Full text: Zeitungsausschnitte über Ludwig Emil Grimm

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 7 
Seite 162 SAZZGsSSssZssAZZsAGZASGZ Unsere Heimat EEGHHGEHHGOtzHHtzHGtzEtztz 
is. — Schlimm woasch aach im herbst bei dr Hebbel. 
Die hewe die Küh auf, bu se se fenne, mette off em 
weg, newe im Groawe an off dr wiese ärmer de 
Bäm, on es is' doch goar zu leicht e Unglück demit 
ongestallt. woar dr 5lbbel erscht im Maul, wußt 
m'r noch lang niet, bie's kam. E' Kühgurgel is' kann 
weire Zack, on [o en Ubbel bleibt leicht denn stecke. 
Bann's so weit is', kann Eil' alles vrdarb. M'r 
muß so em Nendvieh schön die seit löäß, düeff niet 
schmeiß on sah, deß 's erscht dr Hbbel mit de sühn 
kann vrarwet. Ioa, bann m'r zu so em domme Tier 
hätt' konnt gesa: „Späutz en raus, späutz en raus, 
los, späutz 's Nebbelje raus!", mit de beste gure 
wuett hätt m'r niet gespoart. On bann noch so sehr 
aufgebaßt wüedd, es kömmt ömmer wierer moal 
vür, deß e deroartig Unglück nist ze vrhennern is'. 
Manch e Kuh, manch Nend muß off die Gart sein 
Lewe löäß. Es geht oarg gege die Uadur, bann in so 
em Fall der Metzger geruffe muß war. — Bei de 
Sauere 11 * ) im Frühjoahr muß groad so aufgebaßt 
war, bie bei de Spennblume im herbst, passiert 
aach niet zu oft äbbes doadurch, so sein se em Dieb 
doch aach niet zuträglich. Boas m'r niet vür möglich 
fällt hall, es gilt Vieh, doas lässt dem giftige Vräk 
bie vrrockt noach. So domme Denger mügt m'r 
groad gebelf. — Dr Stobbelklee 13 ) is' aach so e 
Kapitel, boas Surge macht on Aufregung brengt. 
E' boar gierige Mäuler vol, on dr^ Geuwel is' los. 
Doa stehst de on guckst om helle Toagk in Mond, 
") Blätter der Herbstzeitlose 
lz ) Herbstzeitlose 
1S ) junger Klee als Zwischensaat 
4 Nr. 19/20 
bann die schönst on best Kuh von der 6oad doasteht 
°n Is aufg-laff«»,. Di- schlechst' trefft'- niet, weil 
aach beim Viehzeug 's Sprichwuett gelt: „Unkraut 
vrgeht met. — Bis oft brengt aach so en Sadans- 
hond mit em böse Biß in die größt' vrleqehat. 
Ts woar außerdem noch e bös Dengk, mit dem m'r 
recht sein Last hat. Doas woar es Tränke beim 
Duenn nn Durf üwer em hoanfoann oaweds. Bann 
e boar hiett ze gleicher Zeit äwer kuszz hennernanner 
ms Durf emrockte, kom's beim Trog zu Durch- 
enanner, da duefft m'r sich stell, bie m'r wollt. 
beste Schmetze konnt' m'r niet die Herr 
schaft behaupt, Ooas woar en Durchsnanner, deß der 
hond !°m Modder niet meh konnt'. Di- frümme 
liuh fiele nanner °», als wollte se sich off dr Stell 
oms Lewe breng Die gerure nanner in die 
hoar, deß se vur lauter suenn dr römgedroaht Gaßel- 
stecke n,et spnete. Die liälwer wuenn vvm G«»n->r- 
m- Gewerdurs gesprengt on konnte in dr Liienngasse 
.e,cht _ia!s on Bonn gebrech. Voas woar en llra- 
wall, on aach doa dron hat bie ömmer dr hiett 
die Schold. Sch glaab, schlechter is' sellemoal 
"'et gange, bie er dr Iakab 
hoff Gns Ionge half koan kahel, on nur 
die Marer,e woar kann Iakab da. Mir woann bloß 
on allem Ichold, on banne die Große zehnmoal niet 
besser gemoacht hare. Ihr wetzt ja. bann m'r on ei, 
hond well, hoar 0 LS Derer gefresse. 
