Full text: Zeitungsausschnitte über Ludwig Emil Grimm

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 7 
Seite 186' ssZPssGsKsG'ZssGWZsGWAZ-As UllfCrC ksLIMUt tzGDHtzHWHtzHGtzE-HHHHGGGtzdtzH Nr. 21/24 
mir dron! Ls foahlt ons zu dem Geschäft niet meh bie 
alles. Geld zu BB-Beiter hare mir niet, on es 
peufje foahlt ons groad so gut bie Sigga on Zigarette- 
häre mir nur doamoals so e Mutspeufje in de härm 
gehont, bie's heut Lall jerer drette Mann im Maul 
hont, mir häre schon gewußt, boas mit onzefange 
woar. Ion, häre m'r gehoat! von wär ons geholfe 
gewäst. Bann m'r sünst moal wollt rach, hieß's 
ömmer: „Geh fuett, rach dr Ka% om Schwanz!" So 
schlau woann mir äwer doch, deß m'r wußte, deß 
doa e Maul voll hoar goab. Blso, mir mußte ons 
helf, bie m'r konnte. Bann die Bastanerje 18 ) zeitig 
woann, moachte mir ons peuferje devon. Sie wuenn 
mit em Messer — jerer Song hont doas wege de Ba- 
toffel on Matte in dr Däsche — ausgehöhlt- Ts 
Mundstück wur aus Brennesselstengel gemoacht- — 
Ls gitt üwrigens noch meh Mundstöcker, die vr- 
brenne! —! Schöne peuferje woann doas! Mir konnte 
se auch aus Eichel gemach. Doa ging äwer ganz on 
goar niest nein. Dill mit onzefange woar joa niet. 
3u gichtbrüchig woann se,' äwer trotzdem hon me 'sche 
niet kalt gerächt. Doas wär joa goar niest, gewest! 
Ita, sie wuenn richtig geloare, mit selbstgemoachte 
Euwak aus Bößlab on Bleeköpp. So en Tuwak 
vrträgt äwer kann Gaul, on ihr düefft m'sch glab, 
ons woar e aach e beßje vill ze stoark. Mir hon 
en niet gepackt, viellmeh droaht sich die Geschichte 
röm, on doas Braut wur Herr üwer ons. Mir wuenn 
weis, deß auch doa denn noch kann Master vom 
Himmel gefalle is', on deß aach Stöcker,. bu in 
Würklichkat gar niest tage, gelaunt wann sei. Läscht 
wollt der Stinkklowe niet brenn, noacht niet zieh. 
M'r mußt denzid), deß sich die hoar strübbete on 
die lange Nenn woakelte. Bie e äwer eäscht im 
Brand woar, beß em dr Bach off die Zonge on in 
die Bage. Ls Wasser lief em aus de Bge bje bei dr 
schönst Seicht 2v). M'r muß späuz on^nist bie unge 
scheit. woar dezu vlleicht noch en Zappe Bach in 
die sonndigs Gurgel komme, konn's gesei, deß vür 
lauter huste goar koan Buh wierer ze fenne woar- 
„Bller Bnfang ist schwer". Meist loage äwer Gn- 
sangk on Lnn bei dere Bacherei kuezz beinanner. 
Zu anner Leireschaft wur doa es Bache noch niet. 
Ohne groß Gnstrengung konnt m'sch wierer löätz 
gesei. Ls Zugucke is' auch doa, bie bei so vill Sache 
im Lewe, leichter bie es Mitdonn. Ganz on goar 
üwer ons Bröäfte ging's äwer eäscht, bann m'r ons 
on Buhr vrgrefe. Ich moan rond spanisch Buhr. 
Bur ann Mann im Durf hatt's in de hänn, on der 
duefft ons sogoar dr Wanst demit schrubb, ohne deß 
Einhalt gebore wur. Germer vürspieglung falscher 
1S ) Kastanien lö ) ziehen 20 ) Beerdigung 
Toatsache mußte m'r aach noch selwer doas Sadans- 
zeug in Schlächter beim Fehl hol. Ich sann euch, 
der Dreck hrennt, brennt villmoal besser bie Böß- 
lab! Zwibbelsaft macht spanisch Buhr mür 21 ). Bann's 
knallt, fliege die Stöcker in dr Luft röm. Ls Gringele 
mit em schoarfe Messer hält's ewesowengk aus. Doas 
woar euch äwer aach e sehr gewoacht Soache, on 
besser ließ m'r die Fenger devon. Bann doas 
Buhr eäscht Besche is', brennt's niet meh. Dröm wußte 
m'r doas Zeug ze Kriege, moaggt's geh bie's wollt- 
Gn mir kroche's! Bie, wüedd liewer niet vrroare. 
