Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

essisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 29 
1 8 2 5. 
Altdeutsche Predigten. 
2/z 3 
Sitten, die von Zürich und vom Bodensee, und die von 
Sachsen kann man daran wohl unterscheiden. Manchmal 
aber nimmt der Niederländer die Sprache des Oberlan- 
ders an, wie der Gleisner und der Pfennigprediger, der so 
viel von Gott und seiner Marter redet, und dazu weint, daß 
man schwören möchte, er sey ein rechter Oberländer. Auch durch 
die Kleider kann ein solcher tauschen, aber nie in die Lange durch 
die Sitten. Er will im Grunde .unter den Oberländern die 
Frommen, unter den Niederländern dre gottlosen Menschen 
schildern, und gibt den wirklichen Sprachunterschied nur zum 
Beyspiel. 
Die Untersuchung wird hierdurch zu unmittelbar auf B e r- 
tholdsSprache selbst geführt, als daß sie sich noch länger 
bey dem aufhalten könnte, was sonst in den bekannt gemachten 
Predigten außer den angeführten Gegenständen Bemerkenswer 
thes vorkommt. Die grammatische Wichtigkeit des vorliegenden 
Werkes fordert eine ausführliche Berücksichtigung. 
Für die Verhältnisse der Laute und Buchstaben ist indessen, 
wegen Beschaffenheit der Handschrift, wovon hernach die Rede ^ / 
seyn wird, nichts sicheres zu entnehmen; auch in den WortbeD- u/ 
gungen habe ich nichts unbekanntes angetroffen. Reiche Aus 
beute hingegen für die Wortbildung, sowohl in Ableitungen als 
Zusammensetzungen. 
S ub st a n t i v a b l e i t u n g. Feminina mit bloßem Vokal, 
aus Adj. gezogen selten, aber zuweilen: gelphe (splendor) i44?\ 
aus andern Subst. mistende (resurrectio) 26; aus Partlkelü & 
gegcne (regio) 212, wo doch der Partikel selbst ein altes No- 
men unterliegt. Die Masc. auf -oere zeigen durchgehends -er 
(Gramm 2, i3o): abbrecher 129, i3o, i3»; gertener 
(hortulanus) i56); nesclier (libidinosus) 200; meineider * 
38; trügener , lügener 91 ; pfrägener (propola) 61, 9 1 [(HGm 
wörseler 4 2 j hördeler (thesaurarius, avarus) 182; man- 1 
slahter (homicida) 78, 177, blnottrinker 19, 77, 69; 
prediger; gesnoeber (koenerator) 85; wuocberer 224 ; was 
bedeutet Satzungen 123, 224? Offenbar auch einen, der im 
Handel und Wandel bekriegt. Man sieht, der Umlaut folgt 
bald, bald nicht, es wird kaum zu bestimmen seyn, ob Ber- 
thold wuocberer oDer wuecherer gesprochen hat. Auf -ser 
(althochd. -isari, z. B. durstesare des pluotes, Blutdlirster, 
Notker C apella 78) findeich bloß gewaltser (21, 40 3, 4>o), 
worunter er einen gewaltsamen, rohen Krieger versteht, den er 
mit dem Diebe zusammenstellt. Die Bildung -ison, -isari scheint 
überhaupt auf das Heftige hinausgehend, vergl. richi son, herri 
80n (herrschen, dominari). Auf -i«al (Gramm. 2, 107) das 
16 * 
uru) 
{ Vbtf.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.