Full text: [Rezension:] Die althochdeutschen Präpositionen. Ein Beytrag zur deutschen Sprachkunde und Vorläufer eines althochdeutschen Sprachschatzes, nach den Quellen des achten bis elften Jahrhunderts, Von E. G. Graff. (..) Königsberg: Bornträger 1824

3o Zur deutschen Sprachkunde. XXVIH- Bd. 
Die Sonderung der positiven Reihen der drey ersten Klaffen 
hat sich im Ahd. und selbst Nhd. besser erhalten, als die der ne 
gativen ; das goth. fram und verfließen sehr bald in VON. Der 
Lateiner, welcher die negativen strenger scheidet, würde verlegen 
seyn, wenn er alle Feinheiten unseres inana> az„ zi, pi, üf, 
mit seinem in und ad wiedergeben sollte. Wer i n dem Berge 
ist, muß hineingedrungen seyn; wer auf dem Berge ist, ihn 
bestiegen; wer a n dem Berge ist, braucht ihn noch nicht betre 
ten zu haben, muß aber an seinem Fuße stehen, und kann ihn 
auch betreten. Wer aus dem Berge geht, war darin; wer ab 
dem Berge (descendit de monte), war darauf; wer von dem 
Berge (procul a monte), war daran. Doch psiegen in vielen 
Fällen fast alle Sprachen und Mundarten, indem sie sich Nähe 
oder Ferne auf verschiedne Weise denken, eignen Gewohnheiten 
und Gelüsten nachzuhängen, und besondere Präp. zu wählen, sie 
auch wohl im Laufe der Zeit wieder zu vertauschen. Solcher Ei 
genheiten , gleichsam Sprichwörter aus dem Kreise der Präpo 
sitionen, hat uns der fleißige Vers, einen ganzen Schah gesam 
melt, der nun historisch mit dem Mhd. und Nhd., sowie mit 
den verwandten Sprachen verglichen zu werden verdient. Aus 
der Edda läßt sich eine Fülle der schönsten, Präpositionellen An 
wendungen schöpfen Die Unterscheidungen zwischen frd und af 
fühlen wir im Nhd gar nicht deutlich, es sey denn, daß sie durch 
Composita erläutert werden können * *)♦ Fra stehet trennend, wo 
übertragt, statt y Hefty, Nichtiger böhm. w nebi, na zemi; 
poln. w niebie , tak y na zicmi; krain. u nebi, na semli (doch 
1784 na nebi, na semli). Freylich gibt auch die altslav. Bibel 
zwey Mal na (na ue6eeu , Ha Zem^u), wozu doch nicht das in 
coelo et in terra der lat. Vulgata verleitete, wornach ahd. N. 
in erda , in himile, und die Island. Bibel: ä iördu, a liimni. 
Luther hingegen: im hiinmel, auf erden, und so dan- i bim- 
melen, paa jorden. 
*) Die ahd. Scheidewand zwischen aha und vona scheint mir Grafs 
etwas zu schnell einzureißen. Er sagt S. 2,3: beyde sind in ihrer 
räumlichen Beziehung nicht von einander verschieden, und fügt un 
widerstehliche Belege aus N. hinzu. Ja aus dem Mhd. lassen sich 
Stellen wie folgende: von im gesniten und ab im gehouwen 
( troj. 112a ) beybringen, welche dem ahd. ni nimu ili ab imu, 
so ili fona dhemu nam (J. 3q8) vollkommen ähnlich, das nhd. 
Aufgeben der Prap. ab, als eines überflüssigen Wortes, begrün 
den. Aber jener Vermischung und diesem Fahrenlassen zum Trotze 
bricht die eigentliche Regel noch zuweilen durch. Sie ist: goth. 
fram, ahd. vram, vona — lat. a, ab 5 goth af, ahd. aba = 
lat. de. Af, aba bezeichnet eine stärk e r e Sonderung als fram, 
vona, und letzteres wird leichter abstrakt gebraucht. Freylich ent 
spricht auch das griech. ano sowohl dem lat. a als de; doch wird
	        

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