Full text: Zeitungsausschnitte über Ludwig Emil Grimm

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z7 
Seite 178 HAGWAKOKAsZssZZssAssAZsA Unsere bseiMllt EtzWHtzHtztzE-GE- 
^.^EGHHHGtzDHGtz Nr. 21/24 
setzung, sobald der Praeceptor aufhöret, zu diktiren, 
demselben zur Torrectur vorlegen. Endlich und f) 
Zoll denen jungen Leuten Anleitung zur Dichtkunst 
gegeben werden, sodaß sie nicht nur scandiren und 
versus eorruptos restituiren [verhunzte Verse wieder 
herstellen], sondern auch Materien Verse Averse im 
Zusammenhang] sowohl im Deutschen, als im La 
teinischen machen lernen, wobey sich dann von selb- 
sten verstehet, daß die Praeceptores bey allen diesen 
Sprachübungen nicht blos und allein auf die fremde 
Sprache, sondern auch und hauptsächlich mit auf die 
deutsche Muttersprache und daß die Schüler solche 
nach prineipiis [bestimmten Grundsätzen] lernen, den 
nötigen Bedacht nehmen müssen, als wozu sich die 
selben nächst Gottscheds großer Sprachlehre, dessen 
Kern der deutschen Sprache besonders und für die 
Anfänger bedienen können. Mithin der ihnen ankle 
benden Prooinzial-Aussprache und Wörter sich ent 
wöhnen und hingegen aber sich guter deutscher Wör 
ter und einer reinen deutschen Aussprache befleißigen 
mögen. 
fünftens: Bei dem Unterricht in der Historie 
sollen die Praeceptores den ernsten Bedacht dahin 
nehmen, daß ihre Schüler vorerst einen allgemeinen 
Begriff von der Historie von Anfang der Welt, bis 
auf die gegenwärtige Zeit und durch eine richtige Ein 
teilung derselben in die Perioden die historische Ge- 
fächer in den Kopf bekommen, worinnen anfänglich 
wenigs, bey der repetition ein mehrerer gelegt und 
so durch den Unterricht und eignes Nachlesen ein 
Schatz von historischer Kenntniß desto leichter gesamm- 
let werden möge, als junge Leute auf diese weise 
lernen, wo sie das neue, so sie hören und lesen, hin 
bringen sollen, hierzu soll und zwar in denen oberen 
Classen des Gymnasii Niemeyers historische Tabelle 
und dessen Anweisung zum Gebrauch derselben, in 
denen untern Classen aber Hübners biblische Historie 
eingeführet und traktiret werden. 
a d 6. Bey der Geographie sollen die Praeceptores 
ebenfalls den Bedacht dahin nehmen, daß die junge 
Leute vorerst einen allgemeinen, deutlichen Begriff 
davon bekommen, des Endes denen selben einige 
Anleitung auf dem Globo, in dessen Ermangelung 
aber auf dem planiglobio geben und daraus die 
hauptteile der Welt und deren Reiche und Staaten 
auf der Charte und zwar dergestalt mit denenselben 
durchgehen, daß sie dieselben vorerst nur die Hauptsa 
chen im Ganzen merken und lernen lassen, in der ersten, 
zweiten und dritten Repetition aber ein mehrerer hin 
zusetzen und so 3 generalioribus ad specialiora fort 
gehen,- endlich aber sich sonderlich bey der Charte 
von Deutschland und der Charte vom vatterland am 
weitläufigsten aufhalten. Es sollen aber hierbei die 
praeceptores die alte Geographie nicht aus der Acht 
lassen, sondern, weil dieselbe zur Erlernung besonders 
der alten Geschichte unentbehrlich, solche der Jugend 
nach Cellarii, Köhlers und anderer Anweisung auch 
mittelst deren Charten deutlich vor Augen legen und 
derselben, was die alten Reiche und Staaten für eine 
Veränderung erlitten haben und von wem diese der 
malen besessen worden, bekannt machen. Und da 
siebentens Gott dem Menschen das Gedächtniß 
zweifelsohne zu dem Ende gegeben hat, daß er es 
zumalen in denen Jahren, wo der verstand noch nicht 
zu seiner Reife gekommen, brauchen soll, dasselbe 
nicht «Met wird. abnimmt; so hLndL Praecep. 
S ZU nehmen, daß sie Ae 
Schüler sowohl bei Erlernung derer Sprachen wie 
bereüs vorhin in betreff der Wörter und Phrasen 
gedacht worden, als auch bei Erlernung deren wissen- 
trX 1C ^ ma ? Abwendig lernen lassen und sich 
nicht einbilden, als wenn es mit dem discuriren 
I^enj ausgemacht sey, sondern dieses thun und 
lenes nicht verabsäumen. ' 
nen ^er tiefet ÄSaT“ 1 * ^büch-r. worin- 
. .r ne,er uno nach denen er unterrichtet wird 
wie nicht weniger das gewöhnliche Gesangbuch selbst 
besitzen keineswegs aber dasselbe von einem kine 
Mrtschuler borgen. De- Endes dann die Praeceptö!es 
tot lo'S annoch nötig und 
ohwiimnnMist t? t ? tl angeschafft werden können, 
ohnans andllch specisiciren und die Specification for- 
r S ?x m ?Esistorw einschicken, anbey auch ,ü- 
L-h m°ld°n sol en. welche Schüler solche bezahlen 
änschaffekkönnkn EM-halber sich selbst Acht 
stuto °nla^t.1:l7sL'SL°S. ^ 
obersten bis'zu leren^LrAn ° AeS'AnS 
bÄtSÄS Ku-nahm-' freAenS und 
damit auf solche v7ise alch'iejS^'^lch! 
