Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

198 
Altdeutsche Predigten. 
XXXII. Bd. 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 29 
w ä s 
dert) scheint zwar den Anon. Leobiens, auszuschreiben, fügt 
aber noch eine eigenthümliche Nachricht hinzu; die ganze Stelle 
lautet (bey Pez 2 , 732 b . ) : his diebus frater B. — in Auslri- 
am ingreditur praedicando ibidem pariter et Moraviam, 
quem ad ducenta millia bominum secuti sunt, ubi a simpli- 
cihus (vom einfältigen Volk) ut propheta de futuris eventibus 
arbitrabatur. Quem mei progenitores ferebant praedicasse : 
dum Roma ante fores domus yeniet, yideatis periculosa tem- 
pora adesse. Hinc et in silvisj campis aut altis propugnacu- 
Hs praedicabat anno 1263. 
Aus den vorgelegten Quellen geht wohl ohne Widerspruch 
hervor, daß Bert hold zu Regensburg begraben liege und 
daselbst seit 1251 seinen gewöhnlichen Aufenthalt gehabt habe. 
Seine Geburt in dieser Stadt bezeugen indessen erst die späteren 
Onsorg, Aventin und Räder, wie es scheint, nach bloßer 
Vermuthung. Eher möchte ich aus seinem Verhältniß zu David 
folgern, dessen Unterweisung und Lehre der Jüngling B er th 0 ld 
unstreitig in Augsburg empfangen hatte, daß er aus letzterer 
Stadt oder Gegend (aus dem sogenannten Rieß) gebürtig, mit 
hin schwäbischer, nicht baierischer Herkunft war, wozu vielleicht 
stimmt, daß er erst 1251 in Baiern als Prediger auftrat 
(praedicare coepit), vor 1260 aber in dem Allemannien näher 
liegenden G r au b ü n dte n.^Auch mag er späterhin noch zuwei^ 
len herübergekommen seyn, und zu Augsburg Reden gehalten 
haben. Im Cod. pal. 33 (Willens Katalog p. 321) ssndet 
sich eine, wahrscheinlich von U l r i ch F u g g e r (der seine Handschrif 
ten der pfälzischen Bibl. schenkte) beygeschriebene froylick sehr- v-i^k 
-spä^Nachricht/welche folgendermaßen lautet: Anno 1240, istBru* 
der Berchtolldt in leben vund in grosser achtung gewesen, dan 
er} gar giert vnnd in grossen verstand! vill gutzs h i e i n a u g sp u r g 
gebredigt hatt , er hatt auch wider den Römischen Applaß gebre- 
digt, wan derselb von rom kom, so soll man seckhell vund 
deschenn darvor woll verstrickhen« *). Hieraus scheint sich Ber- 
tholds früherer Aufenthalt in Augsburg zu bestätigen, 
obgleich die Jahreszahl 1240 fast zu weit hinaufgeht, und Fug 
ger in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts darüber falsch 
unterrichtet seyn konnte, so wie er sich augenscheinlich darin irrt, 
daß er die Notiz einem Buche einschreibt, das einem andern und 
spätern Berthold angehört, worauf ich unten zurückkommen 
werde. Wie dem sey, B ertholdö Aufenthalt in Augsburg 
*) In wie fern dieser Zusaß aufrichtiger oder falscher Sage und Meinung 
beruhte, ergibt sich aus dem unten Mitgetheilten. S. -81 , Ott Llj. 
Anmerk. d. Ned.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.