(Schluß folgt) 
") aufgebläht 
) dünne Kordel am Peitschenriemen; Schmicke 
Dom September-Rrawall 1$30 in Steinau 
Eine Jahrhundert - Erinnerung von 
f ast alle deutschen Länder wurden 1830 der 
Schauplatz von Revolutionen, die ihrerseits aufs 
stärkste von den gleichzeitigen Unruhen in Paris, 
Brüssel und Warschau beeinflußt waren. In der ehe 
maligen Grafschaft Hanau begannen die Unruhen am 
24. September. Man verlangte eine freisinnige 
Verfassung und vor allemF>ie Beseitigung 
der verkehrhemmenden Zölle.. 5luf die revo 
lutionären Vorgänge in Hanau selbst einzugehen, ist 
hier nicht am Platze. Ich verweise auf die Schrift des 
Holländers von Sande, die in deutscher Sprache 
und mit viel Ironie die Hanauer Krawallzeit schil 
dert, und auf die von mir im „Hanauer Magazin" 
dieses Iahres herausgegebene Thronik eines unbe 
kannten Hanauers, der eingehend alle Vorfälle auf 
gezeichnet hat. 
Es ist früher *) schon in der Literatur darauf 
hingewiesen worden, wie sehr die Hanauer Krawalle 
auch außerhalb der Stadt Hanau Nachahmung fan 
den, und noch ganz kürzlich hat Lrößmann?) 
eingehend in einem Buche di: Zusammenhänge unter- 
sucht, die zwischen den revolutionären Vorfällen in 
h Siehe Tauer, Der Krawall in Schwarzenfels, „Unsere 
Heimat" 1916, S. 134. svazu ist „U. h." 1926, Seite 78 von 
den heimatlichen Septemberunruhen 1830 die Rede, ebenso 
in der „Vergwinkel-Thronik" S. 57. Den „Krawall" in 
Salmünster behandelt P. D. Fuchs in der vortrefflichen 
„Geschichte des Kollegiatstifts und der Pfarrei .... Sal 
münster", S. 168-169. Die Schriftltg.j 
2 ) „Die Unruhen in Vberhessen 1830". 
Studienrat Dr. heiler, Wiesbaden 
©bergen und denen in Hanau bestanden. iBas 
Steinau selbst angeht, so richtete sich die Volkswut 
hier oor allem gegen den ümtmann Georg Philipp 
Udet, der spater nach Salmünster verseht wurde 
und wie ,-der damalige kegierungsbeamte verhaßt 
war, weil man ,n ihm den Vertreter des verhaßten 
Spstems sah. Einer besonderen Unbeliebtheit erfreute 
/;ii'!"/,!' Aemauer Präzeptor IZreiden- 
flk ".)• ^ch in Steinau bildete sich bald, ganz 
nach dem Hanauer Vorbild, eine lZürgergarde. die 
50 Mann stark war. * a ' 
lTn#c m di- Unruhen in Steinau beendet waren, 
glaubte man, aus der Staatskasse das Geld zurück^ 
fordern zu können, das d,e Gardisten in der Urawall- 
z-,t gl-ichsam ,m Interesse der Mgemeinheit aus 
gegeben ha ten. Daraus entwickelte sich, ein Srief- 
wechsel, zwischen den verschiedenen llmtsstellen, der 
im St«,nauer Stadtarchivs als kleines klktenbündel 
betüelt'Uno auszugsweise mitgeteilt sei. Ls ist 
Ncta die zur Seit der Unruhe im Monat 
September 1 830 entstandenen l< oste n 
betreffend. 
a.^,7 7. 183 ? verreichte der Magistrat der 
Stadt Steinau dem kurfürstlichen Urei-amt zu 
Vi-I- ttngab-n und di- Kenntnis »on den hier b-. 
