Full text: Zeitungsausschnitte über Jacob und Wilhelm Grimm

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z4 
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dar Fort del'Est reicht die Lünette von Stains mit den 
denselben zu beide» Seiten angehängten Anlagen, welche aus 
Wall und Graben bestehen und das Vorterrai r ähnlich be. 
herrschen, wie die gleichen Werke im Westen der Stadt von 
St. Denis den Raum von der Straße von Paris bis zur 
Seine.. ^ . 
DaS FortdelaBriche liegt Hirt an der Seine na 
Knotcnpuntt der Bahnen nach Ereil und Pontoife. ES ist 
ein *m Räck?n offenes Werk mit zwei vorgeschobenen 
Bastionen: in der Kehle des ganzen Werkes, hart an der 
Bahn, Ite: t der OMerSpavillon. in den Kehlen der einzel 
nen Bastionen dis Pulvermagazine, vor welchem 21 Kase 
matten gelegen find. Auf der reckten Flanke des Werkes 
liegen zwei kleinere Bastionen, welche die Nummern 1 und 2 
tragen, .während die beide» vorerwähnten 3 und 4 find. 
DaS Fort de la Briche hat großenteils Bogenmauern, deren 
obere Etagen kcenelirt find. ■ J 
Der Komplex der Werke von St. Denis gehört zu 
den stärksten der BefrstigungSanlagen von Paris, hat aber 
den Nachtheil, daß er dem Terrain nach nickt hoch genug 
gelegen ist, um nicht von den vorliegenden Höhen auS ein« 
gesehen und stellenweise selbst in der Kehle der eigenen 
Werke gefaßt werden zu können. 
D?r »Staatsanzeiger" setzt seinen im Abendblatt mit 
getheilten Bericht über den SiegeSzug unserer zweiten 
Armee bi- zu? Besetzung von Le ManS am 12. folgender 
maßen^ fort: . ^ 
DaS Gefecht von Bendome war der Anfang erner Reche 
von Operationen gegen dis Armee des General- Chanzy, die 
sich durch die Tage vom 6. Januar an täglich fortsetzten und 
am 12. mit der Einnahme von Le Man- endeten. Es war unter 
den harten und heißen Kämpfen die er Tage Keiner, dem 
die Ausdehnung und Bedeutung einer Schlacht zukäme; eS 
war nach Laste der Dinge, wie der Stellungen de- Fein 
des. der Beschaffenheit de- Terrain- eine Reche von Ge 
fechten, von denen eines mit dem andern zusammenhing, 
eines das andere bedingte, deren End« und Gesammt- 
resultat jedoch dem einer großen entscheidenden Schlacht gleich 
kam. Mit überaus schwierigen Faktoren hatte der General- 
Feldmarschall Prinz Friedrich Karl beim Entwürfe seiner Ope 
rationen zu rechnen. Zurrst mit einem Terrain, wie eS schwie- 
riger nicht gedacht werden kann, mit demselben Terrain, welches 
in den französischen Revolutionskriegen den Vendeern gegen 
die Truppen der Republik so überwiegende Vortheile ver> 
schaffte, durch welches letztere so lange im Schach gehalten, lo 
oft besiegt wurden. Die ganze Perche, derjenige Landstrich, 
welcher von Vendome aus beginnt und sich nach La Fe»ts 
und Le Mans hinzieht, besteht aus regelmäßig sich fortsetzenden 
Hebungen und Senkungen des Bodens, die von beträchtlicher 
Höhe und Tiefe find und planmäßig nicht beffer hätten ange- 
legt werden könen, um einem anrückenden Feinde Schwierig 
keiten jeder Art zu bereiten. Dazu ist dieses ganze Land von 
dichten Baumalleen und Knicks durchzogen, jeder klirre Acker, 
und Gartenbesitz ist von einer dichten Dornenhecke umgeben, 
jeder Baum ist eine Deckung, jede derartige Umzäunung eine 
Umwallung, und damit nicht genug — inmitten dieses zur 
Vertheidigung so außerordentlich günstigen Terrains liegen die 
einzrlneu Gedöste zerstreut, auch Dörfer, doch diese in Minder- 
zahl; jedes dieser Gehöfte ist eine feste Position, die einen 
natürlichen Rückhalt an einer größeren oder geringer.» Wald 
parzelle zu haben pflrgt. 
