Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

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Altdeutsche Predigten. 
XXXli. Bd. 
Er gehört in das dritte Viertel des dreyzehnten Jahrhunderts. 
Diese Bestimmung ist genauer, als wenn Hr. Kling ihn auf 
Titel und Seite XI der Vorrede in die zweyte Hälfte desselben 
Jahrhunderts weist, und mit der Angabe des Todesjahrs bey den 
Chronisten unvertraut anzunehmen scheint, daß er noch unter 
dem Kaiser i seit ,273) Rud 0 l p h von Habs bürg gelebt habe. 
Keiner der in der sechsten (nicht sechzehnten) Predigt S. 69» an 
geführten Zeitumstände reicht so weit hinunter. Die Heiligspre 
chung der Landgräfin Elisabeth erfolgte 1286, trifft also in 
Bertholds Lebzeiten, aber wohl noch in seine jüngeren Jahre, 
ehe er irgendwo gepredigt hatte: er gedenkt der Heiligen S. 19, 
128, 35i. Wichtiger und seiner eigentlichen Periode näher find 
die in jener Predigt, indem er von dem Todschlag (manslaht) 
als einer ruofenden (schreyenden) sünde redet, berührten Bege^ 
benheiten. Das gräuliche Blutvergießen, sagt er, hat nun all 
gemein in der Welt angehoben, und führt nachfolgende Beyspiele 
an: i) Den Streit der Könige von Ungern und Böhmen, 
womit die Schlacht gemeint wird, die sich Ottokar und Bel a 
,260 an der March lieferten, vgl. Meister Friedrich von 
S u 0 n e n b u r g MS. 2 , 2i2 a . 2) Den großen Streit des K ö- 
uigs von Frankreich jenseit des Meeres, d i. L u d w i g s d e s 
Heiligen ersten Kreuzzug,248—,264. 3) Die Fehden Gra 
fen Peters von Savoien; sie heben um 1240 au und wäh 
ren über zwölf Jahre; Peter starb 1268. 4) Die Fehden Ru 
dolfs Grafen von Habsb u rg; beginnen um 1242, an die 
Kaiserwahl damals noch kein Gedanke. 6) Grafen Hermanns 
von Henneberg und des Bischofs von Würz bürg, ver 
muthlich im Jahre 1254; Hermann erscheint seit »25o in 
würzburgische Händel verwickelt, eines spätern Streites erwähnen 
die Chroniken beym Jahr ,26b, vgl. Siffridus presbyter adh. a. 
comes de Hoenlo et cives wirzburgenses conllixerunt cum 
comite Hermanno de Hennenberg apud civitatem Kitzingen 
juxta Mogum. 6) Des König Prinze (d. i. P r z e m y s l, Pri- 
m i s l a u s, gen. Ottokar von Böhmen) Zug mit dem deut 
schen Volk, d. i. der für den deutschen Orden im Jahre ,254 — 
1255 nach Preußen unternommen wurde. ^Keines dieser Da 
ten leitet also über ,260 (,266?) hinaus, und die sechste Pre 
digt der Handschrift scheint nicht später gehalten worden zu seyn. 
Die in der neunten und fünfund zwanzigsten (S. 894 und 802) 
vorkommenden Ketzernamen, von welchen ich unten näher han 
deln werde, treffen zwar gleichfalls mit B e rt h0 lds Zeitalter 
zusammen, find aber schon vor 1240 entsprungen, und dienen 
noch weniger zur Widerlegung der Annahme, daß die jüngste die- 
ser-Predigren bereits vor Rudolfs Erhebung auf den Thron
	        

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