Full text: Zeitungsausschnitte über Ludwig Emil Grimm

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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 7 
Das Vlausardenwerk Schwarzenfels 
Von Dr. jur. u. phil. 
5. Vertrieb. 
Fast noch schwieriger als die Frage der Mate 
rialbeschaffung war die des Vertriebs der Schwar- 
zenfelser Fabrikprodukte. Man bat diese Frage an 
scheinend von Anfang an etwas leicht genommen, 
und die Folge war dann nach dem Eintreten des 
vollen Betriebes eine Reberproduktion, die nicht 
nnr eine Ueberfüllung der vorhandenen und die Er 
bauung von neuen Magazinen erfordert hätte, sondern 
auch die Verzinsung des Anlagekapitals beeinträch 
tigte und die preise drücken mußte. Man hat aber 
offenbar mehr Glück als verstand gehabt. Denn 
die damals noch starke Nachfrage nach Smalte und 
Blaufarben glich diesen Schaden einigermaßen aus. 
1739 wurde dann mit der Fi.ma Bansa u. Sohn in 
Frankfurt a. M. der erste Lieferungscontrakt unter 
Bewilligung eines hohen Nabatts (50/0) geschlossen. 
Bei der Erneuerung des Vertrags war man schon 
klüger geworden. Der Rabatt wurde auf 2°/o herab 
gesetzt,^dagegen jährliche Abnahme von mindestens 
1200 Ztn. gefordert. 1750 wurde der Vertrag mit 
Bansa, ebenso mit Gebr. Stütz in Röln neu abge 
schlossen und nachher bis 1786 mehrmals prolongiert. 
Im Rontrakt von 1786 wird die Abnahme von^ je 
2 460, bei besondern Schwierigkeiten von 1800 Ztn. 
jährlich stipuliert und für beide Teile eine Konven 
tionalstrafe für Kontraventionen festgesetzt. Drr Han 
del über Frankfurt bzw. Röln wird den beiden Fir 
men ganz überlassen (Han. Arch. Rachtr- Rr. 
9063/5) und scheint Iahre lang geblüht zu haben. 
In den 90 er Iahren kam dann die erste schwere 
Handelsstockung im Zusammenhang mit d r pariser 
Revolution und den nachfolgenden Extensions- und 
völkerbeglückungsbestr.bangen der F arz sät. 1792 
wurden Frankfurt und Mainz vott ihnen besetzt und 
damit der Warentransport auf dem Rhein, wettn 
auch nicht abgeschnitten, aber doch gehemmt. 1796 
rückte der Rriegsschauplatz in noch größere Rähe von 
Schwarzenfels, nach Metzlar, Gießen, Butzbach auf 
Hanau zu. Im Septbr. dieses Iahres wurde die 
Fabrik von den durchziehenden Truppen unmittelbar 
bedroht. Aber noch 1799 wurden erhebliche Farben 
quantitäten sowohl nach der Weser wie nach dem 
Rhein verfrachtet, und es lagen noch eine Anzahl 
von holländischen Bestellungen vor. — Als neue 
Truppenverschiebungen die Fah t nach Mainz hemm 
ten, bat man für die Waren um Passeports, die vom 
den Truppen respektiert wü.'den (Han. Arch. Rachtr- 
8827). Rebrigens waren schon 1794 die Aushebungs 
listen für den Landsturm (Landausschuß) aufgestellt, 
auch wurden Schützenkompagnien zum Schutze des 
Vaterlands gebildet, in die matt auch die Berg- und 
Hüttenarbeiter einreihte und mit alten, meist un 
brauchbar gewordenen Ausrüstungsgegenftättden be 
waffnete. Zeitweise hat man sogar ein Truppen- 
Rommando von ein paar Mann zu ihrem Schutze 
in die Fabrik gelegt. (Han. Arch. Rachtr. 8828). 
Aber auch dies tapfere Kommando scheint auf 
Rapoleon keinen Eindruck gemacht zu haben. Als 
er 1807 aus Hessen, Braunschweig und anderen Lan 
desteilen das Königreich Westfalen errichtete und dem 
Operettenkönig, seinem Bruder Ieröme, schenkte. 