Gegen eine solche Vertheidigung-linie gingen die Unseren 
als die Angreifenden vor; zu diesen Terrarnschwierigkeiten 
kam außerdem noch die Ungunst di- Wetters und eines 
Winter- hinzu, wie er in diesen Gegenden zu den größten 
Ausnahmen gehört. GS kamen Tage und Nächte, in denen die 
Cchneestürme nicht aufhörten. mehrere Fuß hoch lag der Schnee, 
dann trat plötzlich wieder eine mildere Temperatur ein, dann 
kvÄ;*mWMl äs % Amr plötzlich 
Frost gekommen und die ganze Heerstraße war glatt wie ein 
Spiegel. Durch dUfe Stürme, auf dieser abschüssigen Bahn 
muhten unsere Infanterie, Kavallerie, die Artillerie und die 
Munition-- und FuhrparkSkolonnen vorwärts, bergauf, bergab, 
und hier war es, wo uns General Chanzy den meisten Abbruch 
hätte tbun, die größten Verlegenheiten hätte bereiten können. 
Seine Divisionen durfte er nicht in geschloffenen Kolonnen uns 
entgegenstellen, sondern er mußte sie auflösen, um unsere Muni- 
tions- und Provlantkolonnen zu beunruhigen, aufzuhalten oder 
abzuschneiden versuchen. Wie leicht wäre es bei diesem Terrain, 
bei den ungeheuren Schwierst-ketten gewesen, welche die Unseren 
zu überminden hatten! 
Es war vom 6. Januar an kein Tag, an welchem unsere 
Soldaten nicht im feindlichen Feuer waren. Ausgesetzt dem 
feindlichen Kugel- und Granatregen, und beim Vorgehen 
gegen einen hartnäckig sich in seinen natürlichen Positronen 
haltenden Feind, durch den dichtesten Schnee und die Dornen 
hecken hindurch oft Stunden lang im Schnellfeuer, aus 
dem Eise oder im Wasier liegend, dazu meiftentheils ohne 
Nahrung, wert die Zeit oer Bereitung derselben fehlte — so 
kommen wir Deutsch-Oefterreicher das größte Interesse ha 
ben; jedenfalls aber erscheint, so lange eine staatsrechtliche 
Verbindung nicht möglich, ein engstes Zusammengehen 
Oesterreichs mit Deutschland erwünscht." Will nun Herr 
Geroinus am Ende auch die braven Deutschen in Steiermark 
zu den „abgefallenen politischen Lichtträgern und Freiheits 
helden" rechnen, welche, wie er fich so gewählt ausdrückt, 
»zum Th ilfitz auf dem Herrscherthron der Machtpaitei hin 
auffielen"? Ist eö ein Verbrechen, wenn eine politische 
Partei nach politischer Macht strebt? 
Wenn also Jacob Grimm 1859 klagte, die deutschen 
Hoffnungen sei n heruntergekommen, so haben fich diese 
deutschen Hoffnungen gerade 1870 erfüllt. Wenn er eS 1859 
bedauert, daß unser Verhältniß zu Oesterreich wieder viel 
unsicherer geworden, so find wir gerade gegenwärtig näher 
als jemals an dem Ziele, ein den gemeinsamen Jntereffen 
der beiden großen StaalSkörprr entsprechendes Zusammen 
gehen derselben zu erzielen. Und darob sollte unö Jacob 
Grimm zürnen? Er, der Deutscheste der Deutschen, sollte 
uns grollen, weil wir 1867 die nationale Wehlkraft zusammen 
gefaßt und dadurch, und nur dadurch, 1870 einem frevelhaften 
Angriffe gegenüber Ettolge erzielt haben, welche unS die Einheit 
und Unabhängigkeit Deutschlands, nach der zwei Genera- 
tionen vergeblich gerungen, dauernd sichern? Und darob 
sollte fich Jacob Grimm vor Jammer im Grab herumdrehen? 
