Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

1 025. 
Altdeutsche Predigten. 
einem Affen und mit einer Nattern und mit einem Hahnen. 
Das hohe Alterthum solcher Rechtsgebrauche ist zu erweisen. In 
den altnordischen Gesetzen, die König Fro de gegeben haben soll, 
steht die Strafe, aber nicht auf den schwersten Verbrechen, viel-' 
mehr auf dem bloßen Diebstahl: furem in furcam agi jussit, 
tum praeterea lupum vivum juccia tum alHgari, qui cadaver 
varie dilaceraret (Torfaeus hist. Norveg, I. 355), Daß der Wolf 
lebendig seyn, und den Leichnam zerfleischen solle, scheint hierbey 
unrichtig, und Suhm (nord. Fabelzeit, III *8i) führt auch 
das Gesetz so an: ein Dieb soll mit eisernen, durch die Arme 
geschlagenen Nageln und ein Wolf an seine Se-te gehangen wer 
den, anzudeuten, daß sie beyde an Raubgier einander gleich 
seyen. Das ist ohne Zweifel die wahre Ansicht, die auch Saxo 
grammat. in der Erzahlru g ausdrückt, daß Jarmerik auf 
diese Weise die gefangenen Slaven aufhangen ließ (ed. steph« 
p i55, lih. Vlll): quorum quadraginta captos, applicaiis 
iotidem lupis y laqueo adegit; quem supplicii modum ohm 
parricidis debitum ob hoc circa hostes \ eragere voluit, ut 
quantae in Danos rapacitatis exlilerint ex ipsa atiocium 
helluarum communione videntibus perspicuum soret -— 
(S 21. 22) eine gute Vergleichung der Schild knechte mit 
den H e u sch r e ck e n?^Jn den Gedichten flndet man mehr das 
Leben und die Sitte der Ritter geschildert als das der gemeinen 
Knechte. Die Heuschrecke liegt unthätig im Grase, und verdirbt 
es. Der Schildknecht zerstreut den armen Leuten Futter und 
Heu ohne Noth, und wirft seinem Roste mehr vor, als es fressen 
kann. Er hatte an einem Huhn genug, und würgt ihrer z.hne; 
an einer Gans genug, und würgt ihrer viere. Lnd (nach diesem 
Worte, welches S 21 schließt, ist die erste Zeile von S. 20, 
und nach ihr die erste Zeile von S. 22 zu lesen; ein Setzfehler) 
also tuot er dem allem samet. Des die guoten Hute ein 
ganzez jar leben sollen, mohte er daz einiger tso lese ich 
für einigez) für bringen , daz taete er. Und eben so wenig 
gedeihts an ihm; die Heuschrecke, so tiefste im Grase liegt, wird 
nimmer ferst (vergl. S. 36o), bleibt allzeit mager, langbeinig 
und »snachelt« (ein sonst nicht vorkommendes Wort, desten Sinn 
sich rathen laßt). Also bist du schiltkneht ein höuschreche; 
du hopfest (hüpfst) üf dinem gurrelin (elenden Pferdchen) und 
hangent dir die schuohe von den Juezen vor armuot und wer 
dest selten iemeiÖft). t nie) wol beraten und muost ze jun^ 
gest*eins schentlichen todes warten , als der höuschreche, 
den vertretent die liute u. daz vihe in dem grase oder in 
versnidet diu sense , so man daz gras mewet, kumet er des 
hin (entgeht er dem) 80 gezzent in die vögele. Dü schilt- 
i5 *
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.