Apel, Marburg a. d. L. (Fortsetzung) 
trennte er das Fürstentum Hanau, ebettso wie das 
chm zugelegte Blaufarbenwerk Schwarzenfels von 
Hessen ab, ließ das ganze Werk durch den Rommissar 
Lelievre trotz aller Proteste des Fabrikinfpel tors Rat 
Rnobel mventarpteren und gab es 1810 zur Dotation 
seiner nicht unberühmten Schwester, der Prinzessin 
Pauli ne, Herzogin von Guastalla (Schenkungsdekret 
Fo.'u 3b Dezbr. 1809 (Han. Arch, Rachtr. 8829/32). 
unese laßt es. ain 16. Ianuar 1813 mit allen Rechten 
und Privilegien auf 18 Iahre an den Kaufmann I. 
Braildt iN Hanau, der schon seit Iahreit zur Rundschaft 
der Fabrik gehörte, verpachten. — Die vacktlumme 
AI auf 80-90 000 Gld., jedenfalls ist der Vertrag 
sehr zu Gunsten der Prinzessin aufgestellt. Doch wer 
ben dem Pachter jährlich 1600 Klafter Brennholz 
und das notige Bau- und Faßholz aus den Waldungen 
der Dame gratis geliefert. Die französ.sche Herrlich 
keit wahrte nicht lange. Roch in demselben Iabre 
1813 wurde das Farbenwerk von der wiederqekebr- 
ten hessischen Herrschaft übernommen uttd nach Lö 
sung des Vertrags mit Brandt wieder der Fürstlicken 
jetzt Rurfürstlichen O.-Rentkammer unterstellt (kan' 
Arch. Rachtr. 1833). Doch dauerte es erst eine Reihe 
von Iahren, ehe sich das Werk wieder erholte und 
feine alten Handelsbeziehungen wieder voll aufzu 
nehmen vermochte, sodaß im Ianuar 1817 der Han 
delsmann Ludwig winhold in Hanau der Rasstler 
Regierung das Angebot machen konnte, das Zckwf 
Blaufarbenwerk nebst dem Biederer Robaltwerk auf 
auf 6—9 Iahre gegen eine jährliche Pacht von 
10 000 Gld. gegen Lieferung des erforderlichen 
Brenn-, Bau- und Faßholzes zur alten Fabrik- und 
Bergtaxe pachtweise zu übernehmen. Obwohl das 
werk in den letzten 7 Iahren vor der Okkupation 
an jährlicher Ausbeute miiidestens das Dreifache dKes 
Angebotes ergeben hatte, wurde es doch in ernstliche 
Erwägung gezogen, da der Handel noch gänzlich 
stockte, die Farbenpreise im Zinken, die Material 
preise im Steigen waren und das Betriebskapital 
mangelte, sodaß man zeitweise nicht einmal den 
Schmelzofen heizen konnte. Aber auf Rat der Fa 
brikleitung und in der Hoffnung auf bessere Zeiten 
wies man schließlich das Gebot zurück. (Han. Arck- 
Rachtr. 8836). 
Die bessern Zeiten sind damt auch wieder gekom 
men, freilich nicht mehr in dem Maße wie in den 
60 er bis 80 er Iahren des 18. Iahrhunderts, wo 
man Iahresüberschüße zwischen 45- und 75 000 Gld. 
gehabt hatte. Aber die Reingewinne arbeiteten sich 
doch von 10 000 Gld. in den ersten Iahren nach der 
Franzosenzeit bis zu 25 000 Gld. in den 1840 er 
Iahren herauf (Han. Arch, Rachtr- 8837/49) Tin 
wesentliches Stück zur Verbesserung der ' Lage 
haben jedenfalls die jährlichen großen Geschäftsrei 
sen beigetragen, die seit Ende der 80 er Iahre 
der Rat Rnobel unternahm, und die itach der Fran 
zosenzeit sogleich wieder aufgenommen und von sei 
nen Rachfolgern fortgeführt wurden. Auf diesen Rei 
sen besuchte der oberste Leiter der Fabrik die Rund 
schaft, vor allem die größeren Abnehmer, die unter 
besonders vorteilhaften Bedingungen den Vertrieb der 
Glas- und Farbenprodukte im In- und Ausland. 