schr L 'L LL S Ci "" deren'beste'n vo^ 
Ly'5 n im Schönschreiben unter Anführuna des 
Schreib- und Rechenmeisters ferner übe' to 
ubng° aber zum, rechnen, als welche- ein 
aller Krten von größeSRechnungen u7wento kün' 
CoLctor eine Stunde Ü vorleiÜna^^ ^ 
-Eulern und wenigsteL mÄ'$2aZ Ä 
ÄÄ ®H Cn Ä ^utenhias Ege «: 
mareluno der Grt, wo sich eine merkwürdiae Beae- 
benheit zugetragen hat und welcher der Schaunlak 
derer wichtigsten Welthandel ist, auf der Ttot- qe^ 
zeiget werden, damit also die jungen Leute nebst 
lechiger Uebung m der Geographie die neue Ge- 
K'ch, /nd .n Gesellschaft ein vernünstiaes 
eilsten soll hinkünftig bey vermendung schar 
fer Uhndung kein Unabe in das Gymnasium an. 
genommen werden, bevor derselbe buchstabiren und 
lesen wie weniger noch die ersten Unfangsgründe des 
Ehristentums könne n.id wisse, bi- dahin derselbe in 
die Stadtschule und zwar dermalen in des Stadtschul 
meisters Ließen Schule gehen, dahingegei, die Mäd 
chen zu dem andern Stadtschulmeister und zwar der 
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malen zum Stadtschulmeister Kohlhepp gehen und bey 
demselben das nötige lernen sollen. 
Soviel nun die Disciplin betrifft, so haben: 
E r st l i ch die Praeceptores vor allen Dingen dahin 
zu sehen, daß sie sich bey ihren Schülern Furcht und 
Liebe erwerben und zu dem Ende sowohl bey dem 
Unterricht, als in ihrem ganzen Betragen keine 
Schwäche und Passionen blicken lassen, sondern diesel 
ben fdie Schülers bei aller Gelegenheit werktätig zu 
überzeugen suchen, daß ihnen nichts so sehr, als 
deren eignes Bestes am herzen liege. Und-da es bei den 
Schullehrern ein großes vorurtheil ist, wenn sich der 
selbe einbildet, daß man bey jungen Leuten alles 
mit Güte ausrichten könne und Ihnen daher in ihrem 
Mutwillen nachstehet, die Schuldigen wenig, oder 
gar nicht strafet, sich mit denselben familiair machet, 
mit ihnen Tabak rauchet und sie als große Herrn 
behandelt, allerhand Kleinigkeiten und solche Kindi 
sche Sachen erzählet, die im Geringsten weder ihren 
verstand aufkläret, noch ihr herz bessern, wohl aber 
den Docenten bey seinen Untergebenen, zumal wenn 
er seine kleine Begebenheiten ad nauseam usque 
[bis zum Lkelj bei jeder Gelegenheit repetiret, ver 
ächtlich und lächerlich machen, So wird hierdurch 
sämtlichen Praeceptoribus Gymnasii allen Ernstes ge 
boten, und denselben bey Vermeidung mißliebiger 
Verfügung aufgegeben, daß sie sich dergleichen Fa 
miliarität gegen ihre Untergebenen gänzlich enthal 
ten, denenselben keine Ungezogenheiten und Aus 
schweifungen ungestraft hingehen lassen, noch gestat 
ten, daß dieselben in Schlafröcken und mit brennenden 
Tabakspfeifen auf der Straße herumgehen, sondern 
dieselbe zum Fleiß und Lernen, wie nicht weniger zur 
Ehrbarkeit und guten Sitten, wie auch zu einem 
höflichen und freundlichen Betragen gegen Jedermann 
anhalten sollen und da 
Zweyte ns die vor Zeiten bey dem Gymnasio 
zu Schlüchtern sehr gut befundene Gewohnheit, daß 
auf alle und jede Kirchtäge die Schüler sich vor dem 
letzten Geläut im Tloster Haben einfinden und pro- 
cessionsweise in Begleitung des Rectoris oder in dessen 
Ermangelung eines andern Praeceptoris zur Kirche 
gehn müssen, nach geendigter predigt aber wiederum 
in ersagter procession vom Rector in das Auditorium 
geführet worden und ein jeder dasjenige, was er aus 
der predigt behalten hat, hersagen müssen, durch den 
letzten Krieg aber ins Stocken geraten und dadurch 
der Unachtsamkeit und vielem Mutwillen sowohl in, 
als außerhalb der Kirche Tür und Tor geöffnet 
worden, So soll sothane löbliche und nützliche Ge 
wohnheit wieder eingeführet werden. 