Vielleicht wird urs Gervi. uS, welcher ja auch behauptet, 
Deutschland entbehrender Redefreiheit, welche dermalen in 
Frankreich /unter Gambetta so herrlich florire, darauf ent- 
gegnen, der Anriss von 1870 würde ohne die Ereignisse 
von 1866 nicht erfolgt fein. Allein die- wäre ern Irrthum. 
Auch ohne „Sadowa" war der Kaiser der Franzosen stets 
bereit, unS mit Krieg zu überziehen, sobald er es zum Zweck 
« r ^'Haltung seiner Dynastie nöthig fand; und der franzö- 
fische Heißhunger nach dem Rhein stammt auch nicht von 
1866, sondern lst von wert älterem Datum 
^ Hiermit ist, dünkt mir, daS einzige Beweisstück, welcheS 
GervinuS beibringt, entkräftet. An einer Stelle scheint er 
sich lauf Dahlmann'S Sohn berufe» zu wollen; an einer an- 
deren auf Dahlmann'S Biographen. Allein er bringt von 
keinem derselben irgend etwa- bei, während cS doch notorisch 
rst, daß der Biograph mit ganzem Herzen auf der 
Sette der von GervinuS verketzerten nationalen Entwickelung 
st/ht und daß der G»hn während feiner politischen Laufbahn 
ein GefinnungSgenoffe Derer war, welche Gervinus jetzt 
brachten fie diese Tage, die so kalt und doch so heiß waren, 
hin; und wenn die mühevolle Kampfesarbeit deS"Tages gethan 
war, dann erwartete fie deS Abends nicht etwa ein Quartier 
unter Dach und Fach, nein das Bivouak unter freiem Htm- 
mrl auf Gchneefeldern; denn die Wohnnngsdichtiqkeit dre'er 
Gegenden ist eine geringe und der Dörfer sind sehr wenige. 
Vom 6. Januar an waren die Truppen im Bivouak auf den 
Schneefeldern, ohne Stroh, und oft auch, wenn die Truppen 
auf Vorposten waren, ohne Feuer — des Abends um neurr 
zehn Uhr erst kamen für fie die Stunden der Ruhe im Gefühl 
der äußersten Ermüdung und am nächsten Morgen, wenn nur 
erst der Tag graute, wurden sie schon wieder alarmirt; und von 
Neuem ging cs gegen den Feind vor. Es giebt fast keine Worte, 
um zu schildern, was die Unseren, Generale, Offiziere wie 
Mannschaften, tn diesen Tagen geleistet haben; in jedem der 
selben regte fich etwas von dem, was die Helden macht, in jedem 
war daS Bewußtsein stark: die Sache wills! Und so wurde es 
vollendet, zu einem siegreichen Ende geführt. 
Am 8 Januar brach das Hauptquartier des General- 
Feldmarschalls von Vendome auf und ging auf der Straße nach 
Epuisay vor. Rechts von der Straße dehnte fich der Wald von 
Vendome aus, der Hauptpunkt der Kämpfe des 3. Korps 
am 6. Januar. Bis an die Straße erstreckten sich die Spuren 
desselben; auf den Feldern lagen Uniformen und Waffenstucke 
zerstreut umher, hier und da waren Kämpfer hingestreckt, 
meistenthetls waren cs Franzosen, doch hatte auch mancher 
Brandenburger hier sein Grab gesunden. Zu beiden Seiten 
der Straße waren auch die Stellen bemerkbar, wo die Franzosen 
im Bivouak gelegen, wo sie ihre Vorposten, ihre Feldwachen 
hatten. Das ging so hin bis Evuisay. einem kleinen Dorfe auf 
der nach Le Maus führenden Straße. Dasselbe war Tags zuvor 
von dem zweiten Bataillon des Regiments Nr. 64 und der; 
Avantgarde des 9. Korps genommen worden. Aeberall in der 
Fortsetzung unseres Marsches trafen wir auf die Vorkehrungen 
der Franzosen, den Vormarsch unserer Truppen zu hemmen, 
überall waren die Straßen ausgerlffen, verbarnkadirt, 
von Gräben durchschnitten. Wir kamen an die Braye-Linis, 
diese hatte der Feind am vorhergehenden Tage zu halten 
gesucht; cs entspann sich zwischen rhm und dem 3. Korps ein 
lebhaftes Engagement, dessen Resultat war, daß das 3. Korps 
