Full text: [Rezension:] Die althochdeutschen Präpositionen. Ein Beytrag zur deutschen Sprachkunde und Vorläufer eines althochdeutschen Sprachschatzes, nach den Quellen des achten bis elften Jahrhunderts, Von E. G. Graff. (..) Königsberg: Bornträger 1824

Zur deutschen Sprachkunde. 
xxvm. Bd. 
24 
meysehung der verhandelten Partikeln. Dabey geht es aber nicht 
mehr an, das Feld der eigentlichen Präpositionen zu halten, son 
dern es muß auf die mit ihnen verwandten Adverbia und Con- 
junetionen Rücksicht genommen werden dürfen. 
Zu der Meinung, alle Partikeln seyen ursprünglich in sich 
selbst bedeutungsvolle, lebendige Wörter, kann auch, wer nicht 
mit Tookes *) Scharfsinn begabt ist, gelangen. Ueberzeugung 
gebender Aufschluß solcher Bedeutungen ist aber noch wenig ge 
währt worden. Wenn die Vermuthung von jüngern Präpositio 
nen, die der Sprachgeist verwendet oder zubildet, auf ältere, 
dunklere gilt, so muß jene Ansicht Grund haben. Einige Bey 
spiele sind schon in dem Vorausgehenden vorgekommen. Sicht 
bar stammt unser -seits von seite (latus); -halben von halp 
(latus) ; - wegen und wegen von weg (via und dann auch latus), 
welches letztere die mhd. Sprache noch nicht einmal kennt, und 
auch der isl. Gen. Pl. vegna (für vega, wie gumna für guma, 
Gramm. I, 661) scheint nicht sehr alt, vgl. hinns-vegar (jen 
seits, jenes Weges), thess-vegna (deswegen); nicht anders 
steht das altn. - megin tn thessu - megin (diesseits), ödhru-me- 
gin (andrerseits) re. von rnegin (summa rei, pars). Dem lat. 
gratid und causa entspricht das altn. sökum; dem slav. ivi’Bcmo 
das nhd. statt (loco), franz. au lieu; unser längs und rings 
sind aus lang und ring zu deuten, wie das slav. OTÜOAO aus okoa 
(Kreis, Umkreis, was im Auge liegt, vgl. oko, oculus, und 
XiOAo, orbis, rota), das lat. circum aus circus (xchrcoz-) , das 
altn. kringum aus kringr (gyrus). Sie alle, sammt andern 
mehr, sind der Gen. oder Abl., zuweilen auch der Ace. eines No 
mens , und erfordern darum ein anderes zu ihnen gesetztes No 
men im Gen., Pronomina können possessivisch mit ihnen construirt 
werden, z. B. altn. mi'nna vegna statt vegna min (östr. wegen 
meiner), und das nhd. meinetwegen, meinethalben ist nichts 
als Entstellung der possessiven Form. Andere, zum Theil ziem 
lich alte, Präpositionen haben sich gebildet aus der Zusammen 
setzung einfacher mit einem lebendigen Nomen. So gebrauchen 
wir für statt das gleichbedeutige an-stattj altn. 1' stad (schwed. 
i stallet köre), ahd. in minan stal (vicem), jun 232 ; das 
altn. ä-millij a-medal (schwed. emellan) gleicht der roman. 
per-rniei, par-mi (per medium) ; das engl, a-mong, aus 
dem ags. on-gemang, alts. an-gimang (in das Gemenge, Ge 
misch), dem schwed. dän. i-bland (bland, mixtura); das nhd. 
" ~ —; ?p ; “ 
*) Ensa 7CTi£>6tvTa, or the diversions of tpirley, ein Buch , das 
durch scheinbare Gründlichkeit verführt, und dem grammatischen 
Studium, in England wenigstens, höchst geschadet hat.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.