Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

sches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 29 
XXXlI.Bd. 
kneht höuschreche, du wildest versniten oder erhänget. 
In einer anderen Predigt heißt es nochmals (S. 262): eteliche 
den wol sol sin , die waenent in si gar wol und in ist we. 
Ez rident die schiltkneht mit zerbrosten schuohen in kaltem 
weter * daz im sin marc in sinem geh eine erfriuset und yert 
als ein höuschrecke in einem (? einer) dünnen wat und 
enweiz hin zenaht, wa sin herberge ist, und gelit niemar 
warm und gizzet selten iemer wol und muoz des libes alzit 
yorhten, daz er eht niht enweiz, wä die liute üf im sin 
und wenne er daz leben hat und wanne er an übe und an 
sele stilbet. Laurer Züge, die nach allen Veränderungen noch 
auf den Heutigen Soldaten paffen. — In der zehnten Predigt 
werden die verschiedenen Handwerker und ihre Betrügereien 
aufgezählt. Berthold theilt sie in sechs Klassen, deren jede 
unentbehrlich ist, und nicht zu verachten. (S. 3q): Got hat 
ieglichem sin ampt geordent, als er wil, nilit als du wilt. 
Dü wollest übte ein rihter oder ein herre sin, so muostü 
ein schuochsüter (Schuster) sin , oder ein Weber oder ein 
gebüre, wie dich got danne geschaffen hat; also beynahe 
Kasten; es hielt damals sicher noch schwerer, sich aus einem 
Stande in den anderen empor zu schwingen. In die erste Klaffe 
(er sagt: chor) setzt er alle, die Gewand wirken (sidin oder 
wüllin oder linin oder pelzin, oder schuohe oder hent- 
schuohe oder gürtel) Gewand begreift folglich den Anzug 
oder die Bekleidung überhaupt. Folgende Betrüge werden 
(S. 40) erwähnt: har under wollen mischen, das Tuch üzer 
einander zer-denen und zerziehen, daz ez dester langer 
werde. (S. 4>) : so enmac ein man (niemand) einen guoten 
huot vinden vor dinem valsche, im ge der regen zetale in 
den buosen. In der zweyten Klaffe sind die Schmiede, Zim- 
mererV^Steinmetzen, alle die mit Eisen wirken. Beyde letztere 
arbeiten auf doppelte Art, entweder tagewerk oder fürgrif, 
jenes wenn sie tagweise, dieses wenn sie für die einzelne Arbeit 
bezahlt werden. Die Tagwerker pflegen träge zu seyn, damit 
die Arbeit desto länger währe; die die Arbeit einzeln übernehmen, 
pflegen schlecht zu arbeiten, damit sie nicht lange halte, und bald 
von neuem geschehen müsse . Das Wort fürgrif* fehlt in allen 
Glossaren, soviel ich weiß.' Es muß etwa bedeuten, was vor 
den Griff kommt, was vor der Hand liegt, einzelne Arbeit auf 
Akkord , im Gegensatz zu Tagwerk. P i e t 0 r i u s hat zwar das 
Adj. fürgriffig (alienis commodis inhians) , d. i. vorgreifend, 
vorwegnehmend; allein das schickt sich nicht hieher. Den Schmie 
den wird vorgeworfen: du siehest etewanne ein isen an ein 
ros, daz ist itel kis (Kies, Sand, die Wurzel von Kisel, Kie-
	        

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