seine Aufgabe weiter verfolgen konnte. DaS Hauptquartier 
wurde am 8. Abends in St. Calais, einer kleinen, auf der be- 
rerts genannten Straße liegenden Stadt, aufgeschlagen. Von 
Vendome aus bildete eine Kompagnie drs 3. Jägerbataillcns tote 
Bedeckung der Kolonne des Hauptquartiers, sie marschirie an 
der Tete und Queue derselben, das 3. Korps war bereits 
voraus, es war im Centrum unserer Ausstellung, das 9. in 
Reserve. Aus dem wetteren Vormarsch am 9. Januar er 
reichte das Hauptquartier die Avantgarde deffelben, die Re 
gimenter Nr. 11 und 84. Der 9. Januar war eS, der an die 
Marschleistungen der Truppen und Kolonnen die höchsten 
Anforderungen stellte; es war ein unaufhörliches Schnee 
stürmen, und durch daffetbe muhten die Unseren vorwärts 
dem auf dem Rückzug befindlichen Feind immer dichter ans 
den Leib. Auf dem Wege war lebhaftes Geschütz- und Ge- 
wehrfcuer zu hören. Als der Feldmarschall gegen Abend in 
dem Dorfe Bouloire angekommen war, traf die Meldung von 
einem heftigen Zusammenstoß ein, welchen das 3. Korps 
bei Ardenay, etwa 11 Kilometer vorwärts, mit den Streitkräften 
des General Chanzy gehabt hatte. Der Höchstkommandirende 
schlug in Bouloire fein Hauptquartier auf, das Dorf erhielt 
eine Besatzung, die an Zahl weit über die gewöhnlichen Ver 
hältnisse hinausging. DaS war eine Maßregel, welche die Un 
eingeweihten einigermaßen befremden konnte, die jedoch, Wie 
sich später herausstellte, als eine Pflickt der Vorsicht dringend 
geboren war. Der ganze Wald von Bouloire war noch voll 
feindlicher Truppen. Nach dem rapiden Vormarsch hatte 
Prinz Friedrich Karl den französischen Oberbefehlshaber ge- 
zwangen, seine Truppen auS ihrer Stellung bei Den- 
dome zurück zu ziehen, und daß Letzterer mit feine» un- 
diSziplinirlen, unbewegliches^nicht so schnell 
reicht werben zu rönnen, da^ verw.ckelte ihn rn drn nächsten 
Tagen in Gefechte, die namentlich von der 5. und 6. Division 
geführt wurden und für ihn ungünstig ausfielen. Am 10., des 
AbendS, wurde die erste Siegesbeute, zwei Mitratlleusen mit 
vollständiger Bespannung, nach Bouloire gebracht und diesen 
folgten maffenhafte Züge von Gefangenen, so daß zuletzt in 
dem kleinen Orte der Raum fehlte, dieselben unterzubringen. 
Zwischen Ardenay und der kleinen Stadt Uvre,um die Auberge 
St. Hubert suchte sich der Feind am 11. und 12. gegen das 
Centrum unserer Aufstellung zu behaupten, einzelne an der 
Straße recht- gelegene Höhen, welche dieselben beherrschen, 
vertheidigte er mit großer Hartnäckigkeit; hier war namentlich 
das dritte Korps und später das 9. engagirt, letztere- sollte die 
Verbindung zwischen dem Centrum uno dem 13- Korps, unter 
dem Kommando des GroßherzogS von Mecklenburg 
Schwerin herstellen. Der Großherzog war unter fort 
währenden Kämpfen von Norden aus Chartres her 
angerückt und bildete den äußersten rechten Flügel unserer Auf 
stellung; ihm war die Aufgabe zugetheilt gegen den linken 
des Feindes, der sich bis gegen La Fettg erstreckte, zn operiren. 
Dem Großherzoge stand hier das XXI. französische Korps 
„abgefallene Lichtträger" nennt. Denn zu letzteren muß er 
doch auch die preußische Fortschrittspartei zählen, welche die 
Ergebnisse von 1866 und 1867 im Wesentlichen acceptirt 
uod als gemeinsame Grundlage der nationalen Zukunft an- 
erkannt hgt. Mit besserem Rechte, als Gervinus auf Jene, 
könnte Ich mich auf Herman Gcimm, den Sohn von Wil 
helm Grimm und den Neffen von Jacob Grimm, berufen. 