Ä ma“. S ‘ QMar ^ aIie " °»d°nk° ich" y°-r„ 
0 cit. A Gefach 48 Nr. 6. 
Hr. 19/20 KAiAAsDGAsiKiAÄiAAGZsZGJZ-AGZ IXnfCtC tzLlNlllt OODtzOOGisDOOGOGOtzOODOGOGH Leite 163 
Schlüchtern eine .(Aufstellung der Unkosten, die 
bei den September-Unruhen entstanden waren, und 
schrieb dazu: „wie aus anliegender Uebersicht nebst 
beigefügten 16 liquid gestellten (vriginalrechnungen 
zu entnehmen steht, so sind während den Gagen der 
Unruhen vom 26. Seotbr. bis Ende October l. I. 
109 fl. 15 Kr. Kosten entstanden. Obgleichwohl 
der 5lrt Uusgaben nicht stattfinden sollten, so war 
es doch in solchen Zeiten der Klugheit angemessen, 
solche Mittel zu ergreifen, womit man sich guten 
Willen verschaffen konnte. Die Strapatzen der gut 
gesinnten hiesigen Bürger waren damals durch den 
wachtdienst so stark, daß nothwendig eine Erschlaf 
fung hätte erfolgen müssen, wären sie nicht mit 
Uefraichisements 5 ) zur Erfüllung ihrer pflichten 
encouragirt c ) worden, wieviele hatten zwar guten 
willen, allein es fehlte ihnen an Lebensmitteln und 
daher verließ sie der Muth. Die Stadträthe ließen 
deßhalb, um vielleicht ein noch größeres Unglück 
abzuwenden, es an der nöthigen Uufmunterung nicht 
mangeln. Das Resultat war von dem glücklichsten 
und erfreulichsten Erfolg. Uußer den in der Uacht 
vom 26. auf den 27. September an einem städti 
schen und einigen herrschaftl. Gebäuden verübten Ex 
cessen konnten durch die guten Gesinnungen der recht 
lichdenkenden keine neue Unruhen mehr vorfallen. 
Ulles stand unter Waffen. Die Uuhestörer wurden 
von den Bürgern selbst arretiert und sogar wurde 
eines Bbends auf die Uuhestörer Feuer gegeben und 
Gewalt mit Gewalt vertrieben. Daß mehrere herr 
schaftl. Gebäude, insbesondere die hiesige Uenterei 
nicht zerstört worden ist, dieß haben wir den gutge 
sinnten Bürgern zu verdanken,- hätten letztere nicht 
so kräftigen widerstand geleistet, so würden ohne 
Zweifel unberechenbare Nachtheile daraus entstan 
den seyn. Die Stadtcasse, die außer den fraglichen 
Kosten bis jetzt zuweilen auch noch ähnliche 5lus- 
gaben bestreitet und dadurch in große Nachtheile 
gerathen muß, vermag gegenwärtig nicht soviel auf 
zutreiben, als unumgänglich nöthig erfordert wird. 
Die Stadträthe bitten daher gehorf., daß entstandene 
109 fl. 13 Kr. Kosten aus hiesiger herrsch. Uenterei- 
casse bezahlt werden mögte." 
Zu diesem Gesuch legte der Magistrat die Kosten 
rechnung bei. Dieses Uktenstück hat folgenden Wort 
laut: 
Uebersicht der Kosten, welche während 
den tumultuarischen Uuftritten zu Stei 
nau für gelieferte victualien an die da- 
s i g e B ü r g e r w a ch e e n t st a n d e n sind: 
fl. Kr. 