Bann me'sch eäscht drwoscht hare, wuesch mit enaus 
off die wiese genumme. Doamit Kanner ze kuezz kom, 
möglichst on em Sonndig. Dr ganz Blub soatzt sich 
rond im Bros röm, jerer krog e Stück von dr Beute, 
on om Feuerje, boas mette dezwösche brannt', wuenn 
ons Sigga angebrannt- Die ginge niet aus, bie die 
schäbbe Blöwerje- Dr eäscht Zug schmoackt ons all 
mienanner gut. Ierer wollt' mit 'em zwatte Zug 
e recht Maul voll nahm, öm en rechte Zappe löätz 
ze wösche. M'r wollt doch weis, boas m'r konnt'! 
Doas Maulvoll hatt' äwer schon en böse Beige- 
schmoack. No wollt äwer kanner dr eäscht sei, bu 
niet meh mit konnt' gemach. Ierer mußt' äwer 
feststell, deß em von dem süßliche Cfualm so domm, 
so oanfällig im Boop wur. M'r konnt', weil's es 
easchtemoal woar, niet gesa bie — äwer äbbes Schö 
nes woasch off alle Fäll niet- Bll' ginge se üwer 
dr Bppetit naus. Vis Wirkung blieb niet aus. Uewer 
dr Stienn rüh woasch groad, als bann dr Bläß 
ihr Brät, bu se wege em Stoße off hatt', drosf leije 
tät. Ls stoß em auf. M'r mußt göägg 22). Ttzt wußt 
jerer, bu hoase liefe. Leider vill ze spät, merkt' 
jerer, deß so e komisch Gefühl önnerdrhazzkaute^) 
aufkom. Etliche kröche durch richtiges Späutze wierer 
Buh, äwer meh als amm kom's Bufstohe stärker. Boa 
duefft anner mach', boas e wollt, es Lnn vom Lied 
woar, er lacht aus Leibeskröäfte — Bröäckelerje. 
(Drt es schlimmst woar, es woar koan Tnn ze fenne. 
Die Hose «o.nne zuzebenne, hiele m'r für unörig, 
froh woar äwer mancher, deß die Lrle so schön nah 
debei woann. Dr Beih noch hatt' jerer en rechte Dur- 
mel im Boop. Bie Blei loag's de meiste in de Bnoche, 
nur e Glöck, deß anner üwer dr anner konnt gelach. 
Doas broacht wenigstes noch e wengk Spaß in ons 
traurig Loag. Ber äwer oanmoal Buhrstecke gerächt 
hoat, is' für es zwattemoal gehaalt! Ich sann euch, 
doaß wüedd em so ures, deß m'r niet für e gölder 
Gaß noach oamoal dezu ze brenge wär. 
(Schluß folgt) 
21 ) mürbe 22 ) aufftotzen 23 ) herzkaute, -grübe 
Jm Batzerod 
Erinnerung an eine Sommerwnnderung 
om schönstgelegenen Schulhaus des Binzigtales 
aus wandern wir am regenkühlen Sommer- 
Morgen an der Gerstenmühle vorbei nach 
Sannerz. Ferienwanderung! Bach Paris, Prag 
oder Bom werden wir niemals kommen (Der Prima 
ner, unser vierter, vielleicht, wenn er die Baturwis- 
senschaft anders auswertet als sein Vater!)' also wie 
der einmal ins Batzerod! 
Das Haus Nr. 9 in Sannerz hat den Hausnamen 
„Spickerts". Ueber der hübschen Bokoko-Haustüre 
ein Spruch: 
Befihl dem Herrn deine wege und hoffe auf ihn 
er wirds wohl machen. B. h. I. B. Z. M. sIo- 
hannes Möller, Bauherr. Iohann Bdam Fuchs, Zim- 
mermeisterj ps. 37. v. 5. t. l9. Map 1791. 
vor 100 Iahren noch schrieb man solche Sprüche 
Unsere Heimat tztzDtzGOGHtztzGDtztzE-.OOOEHOGOO beite 187 
Nr. 21/24 ' 
an sein Haus. heute sind die Häuser stumm — doch 
nein, manche reden den vorübergehenden noch an: 
Betteln und hausieren verboten! Bchtung, bissige 
Hunde!— Vorsicht, Selbstschüsse! — Villa zur schönen 
Bussicht — und viele lassen den Geist des Hauses 
durch Schallplatten oder einen Lautsprecher sich kund 
tun. 
Der weißhaarige Hausherr, ein wohl aussehender 
Blter, ladet uns in der Stube zum Basten ein. Buf 
dem Tisch liegt „Brnds paradiesgärtlein" aufgeschla 
gen. Das Pfeifchen dampft. Der Hausherr erzählt. 
Er ist einer von den nicht seltenen Landleuten im 
Breis, die sich stark für heimatgeschichtliches und 
überhaupt heimatliches erwärmen lassen, und die 
hip oräkte Freude 
Mittagsruhe im Nahero- 
Aufn. Fischer, Roth 
einmal Eigentum des Sannerzer Propstes gewesen 
sein soll, hören wir. Dann bewundern wir die Boko- 
kotäfelung der Stube, das Wandspieglein von 1797, 
den gediegenen Empiresekretär von 1810, eingelegt 
und mit mannigfachen Geheimfächern und -schubladen, 
die Täfelung in der Gberstube mit dem pompösen 
Lchnitzmonogramm B. M., alles Erzeugnisse eines 
einheimischen Dorfschreiners, wie es heute keinen mehr 
gibt. Bn der Decke einfachste Stuckverzierung, ähn 
lich noch im „Bernsteinshaus" in Weichersbach und im 
Haus Br. 159 in Ulmbach zu sehen. 
wir steigen aufwärts, dem Weiperzer Breuz zu. 