Herman Grimm, welcher sich mit Vater und Oheim in 
Uebereinstimmung weiß, hat noch kürzlich in Gemeinschaft 
mit nationalgestnnten Freunden das Gcmetnde-Bevollmäch- 
tigten-Kollegtum in München wegen eines im Sinne des 
Doch genug. Nicht ich bjn cS, der Geister beschwört, 
damit fie nack ihrem Tode das Gegentheil sagen, wie bei 
Lebzeiten. Die BeweiSlast trifft nicht mich, der bestreitet, 
fordern Herrn Gervinus, welcher behauptet. 
Also der sttige Geist Grimm's soll vor Jammer ver 
gehen wegen der Annexionen; durch fie seien selbständige 
Stämme vernichtet worden. Aber rcpräsertttrte denn das 
„Karfürstenthum" Hessen oder daö „Herzogthrim" Nassau 
einen deutschen Volksstamm? Ist nicht dieses Herzogthum 
von Napoleon I. auS 29 verfchredenen Lappen zusammen 
geflickt vocoen zu Gunsten Eines seiner rheinbürdlerischen 
Vasallen, der stch nicht scheute, auf diese Art durch den aus 
ländischen Despoten seine „Mitfürsten im Reiche" für fich 
berauben zu laffen? Ist nickt diefrs Kurfürstenthum aus Nieder- 
sachfen, Thüringern und Chatten zusammengesetzt? Und fällt 
nicht die volle Hälfte deS chattijcken Stammes anderen Ter- 
ritorien zu? Und ist durch Herstcllung der brutschen Einheit 
Dieser Gesammtstamm der Chatten, welcher bisher durch 
die territorialen Grenzen getrennt und zerrissen war, nicht 
wieder zu feiner früheren vollen und untheilbaren Existenz 
zurückgekehrt? Weit entfernt vernichtet zu fein, ist er fetzt 
erst recht wieder ein lebensvolle« Glied des deutsch.« Volks- 
körperS geworden. Haben die Chatten feit 1866 anfgehört, 
>,auf ihren uralten Sitzen zu haften?" Haben sie nicht ihrem 
alten Krtegöruym neue Loröern hinzugefügt? Haben sie 
nicht diesmal als freie Männer deS großen deutschen Heer 
bannes in ächt altchattischer Ehre und Wehre für Deutsch 
land gefochten. während * rsiher gleich Hammel- 
heerden nach fremden W. verschachert wurden, 
und rhr Tyrann fich i\ gang- freute denn 
gegenüber und eS war ihm geglückt, dasselbe in den letzten 
Tagen durch unausgesetzte sehr schwere Kämpfe in einer Weise 
zu beschäftigen, daß er es in feinen Stellungen festhielt und so 
für die militärischen Pläne des Generals Chanzy unbrauchbar 
machte. Vom frühen Morgen bis zum spaten Abend wurde 
auf der Linie des Centrums und des rechten Flügels 
ein weithin dröhnendes Gewehr- und Geschützfeuer unterhalten 
Die Schneestürme hatten aufgehört und einem klaren, sonnigen 
S immel und starkem Froste Platz gemacht — über die glatte 
chneefläche zogen die Bataillone in die GesechtSlinie und 
unter dem blauen Himmel blitzen die Rohre der Kanonen und 
flogen die Granaten. Wie lange wird der Feind fich in diesen 
Stellungen noch hallen, wann wird er uns die Sttaße auf Le 
Mans frei geben? Diese Frage konnte nur durch eine AnzahL 
von Stunden beantwortet werden; fer hielt sich länger, als 
man geglaubt hatte, und wenn auch schon am Abend deS 12. 
