Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

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Altdeutsche Predigten. 
XXXI!. Bd. 
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scheinlich auch große Form der Schriftzüge erklärt. Dieselbe 
Pfalzgrasin ließ durch einen ihrer Kapellane das Leben der heil. 
Elisabeth aus dem Latein verdeutschen (Wilken S. 331) und 
sicher noch andre Bücher sammeln. Eine altere, wenn auch 
unscheinbarere Handschrift der Bertholdischen Predigten würde 
für unsern heutigen Gebrauch wünschenswerther seyn. Hat man 
nämlich keinen Grund zu zweifeln, daß im Ganzen die spatere 
Abschrift getreu den älteren folge, und daß selbst Eigenheiten 
des Bertholdischen Dialekts (z. B. die Form Zen , sten, baierisch- 
fränkischschwäbischer, als das mehr rheinischschwäbische gän, stau? 
vgl. Gramm. 1,944) unverwischt geblieben sind; so lehrt doch 
der bloße Anblick des Abdrucks, daß die ältere, reinere Ortho 
graphie des dreyzehnten Jahrhunderts abgeht; ich habe sie in 
den ausgehobnen Stellen zurückgeführt, ohne damit für einen 
künftigen kritischen Herausgeber irgend einen genügenden Maß 
stab stellen zu wollen oder zu können. Die Heidelberger Biblio 
thek verwahrt unter Num. XXXV (Wilken p. 323) noch eine 
zweyte Handschrift, gleichfalls Predigten Bertholds, 
auf Papier, und geschrieben i$3), auf 106 Folioblatter, also 
69 Jahre jünger als die vorige und offenbar weniger, wahr 
scheinlich größrentheils andere Predigten enthaltend.^ Aus ihr 
wird zwar kein reinerer Text zu nehmen, gewiß aber vieles zu 
lernen und zu vergleichen seyn. Wichtiger scheint mir eine Straß 
burger H a n d sch r i ft'/ welche O b e r l i n im Quellenverzeich- 
niß, ohne ihres Urhebers Namen zu wissen oder zu rathen, als: 
sermones sacri sive predigten, bibl. S Job. Hieros. Arg. 
A. 100 aufführt und die er bey verschiedenen Artikeln seines Wör 
terbuches benützt hat. Sie ist auf Pergament (Oberlin S. 
402) und enthalt, außer andern Sachen, von Blatt 160— 207 
vermuthlich einige Predigten Bertholds, so weit ich nach den 
Auszügen urtheiln darf, in älterem Text, als die Pfälzer von 
1^70. Man sehe z B. die unter dem Worte lotter (q53 a ) aus 
Bl. 163 der Hs. ansgehobne Stelle: so dv liugest durch das 
dv den Huten deste bas gevalles, alz der lotter oder der 
spilman der urabe gäbe lobet den der do zvo scheltende 
ist. Das sind ausgemacht Bertholds Worte und Gedanken 
(vgl. Kling S. 92»; die Rechtschreibung ist auch nicht untadel 
haft, sondern verwechselt z und s, wie der Heidelberger Kodex. 
Aber die Benutzung und Vergleichung des Straßburger kann in 
keinem Fall unterbleiben, wenn die vollständige Herausgabe B e r- 
tholds auch in den Augen anderer nöthig scheinen wird. Das 
B uchstück einer vielleicht noch ins dreyzehnte Jahrhundert fallen 
den andern pergamentenen Handschrift in Eberts Besitz wird 
dieser Gelehrte gern mittheilen. Die daraus in den Ueberlieferung
	        
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