1. Stadt-Tambour Niclaus Herd für das 
Trommeln . . . 9 45 
2. derselbe für Materialien zur Trommel 4 42 
3. Tonrad Geisel für der wache ge 
lieferte Wurst . . . .2 — 
4. Herrn Kaufmann Wessel für geliefertes 
Pulver, Schrot und Lichter . . 13 15 
5. Niclaus Müller im Löwen für ein ge 
liefertes Trommelfell u. Wurst . 5 20 
6. Konrad Eckard für geliefertes Brod 
und wecke . . . . — 53 
7. Heinrich Gräuel für gelieferte Wurst 4 — 
h — Erfrischungen. 6 ) = ermutigt. 
8. Wilhelm Weitzel für geliefertes Brod 4 8 
9. Iohs. Weitzel für geliefertes Brod 
und wecke . . . 2 30 
10. Georg Ludwig Leibold für Wurst 
und Brod . . . 5 24 
11. Heinrich Geisel für gelieferte Wurst 7 36 
12. Herrn Merz für geliefertes Gehl und 
Lichter . . . . 18 26 
13. Herrn Müller für Brandtwein u. wecke 3 24 
14. Herrn Tarl Treß für Brandtwein und 
wecke 16 58 
15. Herrn Bürgermeister Bus für Brandt 
wein . . . . 1 — 
16. Herrn Hufnagel lm Ochsen für wein, 
Wurst und weisbrod . . 11 52 
Summa 109 13 
5lm 12. 12. 1830 forderte das Schlüchterner Kreis 
amt den Zteinauer Magistrat auf, in dirser Zache sich 
an die Kurfürst!. Finanzkammer in Hanau zu wenden 
und dabei sich darauf beziehen, daß auch die in 
Schlüchtern in den Nevolutionstagen „entstande 
nen Kosten von Kurfstl. Negierung auf die Kloster- 
kasse angewiesen", also ebenfalls von der Staats 
kasse zurückerstattet worden seien. Dementsprechend 
ging am 18. 12. 1830 ein Gesuch des Steinauer 
Magistrats nach Hanau ab, das im wesentlichen mit 
dem eben mitgeteilten Gesuch an das Schlüchterner 
Kreisamt übereinstimmt. 
In Hanau ließ man aber das Steinauer Gesuch 
zunächst unerledigt, obwohl die Steinauer Natsherren 
am 12. 2. und 9- 5. 1831 daran erinner 
ten. Endlich, nachdem man die Zteinauer 
volle 5 Monate hatte zappeln lassen, legte 
die Kurfürst!. Finanzkammer zu Hanau das Steinauer 
Gesuch dem Kasseler Finanzministerium vor, und die 
ses lehnte es am 14. Iuli 1831 endgültig ab, „da 
ein Fonds in der Ztaatscasse nicht vorhanden ist, 
aus welchem dergleichen Kosten bestritten werden 
könnten." 
Später verlangte der Nmtmann Udet für den 
ihm in der Steinauer Nevolutionsnacht entstandenen 
Mobiliarschaden 2 865 Gulden 62 Kreuzer Entschädi 
gung. 5lus dem darüber im Zteinauer Stadtarchiv 
erhaltenen Aktenstück ist leider nicht zu ersehen, ob 
er mit der Forderung durchdrang, doch wird man ihm 
sicherlich einige Abstriche gemacht haben. Denn daß 
ein Schaden von fast 3 000 Gulden angerichtet wurde, 
dürfte doch wohl eine arge Uebertreibung sein. 
Ich reck' mich nicht nach dem Himalaja, 
noch nach der Fingalshöhle stolzen Pforten! 
denn du, o Herr, bist allerorten. 
Ich breche dieses Gänseblümchen da 
und weide mich an seiner Wunder Fülle. 
Und alle meine Unrast wird dann stille, 
als ob ich dir, o Herr, ins Untlitz sah. 
h. Tlaudius
	        

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