Full text: Zeitungsausschnitte über Henriette Philippine Zimmer

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wissen wollen. Da ich ahv meinem Vorsatze, die Fa 
milie Bourbon ungehindert aus Frankreich abgehen zu 
lassen, treu bleibe, so ist mein Befehl, daß Sie den 
Herzog von Angouleme nach Lette fuhren, und dort ein 
schiffen lassen. Sie werden für feine Sicherheit Sorge 
tragen, und jede üble Behandlung entfernt halten. Sie 
verlangen nichts von ihm als die Gelder, die aus dm 
Staatskassen genommen worden, und die Verpflichtung, 
die der Nation zugehörige' Krondiamanten zurückzugeben, 
und machen ihm bekannt, daß die Gesetze der National 
versammlung gegen seine Familie so wie gegen die wieder 
zurückkehrenden Bourbons in Kraft treten. Danken Sie 
der Nationalgarde für ihren Eifer u. f. w." 
— Man zeigt in Paris Exemplare einer Proklamation 
des Herzogs von Ragu'sq gegen Napoleon. 
— Lucian Bonaparte (Prinz von Canino) -ist gestern 
hier angekommen. 
— General Grouchy war den 8. in Valence. 
Niederlande. 
Gent, vom 8. April. — Unsere Zeitung erklärt kraft 
höherer Weisung, das von Bonaparte verbreitete Gerücht 
für erdichtet, daß der Herzog von Orleans bevor er Frank 
reich verlassen, auf Befehl des Königs die Truppen von 
von ihrem Eid entbunden habe. — Der Herr v. Montron, 
den Bonapürte hier durch nach Wien geschickt hat, ist ei- 
ner seiner bekanntesten Intriganten. 
Polen. 
Warschau , vom 6. April. — Der General von Kru 
kow iecki war unlängst in England, wohin er zur Uebernah. 
me der polnischen Kriegsgefangenen geschickt wurde. 
Vermischte Nachrichten. 
Die in der Lübestschen Zeitung vom 4. April enthaltenen 
Angaben von den schwedischen Rüstungen sind, nach den 
neuesten zuverlässigen Nachrichten aus Schweden, sehr 
übertrieben. Nur 20,000 Mann der National - Beväring 
waren bestimmt, dieses Jahr zu kampiren. Die Befehle 
zu Aushebungen in Pommern waren schon seit langer Zeit 
gegeben. Bloß 3 Fregatten und 3 Briggs sollen bis jetzt 
ausgerüstet werden. 
— Die neueste Frankfurter OberposiamtS- 
Zeitung enthält Folgendes: 
„Wir sind ermächtigt, die aus der Hanauer-Zeitung in 
Nco. 101 unseres Blatts aufgenommene Nachricht: daß der 
Kaiser von Rußland vor der Hand nach Petersburg gehe, 
weil fein Vojk ihn zu sehen verlange, und der Graf Ro- 
manzow wieder Reichseczkanzlcr von Rußland geworden 
sey, für falsch und'der Wahrheit zuwider zu erklären. 
Se. Majestät begeben sich direkte zur Armee. 
Beschluß des im gestrigen Stück abgebrochenen Artikels: 
„Ueber die Landung Bonaparte's in Frank 
reich." Diese Armee trennte ihr Schicksal von dem 
Schicksal der französischen Nation, und der Ehrgeiz ei 
ner Handvoll Franzosen hat das Unglück Aller veran 
laßt. Dieß ist die wahre Quelle jener ausgedehnten 
Verschwörung der Armee gegen die Nation, woran diese 
gar keinen Theil hat. Sie wird es durch ihr Betragen 
beweisen. Welcher vernünftige Mensch kann wohl glau 
ben, daß die französische Nation Bonaparte einem guten, 
milden und tugendhaften Könige vorzöge, daß sie den 
Krieg dem Frieden, Unruhe der Ruhe, die Sperre ihrer 
Hafen und ihrer Gränzen einem thätigen und blühenden 
Handel, den Ruin ihrer Manufakturen dem Flor dersel 
ben, die Ermordung ihrer Kinder der Erhaltung derselben, 
die Herrschaft des Schreckens der Herrschaft der Gesetze, 
Unordnung der Ordnung, die schändlichste Sklaverei der 
süßesten Freiheit, kurz, daß sie alle Drangsale und Gräuel 
allen Arten von Glück im geringsten vorziehen könnte. 
So schrecklich auch die Eatastcophe ist, welche wie der 
Blitz Frankreich und Europa getroffen hat, so haben wir 
doch der Vorsehung zu danken. Diejenigen, die ihr Va 
terland ihrem Privat-Interesse aufgeopfert haben, hatten 
eine noch ausgedehntere Verschwörung entworfen. Bona 
parte hat weder den Köncg noch die königl. Familie in sei 
ner Gewalf. Die Truppen des Nordens sollten sich der 
selben, so wie der Hauptstadt, am Tage feines Einzugs 
zu Lyon bemächtigen. Bonaparte hat seinen Sohn nicht 
bei sich, der zu gleicher Zeit zu Wien aufgehoben und nach 
Frankreich geführt werden sollte. Seine Befehle, den 
König und alle die Seinigen zu Lille zu verhaften, kamen 
bei der Rechtlichkeit des Marschalls Mortier nicht zur Aus 
führung. Diese durchl. Familie, die Hoffnung der Fran 
zosen und der Ruhe Europa's, ist vor allen Angriffen des 
neuen Attila in Sicherheit. Ueberall ward Ludwig XVIII 
bei seiner Abreise aus Frankreich von den Ausdrücken des 
lebhaftesten Bedauerns, von dem Geschrei der Verzweife 
lung und von den Thränen aller Familien begleitet. 
Laßt uns daher nicht zweifeln, daß die Franzosen, die 
in diesem Augenblick durch die prätorianischen Cohorten un 
terdrückt werden, mit Enthusiasmus einen rechtmäßigen 
König wiedersehen werden, den sie lieben, und unter wel 
chem sie eine nur zu kurze Probe des Glücks gemacht haben. 
Dieses Glück wird aber bald wieder über Frankreich auf 
gehen. Die ungeheure Allianz des Iarobinismus unb deS 
DepotiSmuS von Bonaparte wird nicht lange dauern; und 
wäre es möglich, daß dieser den Anstrengungen des gegen 
ihn verbündeten Euvopa's widerstünde, so wird er unter 
den Streichen selbst derer fallen, die ihn aus seinem Exil 
zurück berufen haben. 
Kurse der Staatspapiere und Wechsel. 
* Paris, vom 11. April. — 3 pEt. Kons. 66 Fr. 
5o Cent. — Bankaktien 916 Fr. 
Todes - Anzeige. 
Verwandten und Freunden machen wir bekannt, daß am 
j5, d. M.Morgens unsere liebsteTanre Henriette Ph i- 
lippine Zimmer, Kammerfrau Ihrer königl. Ho 
heit der Frau Kurfürstin, in kurzer Krankheit, ohne Leiden 
feelig gestorben. Sie ist 66 Jahre in Ehren und Recht 
schaffenheit alt geworden. Wir beweinen sie von Herzen 
uud vergessen sie niemalS.^.,7 
Kassel, vom 17. Mär; *8i5. 
' V. C. Grimm und dessen Geschwister.
	        

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