 
u. a. d.Nnappschaftskasse 50 Tlr. — a. — hl. 
7. die Holzanweisung und Nufsicht beim Brennholz 
einwerfen 6 Tlr. 21 a. 4 hl. 
8. den Nmtsphysikus 
a. d. Nnappschaftskasse 20 Tlr. — a. — hl. 
9. den poliermeister der Spiegelmanufaktur freie 
Wohnung, Brand und 173 Tlr. 10 a. 8 hl. 
Nach Wiederkehr der hessischen Negierung wurde 
der Etat 1815 etwas erhöht. 1823 ergibt er 
für den O.-Berginspektor freie Wohnung, Garten, 
Licht, Brand, Pferdefutter pp. und 1342 fl. 
für den Fabrikkommissar freie Wohnung, 
Garten und 607 fl. 
für den Nontrolleur freie Wohnung, Garten 
und 400 fl. 
1826 für den Materialschreiber freie Wohnung, 
Garten, Brand und 510 fl. 
für den Farbenbereiter freie Wohnung, Garten, 
Brand, Speisegeld und 234 fl. 
und von der Nnappschaft 3 fl. 
für den Holzaufseher 2 Malter Norn und 80 fl. 
1834 für den Materialienoerwalter (Geldeinnahmen 
und Naturalien) 661 fl. 30 a. — hl. 
für den Fabrikschreiber (Geldeinnahmen und 
Naturalien) 365 fl. 10 a. — hl. 
für den Farbenbereiter (Geldeinnahmen und 
Naturalien) 408 fl. 28 a. — hl. 
8. Arbeiter, Arbeitslöhne, Knappschaft und 
Knappschaftskasse. 
wichtiger als die Beamtenfrage, die ja durch 
die Behörden gelöst wurde, war für das Blaufar- 
benwerk die Nrbeiter frage. Einen großen Teil 
der Bauarbeit, die Hand- und Spanndienste verrich 
teten ja, wie oben schon angegeben, die fronenden 
Untertanen ohne Lohn gegen bescheidene Nost' und 
obwohl man ihnen versprochen hatte, nach Inbetrieb 
setzung der Fabrik die Fronfuhren aufhören zu lassen 
und ihnen mit ihrem Fuhrwerk etwas zu verdienen 
zu geben, wurden sie auch fernerhin nicht nur zu 
Hand- und Spanndienste für Bauarbeiten, sondern 
sogar zum Nlafterholzfahren herangezogen, bis sie 
sich dagegen beschwerten. Nus einer dieser Beschwer- 
deschriften von 1742 geht hervor, daß die Nosten 
für die Fronarbeit eines Iahres nur 15 fl. 16 alb. 
(an Fronbrot) betrugen, während die Fabrik für die 
gleiche Nrbeit gegen Lohn hätte 93 fl. 10 alb. be 
zahlen müssen, sodaß sie aus Nosten der Untertanen 
ein plus von 78 fl. machte (Han. Nrch. Nachtrj. 
Nr. 9042). Ob man ursprünglich versucht hat, auch 
zur eigentlichen Fabrikarbeit Fröner heranzuziehen, 
ist nicht klar zu erkennen. Iedenfalls mußte man 
schon bald zur Nnwerbung gelernter Nrbeiter grei 
fen. Die Fabrik wurde nicht nur von Nnfang an 
dem D.-Bergamt (G. Bergdirektion) unterstellt, son 
dern auch selbst unter die Bergwerke oder Gewerk 
schaften gerechnet und in die üblichen 128 Nuxe ein 
geteilt, was aber, da das Werk in fürstlichem Be 
sitz war, keine Bedeutung hatte. Doch hatte es zur 
Folge, daß schon in den ersten Iahren in Schwarzen 
fels eine Nnappschaft errichtet und ihr unter dem 24. 
Dkt. 1734 von dem Statthalter Ldgr. Wilhelm (VIII.) 
ein Statut, Nnappschaftsreglement genannt, erteilt 
wurde. Das Original dieses Statuts befindet fick 
mit der Stiftungsurkunde von 1730 und dem Lehn 
brief Naifer Ferdinands II. über die hessischen Land 
grafschaften und Fürstentümer von 1608 in ein und 
demselben Faszikel (Han. Nrch. Nachtr. 8828). Das 
Nnappschaftsreglement lautet im Nuszuge: 
1. Die kranken Nnappsch.-Mitglieder erhalten den 
halben Lohn und kostenfreie ärztl. Behandlung und 
Nrznei, wenn sie das Iahr lang treu gedient haben. 
2. Die infolge Nrankheit, Unfalls oder Nlters 
Invaliden und Nrbeitsunfähigen erhalten eine Bei 
hilfe,- die durch Trunksucht, Schlägerei u. s. w. oder 
außerhalb des Werkes zu Schaden Gekommenen sind 
davon ausgeschlossen. 
3. Die Witwen der rechtschaffnen Farbarbeiter 
erhalten 3 Tlr. zu den Begräbniskosten, desgl. eine 
Beisteuer zur hausmiete und 2 Tlr. jährliche Bei 
hilfe, (bei Unverheirateten erhielt es eventl. statt 
der Witwe die Mutter und unversorgte Geschwister). 
(Fortsetzung folgt)
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.