Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 29 
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Altdeutsche Predigten. 
XXXII. Bd. 
z wan ne sie dich ihtesiht heizent wirken an dem ruowetagen, 
danne ein ezzen machen und kint besehen oder ein vihe; 
des mac man nilit geraten. Köslin, dir tuot din meister 
unreht, kündest du ez gemerken und gemelden, swanne 
er dich des ruowetagen arbeitet, wan du soltest ruewen. 
Ir sult ouch niht tanzen andern ruowetagen oder spiln oder 
toppein. »Wie, bruoder bertholt, du. wilt uns den wec 
gar enge machen. Suln wir nü nihtesniht ze ampte han, 
weder niergen yarn, noch ander dinc tuon, weder tanzen 
noch spiln ? Se, wie suln wir danne tuon, daz wir den 
tac vertriben ?« Mit Kirchen besuch, Gebet/, zu Haus essen und 
ruhen, Almosen geben, Kranke besuchen und laben, ir sult 
ouch gen, da gevangen liute IigehlU sult die trcesten 
(wohl weniger Sitte der Zeit, als christliche Lehre; Matth 26, 
36, 89). Deß ist gar viel, was ihr in Gottes Ehre und Liebe 
thun könnet, wollt ihr mir anders folgen, »bruoder bertholt, 
rede waz du wellest, wir enmugen ungetanzet niht sin.« 
Ihr sollt Sonntags weder ackern noch tanzen. Der Ackergang 
ist nütze, so ist das Tanzen niemand nütze. Was man den Feyer- 
tag erarbeitet, bleibt und gedeiht nicht, Räuber nehmen es, 
oder der Hagel schlägt es, oder es verbrennt von dem Donner. 
— S. 352: Veruntreuung durch Knechte und Dirnen. 
Sie stehlen Salz und Schmalz, Mehl und Korn, Ey und Käse, 
Brot und Braten. Und doch heißest du ehalt, daß du den Leu 
ten, die in der Ehe sind, Ehre und Gut getreulich behüten und 
bewahren sollst. So geht hinter der Schnitterin ein junges 
Dieblein her, dem drückt sie eine Handvoll nach der andern in 
die Furche.— S. 216: Kinderzucht und Haushalt. Hoher 
Herren Kinder erhalten Zuchrmeister, die Jungfrauen Zucht 
meisterinnen, die alle Zeit bey ihnen sind, und sie Zucht und 
Tugend lehren. Ihr armen Leute könnt sie euren Kindern nicht 
halten. Da ihr aber und eure Kinder das Himmelreich eben so 
nöthig habt, sollt ihr sie selber ziehen. Wan sin in nieman 
so wol schuldic ist als ir. Wan für die zit, als ez eht 
bcese wort sprichet, so sult ir ein kleinez ruetelin neinen 
bi iucli, daz alle zit ob iu stecke in dem diln oder in der 
want, und als ez ein unzuht oder ein bcesez wort sprichet, 
so sult ir imein smitzelin tuon an bloze hüt. Ir sultez aber 
an bloz lioubet niht slahen mit der haut, wan ir mohtet ez 
wol ze einem toren machen. Niuwan ein kleinez r^selin, 
daz vorhtet ez und wirt wolgezogen. Tuot ir des niht, 
so müget ir leiden blig an im werden sehen (werdet ihr 
Kummer an ihm erleben). Am jüngsten Tage müsset ihr darüber 
Rede stehen. S.356, 35y: Die Frauen sind zum Himmel-
	        

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