Volltext: Zeitungsausschnitte über Jacob und Wilhelm Grimm

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z4 
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Tagesspiegel-Karte. Nachdruck verboten 
ist, sind aufgerissen: man legt die Wasserleitung. 
Asuncion ist heute tatsächlich die einzige Hauptstadt der 
Welt, die keine Wasserleitung hat. 
Paraguay hat etwa die Größe Vorkriegs-Deutschlands, 
aber nur 1,4 Millionen Einwohner, die vornehmlich 
Mischlinge indianischer und spanischer Abstammung sind. 
Im Innern des Landes leben schätzungsweise noch 15 000 
wilde Indianer. Der Prozentsatz der Ausländer ist unbe 
deutend. Im 19. Jahrhundert, unter der Diktatur von 
Carlos Antonio Lopez (1841—1862), war Paraguay das 
blühendste und wirtschaftlich entwickeltste Land Süd 
amerikas; hier fuhr die erste Eisenbahn und funktionierte 
der erste Telegraph dieses Kontinents. Es hatte eine 
eigene Handelsflotte, und die Staatskasse war immer 
gefüllt. Dem Sohn dieses Präsidenten, dem Diktator 
Francisco Solano Lopez, stieg der Wohlstand zu Kopf, 
und er führte den unseligen Krieg 1865—1870 gegen die 
Triple-Allianz von Argentinien, Brasilien und Uruguay. 
Von damals fast 1,5 Millionen Einwohnern Paraguays 
blieben nur noch 270 000 übrig, das ganze Land war voll 
kommen verwüstet. Bis heute konnte es sich noch nicht 
ganz von dieser Niederlage erholen. Die folgenden Jahr 
zehnte brachten die Entwicklung wie in anderen süd- 
amerikanischen Ländern: Revolution, Putsche, in den 
dreißiger Jahren den Chaco-Krieg mit Bolivien — und 
immer wieder Revolutionen. Heute ist Paraguay eines 
der ärmsten und primitivsten Länder Lateinamerikas. Die 
andauernde Inflation ließ die Preise in den letzten sechs 
Jahren um das 119fache steigen. Abgesehen von einigen 
Lebensrnitteln kostet fast alles etwa doppelt so viel wie 
in Deutschland, die Löhne und Gehälter dagegen sind 
wesentlich niedriger. 
Paraguays starker Mann 
Seit 1952 regiert General Alfred Stroessner, Sohn ein 
gewanderter süddeutscher Landwirte. Er ist der starke 
Mann, der seine Partei, die Republikaner, die man 
„Colorados" (die Roten) nennt, an der Macht hält. Para 
guay ist somit die letzte Militärdiktatur Südamerikas. 
Diese Diktatur ist allerdings keineswegs mit der kürzlich 
in Kolumbien und Venezuela gestürzten oder mit der 
eines Peröns zu vergleichen. Doch gibt es keinerlei Presse 
freiheit. Man spricht davon, daß 400 000 Paraguayer außer- 
halb des 
gedacht, als sie in das Verwaltungsgerichtsgesetz den 
Passus aufnahmen: Die Vornahme eines Verwaltungs 
aktes, auf den der Bürger einen Rechtsanspruch habe, 
könne nur gefordert werden, wenn die Behörde seinen 
Antrag „ohne zureichenden Grund innerhalb von zwei 
Monaten nicht beschieden habe". Das Motiv des Parla 
ments ist klar: Die Abgeordneten kannten ihre Pappen 
heimer und schufen deshalb die treffliche Einrichtung der 
Untätigkeitsklage. Spötter witzeln jedoch, die Abgeord 
neten hätten wohl das menschliche Trägheitsmoment aus 
eigener Erfahrung gekannt. Sie verweisen dann in diesem 
Zusammenhang auf die vakanten höchsten Richterposten 
in Berlin, die das Parlament seit vielen Monaten neu 
besetzt haben müßte. Nach dem „Gesetz über die Wahl 
der Präsidenten der oberen Landesgerichte und der 
Generalstaatsanwälte" muß der Senat dem Parlament für 
jeden Posten einen Vorschlag unterbreiten, „der einen 
oder mehrere Namen enthalten kann". Das Abgeordneten 
haus wählt mit einfacher Mehrheit der Mitglieder in ge 
heimer Abstimmung. 
s Für den Zeitpunkt, an dem solche Wahlen erfolgen 
müssen, hat sich das Abgeordnetenhaus sogar selbst 
Fristen gesetzt. Der Abgeordnete Ohning erklärte im 
Sommer des vergangenen Jahres als Berichterstatter des 
Justizausschusses, dessen Vorsitzender er ist: Der Aus 
schuß habe den Senat einstimmig gebeten, seine Vorlagen 
über die erforderlich werdenden Richter-Neuwahlen dem 
Parlament so rechtzeitig zuzuleiten, „daß die Wahl min 
destens ein Vierteljahr vor Freiwerden der in Frage 
kommenden Position" vorgenommen werden könne. Es 
solle kein Vakuum eintreten. Skeptiker unkten allerdings 
schon damals: „Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir 
fehlt der Glaube." Sie sollten Recht behalten. 
Der Nachfolger des am 31. September 1957 ausgeschie 
denen Landessozialgerichtspräsidenten ist weder, wie 
geplant, ein Vierteljahr vor dem Termin noch bisher über 
haupt gewählt worden. Der Posten ist vielmehr seit nun 
fast sieben Monaten vakant. Was eine derartige Unsicher 
heit für einen großen Gerichtsbetrieb bedeutet, weiß der 
Fachmann und ahnt vielleicht auch der Laie. Der Posten 
des Oberverwaltungsgerichtspräsidenten wurde natürlich 
auch nicht drei Monate vor der Vakanz am 1. Januar 1958 
besetzt; dort amtiert vielmehr ebenfalls seit dreieinhalb 
Monaten der Vizepräsident. Die Posten des Kammer 
gerichtspräsidenten und des Rechnungshofpräsidenh 
schließlich werden am 30. Juni vakant. Auch hier wuj 
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