Full text: Alchemie am Kasseler Hof

15 
13 
Ps.-Paracelsus; alchemistische 
Lehrgedichte; „Buch der heiligen 
Dreifaltigkeit“; chemische Rezepte 
Hennegau, 1585-1600 
4° Ms. chem. 72; abgebildet: 292 v 
Die Geschichte der Handschrift gibt Rätsel auf: Erwähnt werden Brühl 
(Prüel) und die Datierungen 1527 sowie 1542. Die Schreibsprache ist 
unterfränkisch, was nach Hennegau-Schleusingen verweist, das nach 
Aussterben der Hennegauer Grafen z. T. an Sachsen fiel (erwähnt wird 
285 ra der Kurfürst von Sachsen), und die Jahre 1527 und 1542 müssen 
aus der Vorlage stammen. Das Papier der Handschrift aber ist hessisch 
und ziemlich genau auf das Ende des 16. Jahrhunderts zu datieren. Zu 
lösen ist das Rätsel, wenn man sich vorstellt, dass die Vorlage in den 
nördlichen, also hessischen Hennegau (Schmalkalden) gelangt ist und 
dort gut 50 Jahre später von einem Unterfranken auf hessisches Papier 
kopiert worden ist. 
Abgebildet sind Einzel-Illustrationen aus dem „Buch der heiligen 
Dreifaltigkeit", das einem Ulmannus zugeschrieben wird, der beim 
Konstanzer Konzil (1410) anwesend gewesen war (Joachim TELLE). 
Theologie, Astrologie, Alchemie bilden eine Einheit, u. a. werden Passion 
und Auferstehung Christi mit dem „Absterben" alter Materie und die 
Auferstehung mit der Vollendung des Transmutationswerkes gleichge 
setzt.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.