Volltext: [Rezension:] Die althochdeutschen Präpositionen. Ein Beytrag zur deutschen Sprachkunde und Vorläufer eines althochdeutschen Sprachschatzes, nach den Quellen des achten bis elften Jahrhunderts, Von E. G. Graff. (..) Königsberg: Bornträger 1824

Zur deutschen Sprachkunde. 
XXVIII. Bd. 
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verschiedner Bedeutung zu sich nimmt; untreffender da , wo sie 
alles mit dem Gen. ausrichtet. Alsdann wird man die Auslas 
sung oft gezwungen oder gar im Widerspruch mit den lebendigen 
Phrasen befinden, namentlich wenn eben das vermuthete Subst. 
oder ein gleichbedeutendes selbst und auch in dem Gen. gesetzt 
steht. Das vorhin angeführte altn. til Oegis koma erklärte sich 
gut aus dem unterdrückten Ace. hus oder Dat. hüsi; aber wie 
soll nun genommen werden koma til sala (Edd. Saem 53 b . )? 
Da wäre der Zusatz Haus unschicklich oder ein übler Pleonasmus? 
Sollen bey jedem griech. anö oder eg, jedem slav. om, H3 El 
lipsen eingetreten seyn? Sicher nicht in allen nachherigen Ver 
wendungen dieser Präpositionen; es gilt bloß, den Ursprung der 
genitivischen Rection zu verständigen. Nachdem also til eine Zeit 
lang häufig mit dem Gen. von Personen wie min, tbin, sin 
und einer Menge Eigennamen verbunden worden war, ariff diese 
Construetion um sich, und verdränate den Gebrauch der ihm ei- 
gentl7ch"gebührenden EastlH der ElÜpje wurde mcht werter ge- 
dacht. Dasselbe hätte sich mit at oder dem goth m zutragen kön 
nen , unterblieb aber vermuthlich, weil die Ace. und Dative bey 
diesen Präpositionen ihr Uebergewicht behaupteten Ungefühlte 
Pleonasmen liegen fast allen späteren Auxiliär-Flexionen zum 
Grunde. Man braucht sich auch nicht auf die Auslassung der 
Begriffe Haus, Sache, Gegenwart einzuschränken, son 
dern es können noch andere, z. B der von Zeit verschwiegen 
gedacht werden; im Lithauischen antwortet ant mit dem Gen. 
auf die Frage wann? ant Szwedu, zu der Schweden (Zeit, 
czeso). Ich will jedoch mit den hier zu weiterer Prüfung vor 
gelegten Vermuthungen nicht behaupten, daß alle und jede Ge 
nitive bey Präpositionen auf gleiche Weise gefaßt werden dürfen. 
Es gibt für andere noch einen einfacheren Weg, den, daß man 
die Rection aus dem in der Präp. selbst steckenden Nomen deute. 
Bey gratia (ahd. anst: Wortes anst, verbi gratia, jun. 260), 
causa, oder dem altn. sökum, dem slav. pa^a, dem nhd. 
halben, wegen, willen, statt, bedarf es nichts elliptisches, um 
den von ihnen abhängigen Gen. zu begreifen. Verdunkelte No 
mina liegen aber vielleicht in andern Präp. verborgen. Beyder 
ley Entstehungen der Genitivrection können nahe zusammentref 
fen. Angenommen, das goth. in attins habe früher einmal ge 
heißen in attins sakai, so drückt das nachherige in attins mit 
Auslassung von sakai in der That das nämliche aus, was das 
altnordische sökum (Dat. Pl.) mit Auslassung der Präp. i, aber 
Beybehaltung des persönlichen Genitivs ausdrückt. 
Diesen Betrachtungen über die Rection der Präpositionen
	        

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