Aus der Bibliothek Herraau Grimms
Jahrbücher der Literatur.
Oktober, November, Dezember 1824.
Art. I. Die althochdeutschen Präpositionen. Ein Bey
trag zur deutschen Sprachkunde und Vorläufer eines althochdeut
schen Sprachschatzes, nach den Quellen des achten bis eilften
Jahrhunderts, von E. G. Grafs. Für Lehrer der deutschen
Sprache und Herausgeber altdeutscher Werke. Königsberg,
im Verlage der Gebrüder Bornträger, 1824. XX und
3oo Seiten in Qctav.
^er Verfasser dieser vortrefflichen Monographie hat die alt
hochdeutschen Sprachdenkmäler zum Hauptgegenstande seiner viel
versprechenden Studien gemacht. Auf einem beschränkten, doch
immer ansehnlichen, und, wo das Einzelne so zerstreut liegt,
schwer zu überschauenden Felde bewahrt er sich, mit Fleiß und
Scharfsinn, wie sie selten vereinigt angetroffen werden, ausge
rüstet, gleich beym ersten Erscheinen als gründlichen Kenner. Die
Verkündigung eines vollständigen althochdeutschen Wörterbuches
aus diesen Händen muß daher dieTheilnahme aller Sprachfreunde
erregen, und wird dem Bearbeiter ohne Zweifel von Seiten sei
ner Regierung die zur Herbeyschaffung sonst unzugänglicher Ma- -
terialien dringend nöthige Muße und Unterstützung zu Wege brin
gen. Endlich einmal Aussicht, daß wir das höchst mittelmäßige
Glossar von Schiller sammt den planlosen, unsicheren Glos
sensammlungen von Eeeard, Pez u. a. bey Seite legen dür
fen; wer sich täglich darin herumzutreiben hat, weiß den Ver
druß und Zeitverlust dabey anzuschlagen. Welcher Vollständig
keit und Reinlichkeit der Citate können wir in Herrn Graff's
Werke entgegensehen, und welcher Gewinn läßt sich aus solcher
Fülle ziehen! Denn nicht bloß liegt daran, über die Bedeutung
und Bedeutungen eines jeden Ausdrucks aufs Reine zu kommen;
es verschlägt dem Sprachforscher auch gar viel, zu erfahren, wel
cher und bey welchem Schriftsteller gerade selten oder häufig ge
braucht worden ist. Und diesen nicht zufällig herbeigeschafften,
sondern überlegt gesammelten Reichthum von Belegstellen wird
das gesammte Wörterbuch enthalten, wie ihn der vorausgesandte
Prodromus enthält, nur freylich dort die Gedrängtheit des
Ganzen und die alphabetische Ordnung wörtliche Aushebung ver
bieten, welche hier die Lehre von den Präpositionen so anschau
lich gemacht hat. — Indem ich mich nunmehr ganz zu der vorlie
genden Abhandlung wende, bekenne ich, daß es bis jetzt im Fache
deutscher Sprachkunde schwerlich eine Schrift gibt, bey der man