Volltext: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

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Altdeutsche Predigten. 
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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 29 
aufgeklärten Ansicht folgt auch Wir nt in folgender Stelle des 
Wigaloiö, die ganz hieher gehört (S. 229). Der Held zieht aus: 
dehein ungeloube (Aberglaube) in muete 
in dem hüse , noch üf dem wege, 
er lie ez allez an gotes pflege. 
Swaz im des morgens wider lief\ 
ode swie vil diu krd gerief 
swie vil der mtis&re umbe geflouc, 
der ungeloube in niht betroucj ^ 
wander niht d|r üf ahte. j 
Wir haben maniger slahte \ 
bosheit unde gelouben, 
da mit wir uns nü rouben 
aller unser srelecheit. 
Ez ist vil manigem manne leit 
swenne im ein wijj daz siuert git. 
Daz lie der riter ane nit, 
ern ahtet niht d|ur üf ein här, 
ez wterc gelogen oder wär; 
er het in gotes gnade gegeben 
beidiu sele und leben, 
swaz im des morgens zoider gie 
daz engefloch der riter nie, 
•wan guoten gelouben het er ie. 
Und in dem noch ungedruckten Gedicht von dem Feldbauer 
(cod. pal. 341/ 161 — 164), heißt es: / 
djirzuo sähe wir einen hasen, 
der wider fffijir uns an dem wege, 
do dähtich daz ez niht eben (unglücklich) liege, 
er tet uns den ersten aneganc 
wai| daz er snclie für mich spranc. 
Wahrscheinlich hält das Volk hin und wieder noch heut zu Tage 
die Begegnung eines Wolfs für ein glückhaftes Zeichen beym 
Ausreisen, die des Hasen für ein unglückliches; vgl. gestriegelte 
Rockenphilosophie, Chemnitz, 1729. Zweytes Hundert, S. 
286: .-wenn einer über Land reiset, und begegnet ihm ein Wolf, 
Hirsch, Wildschwein und Bär, so ists ein gut Zeichen; lauft 
aber ein Hase übern Weg, ein böses.« Das hieß im dreyzehn- 
ten Jahrhundert einen guten oder bösen An gang ha 
ben. Hat sich dieser Wahn in den fünf letzten Jahrhunderten 
nicht ausrotten lassen, so zweifle ich m'cht , daß er fünfhun 
dert Jahre vor Berthold und länger eben so bestanden haben 
muß. Es wäre belehrend, die deutschen P a g a n i e n zu sam 
meln und zu erklären. Die sogenannten indiouli superstitio- 
num zu Grunde gelegt (aber manche liegen noch unherausgege- 
ben); was sich zerstreut bey geistlichen und profanen Schriftstel 
lern vorfindet hinzugetragen und den Volksglauben der jüngsten 
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