Full text: Kleine Gedanken

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630. 
So schön auch die Worte klingen, so wird die 
Wahrheit doch fast immer nur aus Neid, Schaden- 
freude und Rache gesagt. 
631. 
In Aphorismen muß der Verstand vorherrschen und 
nicht das poetische Gefühl; jener verlangt Kürze und 
dieses eine bilderreiche Breite. 
632. 
Der Verstand ist unangenehm, sowie er geschwätzig 
wird. 
633. 
Der Leidenschaftliche muß weniger sprechen als 
schreiben. 
634. 
Die Einbildung kann sich Nichts vorstellen, was 
nicht wirklich existirt, denn die Einbildung mit ihren 
Bildern ist ein geistiges Bestehen. 
635. 
Man kann Alles besitzen und besitzt Nichts, so lange 
man nicht weiß und nicht fühlt, daß man etwas besitzt 
und was man besitzt. 
636. 
Je mehr Ansprüche wir machen, um so häufiger 
werden wir Gelegenheit haben, getäuscht und gekränkt 
zu werden.
	        

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