hatten, aber auch die kleinen, um sie zur stärkeren 
Abnahme zu gewinnen, selbst die ausländischen Run 
den, um den Vertrieb nach dem Ausland selbst be 
urteilen zu können. Er befestigte so die alte Rund 
schaft und warb um neue. Lr erfuhr die Mängel 
der eignen waren, die Vorzüge der fremden, die 
Aenderungswünsche der Händler und des Publikums. 
Lr besuchte auch die Ronkurrenz, lernte dort unter 
Umständen neue Maschinett, neue Verfahren kennen 
und schloß auch wohl einmal Preiskonventionen mit 
benachbarten Fabriken. Selbst neue und günstigere 
Linkaufsgelegenheiten für das eine oder andere Fa 
brikmaterial konnte er in Erfahrung bringen, und 
alles was er auf seiner Reise kennen gelernt und 
erfahren, alle Mängel des bisherigen Produktions 
und Vertriebsverfahrens, die sich herausgestellt, alle 
Vorschläge zur Verbesserung legte er dann in einer 
ausführlichen Relation nieder, die der Oberbergdi 
rektion bezw. der Gber-Rentkammer eingereicht 
wurde. (Han. Arch. Rachtr. 8890/91 — 8990). Zwei 
fellos haben diese Reisen der leitenden Fabrikbeam- 
Die p>sarrsamMe 
111. «Schluß, 
„Lebenslaus des Iohann Iacob Richter." 
n Schlüchtern habe die Schule unter dem 
Rector Hadermann frequentiert auch ad Lec. 
publ. von demselben promoviret worden, da 
rauf nach Herborn 1748 gereiset, unter den ge 
lehrten Männern Herrn Dr. Schram, Schaltens, Rau 
und Florin studiert, drei Iahre darauf zwei Iahre 
in Marburg ao. 1750 unter Herrn Dr. vüßing, Kraft 
und Riese meine studia fortgesetzt, worauf nach Haus 
gegangen und, nachdem ein halb Iahr mich dort auf 
gehalten, bin abermalen noch ein halb Iahr auf Her- 
born gegangen. Zu welcher Zeit dann Herr Dr. Schram 
gestorben und ich als marechal bei dessen Leichen- 
condukt von denen nachgelassenen betrübten Ange 
hörigen ernannt worden. Rach verfließung eines 
halben Iahres bin auf Gbernepfen gereiset und habe 
bamalen meines Vaters Schwester, die pfarrin wissen- 
bachin, besuchet und dastlbsten den Selterser Brunnen 
wegen meiner damaligen Umstände getrunken. Im 
Iahre 1 7 54 den 4ten April in Gassel unter dem 
Herrn Superintendenten Ungewitter tendiert worden. 
Im Iahre 1 7 56 den 15. September habe mich in 
Hanau pro mlnisterio examinieren lassen und auch 
sogleich darauf ordinieret worden. Dann drei Iahre 
meinen Vater in seinem Amt und Pfarrei O b e r c a l - 
bach sammt denen beiden Filialen Heubach und 
Uttrichshausen unterstützt, von welchem letzteren 
Grt besonders mein Vater viel Verdruß wegen der 
hohen Verordnung von Ihrer hochfürstl. Durchlaucht 
dem Herrn Landgrafen von Hessen-Lassel, Wilhelm 
dem Achten, gehabt, welche höchstdieselbe in Ansehung 
der Katholiken ihrer Rinder, so in der evang. refor 
mierten Religion sollten confirmiert werden, pub 
licieren lassen daß diejenigen, so dieser hohen Ver 
ordnung zuwider handelten, sollten das Land räumen. 
