Full text: Kleine Gedanken

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den Sternschnuppen des Firmamentes vergleichbar in 
der plötzlichen Erscheinung, haltbarer jedoch in der 
Dauer. 
95. 
Der wahre Dichter erfindet nicht, sondern spricht 
nur aus, was ihm durch seine Eingebungen gebracht 
wird. Er ist daher weniger ein Poet, der etwas macht, 
als vielmehr ein Sänger, welcher dasjenige singt, was 
in seinem Inneren vorgeht. Die Griechen haben mit 
ihrer Benennung Πλάστης auch weniger den Schöpfer, 
den Erfinder bezeichnen wollen, als vielmehr gerade 
denjenigen, welcher in unwiderstehlichem Drang seiner 
gebärenden Phantasie seinen inneren Erscheinungen 
eine äußere vernehmbare Gestalt zu verleihen versteht. 
96. 
Die größten Dichter dieser Erde haben niemals 
einen Vers gedichtet oder eine Zeile geschrieben. 
97. 
Poetische Menschen lieben das Geheimnißvolle, weil 
es der Phantasie am meisten Spielraum läßt. 
98. 
Der Dichter muß in seiner eigenen Subjectivität 
die allgemeine Objektivität abzuspiegeln wissen und 
in seiner Objektivität eine jede einzelne Subjecti- 
vität. 
Hofsmeister's kl. Gedanken. 
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