Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

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Altdeutsche Predigten. 
2P) 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 29 
gleichbeliebte und gleichfruchtbare Prediger G e i le r von Kai-- 
sersberg die Feder nicht angesetzt/ sondern die Nachwelt 
verdankt es dem Minoriten, Johannes Pauli/ daß sie 
diese Reden/ ohne Zweifel in ihrer ganzen Originalität/ besitzt, s 
In einem vorausgeschickten Prolog pflegt Pauli gewöhnlich 
zu versichern/ daß er jegliche Predigt »behalten hat in seinem 
haubt,« und hernach aufgeschrieben. Ausgeschlossen bleibt hier 
mit keineswegs/ daß einzelne Predigten von Kaisersberg 
wie von Bert hold entweder selbst aufgezeichnet/ oder diktirt, 
oder nachgesehen seyn können; Spuren führen aber nicht darauf/ 
und die vielen Wiederholungen machen es für die vorliegende 
Sammlung Bertholdilcher Predigten/ so weit sich aus dem noch 
sehr unvollständigen Abdrucke schließen läßt/ eben nicht glaublich. 
Es hat unstreitig mehrere von einander abweichende Samm 
lungen der Sermonen Bertholds gegeben/ aus deren Ver 
gleichung und sorgfältiger Benutzung/ wenn sich die Handschrif 
ten erhalten haben, manches von dem, was eben vor ihrer Ab 
fassung und im Vorhergehenden insgemein über des Predigers 
Leben, Charakter und Talent gesagt worden ist, bedeutend ergän 
zen und berichtigen ließe. Kling kennt nur die einzige von ihm 
gebrauchte Heidelberger, kürzlich erst aus der Verbannung nach 
Rom zurückgekehrte Handschrift, welche er Vorr. S. XI be 
schreibt. Die nicht beygefügte Bibliotheknummer ist XXIV, und 
man findet sie in Willens Katalog S. 318, 3,g verzeichnet. 
Sie begreift zwey und sechzig Predigten, von denen hier nur 
zwölfe ganz gedruckt und über vier und zwanzig andere ausgezo 
gen werden. Das Verhältniß der Auszüge zu dem vollen Inhalte 
wird ersichtlich seyn, wenn ich hinzufüge, daß jene zwölf Predig 
ten von i —3o<) reichen, die Auszüge von doppelt so viel Pre 
digten nur 3,o — 466 füllen. Die gedruckten und ereerpierten 
Predigten berühren also beynahe die Hälfte der Pfälzer Hand 
schrift gar nicht, und angenommen, daß im Durchschnitte jede 
ungefähr 26 Seiten des Klingischen Abdrucks braucht, so ist nur 
wenig über ein Viertel dessen, was der Koder enthält, bis jetzt 
herausgekommen. Er ist, wie es bey Wilken heißt, auf sehr 
schönem Pergament sehr sorgfältig geschrieben, aber erst, wie die 
Rubrik am Ende lehrt, i3^a, folglich 98 Jahre nach des Pre 
digers Tod und über ein Jahrhundert nach der Zeit', wo die mei 
sten dieser Reden gehalten worden sind. Die fromme Pfalzgrä 
fin Elisabeth hat ihn auf ihre Kosten schreiben lassen, das und 
nichts anderes bedeutet der Ausdruck: hat gezuoget (f. geziu- 
get) dizbuoch; ziugen (zeugen) etwas anschaffen, beköstigen 
(comparavit hunc Hbrum)J/' woraus sich auch die Schönheit 
und Breite des Pergaments und die äußerliche Gleichheit, wahr-
	        
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