Drittens sollen die Praeceptores samt und son 
ders sowohl bey dem vormittägigen, als nachmittä 
gigen Gottesdienst fleißig in die Kirche gehn und auch 
hierinnen der Jugend mit einem guten Exempel vor 
gehen,- damit aber jedesmal wenigstens einer von 
denen Praeceptoribus die Schüler zur Kirche führen 
und in derselben gegenwärtig sey, so möge hierinnen 
der Rector und Tonrector abwechseln. Derjenige nun 
von denen ersten Praeceptoren, an welchem eben 
die Woche ist, hat alsdann sonderlich und selbst, sowie 
der Cantor und Praeceptor Nüchtern ihrerseits ge 
nau auf die Schüler zu sehen, damit dieselben sich 
alles plauderns, Mutwillens und unnötigen Aus 
laufens enthalten, dagegen aber dem Gottesdienst 
mit stiller Andacht beiwohnen mögen. Ueber das 
sollen auch gewisse Tustodes jAufpasferj, auf deren 
Treue man sich verlassen kann, bestellet werden, da 
mit dieselbe diejenige, so plaudern, oder Mutwillen 
treiben, notiren und dem Praeceptor der Classe an 
zeigen müssen. Ein jeder Praeceptor soll alsdann die 
jenige seiner Classe, die sich verzogen haben, selbst 
züchtigen, vor allen Dingen aber sollen die Prae 
ceptores in der Kirche durch ihre eigne Andacht der 
Jugend ein gutes Exempel geben und sich bei Ver 
meidung scharfer Ahndung selbst alles Plauderns 
enthalten. 
viertens Soll überhaupt ein jeder Praeceptor 
die Schüler seiner Classe, welche Strafe verdient ha 
ben, selbst strafen und nur alsdann, wenn einer oder 
der andere sich gröblich vergangen hat, öffentliche 
Censur gehalten werden, da dann der Rector mit 
denen übrigen Praeceptoren die Sache genau unter 
suchen und darüber, was der Schuldige für eine 
Strafe verdienet habe, deliberiren [überlegen] und 
erkennen, auch die Strafe, wenn dieselbe mit Ruten 
oder mit schwanken Stöcken geschehen soll, solche 
nicht selbst infligiren [zufügen], sondern durch den 
Callfactor [den Heizer, den Schuldiener] oder sonst 
einen teriium [dritten], der sich dazu schicket, pub 
lice [öffentlich] vollziehen lassen. 
fünftens Sollen die Praeceptores sich jedesmal 
zur bestimmten Schulzeit in der Schulstube einfinden 
und also die Schüler nicht auf sich warten lassen, 
wohl aber diese anhalten, daß sie sich zu rechter 
Seit einfinden. Auch wird denen Praeceptoribus hier 
durch bey 3 fl. Strafe verbotten, sich weder des 
morgens nach dem Gebäte, noch zwischen der Schul 
arbeit auf dem langen Gange, oder sonst irgendwo 
aufzuhalten und die Zeit mit plaudern zuzubringen. 
Ferner und zum 
Sechsten Sollen die lange Ferien in Zukunft der 
gestalt eingeschränket werden, daß außer der Exa 
men-Woche und denen eigentlichen Sonn- Fest- und 
Feiertagen, wie auch des monatlichen Bättags des 
vormittags, desgleichen des Sambstags, wenn die 
Praeceptores oder die Schüler in die Vorbereitung 
gehen, keine andern, es seye denn bey einem gantz 
außerordentlichen Fall und wenn sich die Schüler 
besonders fleißig bewiesen Haben, von dem Rectore 
verstattet,- dahingegen aber jedem derer Praecep 
toren zu ihrer Erquickung oder allenfallsigen Brun 
nenkur im Sommer 14 Tage bis 3 Wochen dergestallt 
frey zugestanden werden, daß in der Zeit, daß der 
eine diese Ferien genießet, der andere nächst fol 
gende Praeceptor dessen Dienst vorstehe. 
Siebentens Sollen keine Schüler aus einer Classe 
in die andere, noch weniger ad lecticnes publicas 
promovirt [zur Universität befördert] werden, es seye 
denn, daß sie die erforderliche Geschicklichkeit ha 
ben, oder sonst ganz besondere und dringende Um 
stände vorwalten. Des Endes dann der Rector zusamt 
den übrigen Praeceptoren jedesmal vor dem öffent 
lichen Examen die allenfalstgen promovendos [zu ver 
setzenden] zu examiniren und über den Befund dem 
Confistorio gesamter Hand und ohne Ansehung der 
Person pflichtmäßig zu berichten, von diesem Collegio 
aber die decision [den Entscheid] zu gewarten hätte. 
Achtens Sollen die bereits abgestellten Acciden- 
tien für die Praeceptores bey Vermeidung scharfer
	        

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