ein Nachlassen seiner Widerstandskraft bemerkbar wurde, wenn 
unsere leitenden Kräfte sehr wohl einsahen, daß feine schein 
bare Hartnäckigkeit nur den Rückzug maSkiren sollte so war 
man doch der Meinung, daß es noch deS nächsten Morgens 
bedürfe, um dieselbe vollends zu brechen. Am Abend war der 
General-Feldmarschall nach seinem Hauptquartier, welches am 
16 nach dem Schlöffe von Ardeuay verlegt worden war, zurück 
gekehrt, rn» 8 Uhr ttaf ein Ordonnanz-Offizier des Ge 
nerals v. Voigts-Rhetz mit der Meldung ein, daß daS 
10. Korps und die 5. Division im Lause deS Nachmittags die 
Stadt Le Mans genommen und besetzt habe. Wo war da» 
10. Korps während dieser Tage und dieser Kämpfe des Cen 
trums und des rechten Flügels? — Daffelbe befand stch irr 
äußerster linker Flügelstcürmg. Daffelbe hatte für den 
6. Januar die Aufgabe gehabt, Montoire zu erreichen und 
von da auf dem rechten Ufer deS Loir westlich vorzugehen. 
Bei La Cüartre hatte es die Richtung nach Norden eingeschla 
gen, mit feinem rechten Flüzel stützte fich der Feind auf die 
Stadt Le Mans und gegen diese Pofition sollte es eine Flanken 
bewegung ausführen. Am Morgen des 12. Januar hatte Ge 
neral v. Voigts-Rhetz den letzten Widerstand überwunden, den 
ihm der Feind vielfach entgegengesetzt hatte und befand stch im 
raschen Vormärsche auf die Stadt. Diese Umgehung war aber 
nur dadurch möglich, daß der Feind im Centrum und auf dem 
rechten Flügel festgehalten wurde; er ließ stch dadurch auch täu 
schen, jedenfalls in dem Wahne, daß wir soweit mit unserm 
linken Flügel nicht ausareifcn würden. Mit der Wegnahme 
von Le Mans sah er seine ganze Rückzuzslinie bedroht, und 
aus der Schnelligkeit, mit welcher er feine Truppen auf seiner 
ganzen Linie zurückzog, ließ fich die Begründung dieser Be- 
fürchtung erkennen. Noch am Abend war die Straße nach 
Le ManS unseren Truppen offen. Während dieser Kämpfe 
war der General-Feldmarschall vom Morgen bis in die Nacht 
auf dem Kampfplatze, bald auf dieser, bald auf jener Stelle 
mit den Seinen, überall da, wo ein Eingreifen in die Aktion 
geboten war. Wenn man den Krieg der Neuzeit ein Schach 
spiel nennen kann, bei dem die geistige Ueberlegenheit den Eies 
davon träft so ist dieser Vergleich mehr als jr auf die gegen 
wärtigen Operationen anwendbar. DaS Terrain, das von 
Hecken in Quadrate eingehegte Ackerland, glich wahr 
haft den Feldern eines Schachbrettes, Zug um Zug 
wurde dem Gegner abgewonnen, Feld um Feld ihm 
genommen, bis das Ganze unser, der Sieg ein vollständiger 
war. Unsere Verluste während dieser Tage belaufen fich an 
Todten und Verwundeten auf 3200 Mann, die der Franzosen 
noch weit höher. Wir haben 15 Kanonen und Mlttailleusen 
genommen. ES gab zwei Tage, wo die Artillerie wegen der 
Wege und sonstigen Schwierigkeiten gegen die vorbereiteten 
Stellungen der feindlichen Artillerie nicht vorrücken konnte, wo 
nur Kolben und Bajonnett ihre Schuldigkeit thun mußten. 
Jetzt, wo noch die Details fehlen, die Schwierigkeiten noch nicht 
in vollem Maße zu erwägen find, unter denen diese Operation 
zu einem so glänzenden Resultate geführt worden ist, möchte 
rine Ueberstcht und ein Urtheil darüber noch nicht am Platze 
fein; diese Aufgabe bleibt der Kriegsgeschichte aufbehalten, aber 
fckon jetzt geht das militärische Urtheil dahin, daß diese ^)oerae 
lwn z., »rarsten Lei'lungen oes gegen 
wärtigen Krieges zählen wird. 
Vo« Großherzog von Weimar liegt folgendes Tele 
gramm an die Großherzogin vor über daL 5. Thüringische 
Infanterie-Regiment Nr. 94: 
, _ . Versailles, 22. Januar 1871. 