Bn den Hecken des Feldwegs gehen die zwei Photo 
graphen auf Beute aus, der eine ist der beste Schmet 
terlingskenner, der andre der beste Baturphotograph 
im ganzen Binzigtale. (Ich bin gewiß, daß beide, 
wenn es im Himmel keine Blumen und Schmetter 
linge gibt, nicht hineinwollen.) Der Neuntöter hat 
Hummeln und Heuhüpfer auf die Dornen gespießt 
-^erste Bufnahme. 
” i. x„*. Wind dünnen 
Ecke wächst das Brandknabenkraut. Wir kommen 
zum Breuz. Ls schaut auf Weiperz hinab. Früher 
standen solche Breuze als einzige Wegweiser an allen 
Wegen und Stegen, heute erstreckt sich die Wegbe 
zeichnung zwar nur auf die Wagrechte, aber wie voll 
endet ausgebaut ist sie! Bm Binzigufer z. B., fällt 
mir ein, gibt es einen Baum, der sechs Tafeln trägt, 
und auch Erinnerungsstätten deutscher Bultur und 
deutschen Volkstums werden nicht — übergangen: 
das Grimmhaus in Steinau hat man sinn 
voll und gleichsam ehrenhalber mit einer geheim 
nisvollen Bune des Verkehrs bezeichnet! Früher wur 
den durch primitive holz- und Steinkreuze nur ein 
paar arme Menschenseelen am Wegrand angerufen 
und versorgt, heute aber werden an der Straße täg 
lich Hunderte von Motoren an Tankstellen gespeist, 
und angerufen werden die vorübergehenden und -fah 
renden von tausend Bildern und Schildern. Welch ein 
Wandel gegen die Brmut und (Einfalt von früher! 
Und dabei soll es immer noch Leute geben, die nicht 
an den Fortschritt glauben! 
Weite Sicht! hier ist die Tür zur Bhön. Der Stop 
pelsberg bei Weichersbach ist der eine Türpfosten, 
den man nicht übersieht, hier können die Iäger, 
ohne den Standort zu verändern, Bhönhasen und Spes 
sartsauen schießen. 
Wir gehen, Weiperz linker Hand unten, zum Schilf 
tümpel. Bber Frosch und Libelle, Taumelkäfer und 
Bückenschwimmer sind mit der Bamera heute nicht 
zu erwischen. Dafür werden Baupen des Wolfsmilch 
schwärmers gesammelt, die hier so feil wie Brom 
beeren sind und auch geradezu abgepflückt werden 
können. 
Bm Waldrand zweite Bufnahme: eine Wanze saugt 
eine tote Baupe aus. Schwierig, denn sie hält nicht still 
und muß mit einem Grashälmchen ganz behutsam in 
die geeignetste Stellung geleitet werden. Die zwei 
Photographen sind begeistert, erregt. Der eine so 
maßlos, daß er die Wanze duzt und mich plötzlich mit 
„Sie" anredet und danach umgekehrt. 
Die Weiperzer Fußballerhütte, das letzte Zeichen 
der Zivilisation, lassen wir hinter uns. Das Beich 
der geheimnisvollen Frau Schuckel beginnt, hier 
liegen ihre verborgenen höhlen und Schatzkammern. 
Wer das Schloß Bama findet und den Schlüssel Tata 
und mit diesem Schlüssel das Schloß öffnet, den füh 
ren dienstbare Geister, die Binder der Frau Schuckel, 
zu ihrer Mutter — so erzählt eine alte Sage. 
Bun sehen wir für viele Stunden keinen Menschen 
mehr. Waldwiesen-Linsamkeit redet uns an. Wir 
kommen ins Batzerod. Wer das Batzerod, die 
Bommertsbrunner Wiesen bei Weichersbach und den 
Waschgrund bei Seidenroth nicht kennt, kennt das 
Schönste des Breises Schlüchtern nicht. Weites, welli 
ges Bergwiesengelände, nach Süden abfallend, ein 
tiefe ingegrabenes Vachbett, besäumt mit Erlen, Eschen 
und Weiden. Mannigfaltig die Landschaft zerteilende 
Hecken, und alles umfriedet, gesichert von dem mäch^- 
tigen Bollwerk des rauschenden Waldes, der bald vor 
dringend, bald zurückweichend, die ganze Fläche so 
gliedert, daß man sie wie den Vierwaldstätter See 
von keinem Punkte aus völlig überschauen kann. 
hier irgendwo hat einmal das Dorf Batzerod ge 
standen, eine von den meist aus wirtschaftlichen Grün 
den eingegangenen Siedelungen, von denen in un-
	        

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