Im Iahre 1 7 5 9, den 17. October habe die gnä 
digste vocation von Ihro hochfürstl. Durchlaucht dem 
Herrn Landgrafen als Pfarrer nach Bleichenbach in 
die Grafschaft Hanau Amts Grtenberg erhalten und 
daselbst eine gar geringe evangel. reformirte Gemeinde 
ten, klarblickender, erfahrener und praktischer Män 
ner, nicht nur deren eignes Wissen und Rönnen ge 
mehrt, sondern auch den Betrieb und Vertrieb der 
ihnen unterstellten Fabrik nicht unwesentlich gefördert. 
Sie haben den Riedergang des Werkes eine Weile 
aufhalten, aber nicht verhindern können. Line zweite 
Krise für die Blaufarbenfabrik und den Schmaltehan- 
del trat ein mit der schon oben erwähnten Erfindung 
und massenhaften Verbreitung des künstlichen Ul 
tramarins, das mit seiner stärkeren Färbewirkung 
und seinem viel billigeren preis, nicht nur auf die 
preise der Schwarzenfelser Produkte drückte, sondern 
sie aus einzelnen Branchen (Wäsche, Tuchstoffe, An 
strich) vollständig verdrängte. Andere Umstände, die 
immer stärkere ausländische Ronkurrenz, kriegerische 
und andere politische Ereignisse, Hungersnöte und 
Mißernten, wirkten dann hiermit zusammen, um die 
Einnahmen zu verringern und die Ausgaben zu ver 
größern und so den schließlichen Ruin des Werks her 
beizuführen. 
(Fortsetzung folgt) 
* 
Richter (1673-17?5) 
angetroffen. Den 15 ten Dezember bin bei meiner 
anvertrauten Gemeinde ankommen und den 27 ten 
Dezember meine Antrittspredigt über die Worte aus 
Ieremia 15 vers 19 gehalten: „Darum, so spricht 
der Herr, wo du dich zu mir hälft, so will ich mich 
zu dir halten usw." Der Herr mache mich dann zu 
meinem Amt geschickt und rüste mich hierzu mit den 
Gaben seines guten Geistes aus. Den 10 ten Sep 
tember 1 76 0 bin von dem Herrn Inspector Schiede 
von Hanau der Gemeinde Bleichenbach als ihr ordent 
licher Prediger vorgestellt worden, da dann bei dieser 
hl. Handlung über 1. Tor- 4 vers 1 u. 2 gepredigt. 
1 7 6 8 den 24 ten September gegen 4 Rhr des 
Abends hat der liebe Gott mich und meine Hausfrau 
mit einem jungen Töchterlein gesegenet, so den 29 ten 
ejusdem zur hl. Taufe befördert worden. Gevattern 
waren meine Mutter und meiner Frau ihre Schwester, 
die Frau Rector Papius von Gffenbach, welche dem 
Rind bei der hl. Taufe den Ramen Margaretha 
Lleonora gegeben. Dieses Rind ist noch in Bleichen 
bach geboren und. in dem Pfarrhaus von meinem 
guten Freund dem Herrn Pfarrer Baist (?) von 
Grtenberg getauft worden. 
1 7 7 0 den 18. Dezember morgens 4 Rhr ist meine 
hertzlich geliebte Mutter, eine geb. Iüngstin, ihres 
Alters 68 Iahr, gestorben und den 20 ten ejusdem 
beerdigt, welch' eine betrübte Botschaft, als mir 
diese Rachricht durch einen expressen Boten den 18 ten 
hujus Abends 10 Rhr zukam und welch' ein trau 
riger Tag ist der heutige als der 20 te hujus, ihr 
Begräbnißtag, für mich, da ich sie wegen der bösen 
Witterung und denen Feiertagen nicht zu ihrer Ruhe 
stätte begleiten und bei ihrer Gruft beweinen kattn. 
Sie hat keine Leichenpredigt, ohngeachtet sie den 
Pfarrer Schlemmer als einen Gevattermann, da 
rum bei. ihrem Leben ersuchet, daß er solche halten 
möchte, bekommen, sodann da ihm die Leiche ange 
zeiget worden, versprochen die Leichenpredigt zu hal 
ten, den anderen Tag aber lassen absagen, da er 
nicht im Stande fei, ohne sich zu beschnupsen (?) solches 
zu tun, worauf wegen Rürze der Zeit und Entlegen-
	        

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