Das Regiment auf Vormarsch nach Rouen begriffen. 
Carl Alexander. 
Die „Straßburger Zeitung" schreibt aus Mühlhau» 
sen, 18. Januar: „Bourbakt ist noch nicht hier angelangt, 
wohl aber ein Theil feiner Armee, bestehend in 504 Mann, 
welche mit der Eisenbahn von Dammerkitch unter preußi 
scher Eskorte heute Abend 4 Uhr hier eintrafen. DaS HülfS- 
comite war von ihrer bevorstehenden Ankunft schon Mittags 
in Kenntniß gesetzt worden und drher sofort mit warmen 
Kleidern Lei der Hand. In der That war auch schnelle Hülse 
nöthig. Ich sah u. A. einen mobrlifirten Nationalgardtsten, 
der gar ki.ine Strümpfe und nur noch Fragmente von 
Schuhen an den Füßen halte. Unter den Gefangenen machte 
fich ein ftanzöfijchcr Gendarm mtt dem großen historischen 
ie weniger Chatten zurückkehrten, desto mehr Pfund Sterling 
oder Dukaten erhielt er. Was „mit einem Federstriche in 
seinem Dasein vernichtet" wurde, das ist nicht der edle und 
tapfere Volksstamm der Chatten, welcher nun wieder, wie 
ehedem, unter Kaiser und Reich steht und daneben se ne eige 
nen Angelegenheiten zu Hause selbstständig verwaltet, sondern 
die Dynastie Brabant, welche den auS jenem Blutgeld ge 
bildeten Staatsschatz den Preußen bereitwillig herausgab, 
dem Lande mit tausend RechtSwidrtgkeiten und Chikanen 
vorenthielt. Keine der neuen und keine der alten Provinzen 
ist abforbirt worden. Preußen ist nicht Frankreich, Berlin 
nicht Paris. Oder glaubt etwa Gervinus behaupten zu 
können, Pommern, Schlesien, Rheinland oder Westphalen 
hätten dadurch, daß fie preußisch wurden, ihre provinzielle 
Jndividuslität eingebüßt? Im Gegentheil, fie haben dieselbe 
nur um so schärfer ausgeprägt und um so kräftiger ent 
wickelt, und wahrlich, fie kann man mit größerem Rechte 
.sUbstständige Etammkörper" nrnnev, als jene weiland 
kleinen Landgrafschaften, welche damals «uS nichts bestanden, 
alS auS einem Herrn und seinen Lakaien. 
Herr Gervinus ergeht stch schließlich in ausführlichen 
Erötterungen über Föderalismus und UnitariSmuS. Er ge 
steht zu, daß Dahlmann „über den Erlebniffen von 1837 
uns den Hoffnungen von 1818 unilarisch geworden." 
Ich acceptire dieS Geständniß. Den Beweis, daß Dahl 
mann später der entgegengesetzten Meinung geworden, hat 
Herr Gervinus zu führen nicht einmal versucht; und bei 
einem Mann von so eiserner UeberzeugungStreur und von 
10 ruhtg-gelaffenem Herzen, bei einem politischen Denker 
von solcher Konsequenz, aus welchen sein Biograph mit 
vollem Rechte den schönen Bers deS Silius JtalicuS an- 
wendet: „Laeta viro gravitas et meatis amabile pondus“, 
rst doch etn derartiger GefinuungSwechsel wohl schwerlich zu 
vermuthen. 
WaS den Vorwurf des UnitariSmuS anlangt, so paßt 
ec in der That herzlich schlecht auf die Ergebnisse deS Jahre» 
1870. Dieses Jahr hat, darüber kann für Jeden, der die 
11 erträ^e mit den Südstaaien, aus welchen fich die neue 
Re^chSverfaffung aufbaut, auch nur halbwegs kennt, auf eine 
jeraume Zeit hinaus nicht zu Gunsten des UnitartSmu«, 
sondern zu Gunsten deS Föderalismus entschieden. Deutsch 
land ist nicht Einheit--, sondern Bundesstaat geworden. Es 
wird letzteres um so länger und um so sicherer bleiben, je 
weniger die einzelnen Glieder des Reiches bestrebt find, stch
	        

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