Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

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Altdeutsche Predigten. 
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kommt zwar vor, aber die nähere Bezeichnung: zu dem süßen 
Riedicht und dem kalten Brunnen, mangelt. Woher hat Ber- 
thold diese Umstände? Wie es scheint, nicht aus Rudolfs 
Weltchronik (cocl. cassell. 144^ Schutzes Ausg. 1, 36), worin 
alles der heiligen Schrift gemäßer erzählt wird. Doch stimmt 
Rudolfs 'Ausdruck: daz wazzer in den munt us werfen 
mit der hant, zu Berthold, wobey die Vulgata (qni mann 
et lingua lambuerint aquas, sicut solent canes lambere) 
nicht zu Grund liegt, Rudolf und Berthold lassen das: 
»wie die Hunde,« weg, und das Aufnehmen des Wassers mit 
der Hand ist heldenähnlicher, als das hündische Lecken. Die 
Zaghaften, die sich im Buche der Richter bloß knien, läßt Ber 
thold sich gleich Pferd und Rind ins Wasser legen, was bey 
Rudolf fehlt. Jene Einstimmung nöthigt, wie mir scheint, 
anzunehmen, daß Berth0ld entweder aus einer älteren deut 
schen Bearbeitung der Bibel mit Rudolf gemeinschaftlich ge 
schöpft habe, oder aus einer vollständigeren Recension des Ru 
dolfischen Textes. Vielleicht hat er auch daher den König M a- 
dian? denn bey Rudolf findet sich madianes riterschaft, 
her, liute (cassell. 144 ^ ) madian mit sinen scharn fliehende 
kam zuogevarn (146^ ), doch so, daß in einigen Stellen deut 
lich das Land gemeint wird. — Sprichwörter finden sich 
zuweilen angeführt. S. 2,5: swaz mit dem ersten in den 
niuwen haven kumet, da smacket er iemer gerne nach. 
0.356: mit sehenden ougen blint. 0.217 mit einigen andern 
Worten wiederholt. 0.2i6: swes daz kint gewont daz selbe I 
im nach dont; daz ist ein altgesprochen v[ort und ist ouch 1 \fT^ 
war. Zu lesen: dont f. deenet, und zu erklären tönet, hindert ' 
der Reim (denn es ist gewiß einer, und ein alter, richtiger), 
man muß also das seltene Verbum denen in Bezug setzen mit 
Conrads ge^xlon tuon (5. B. troj. 3o c . 46°. 53* no b .[) und mY* 
auslegen: das hängt ihm an, schleift ihm nach. Ottokar von ' * . 
Spornes hat nicht nur gedon tuon, sondern auch das Verbum 
denen (629? kamen gedonet, herbeygezogen). S. 356: alter 
gürre bedarf wol fuoters. Redensarten und Vorstellungen, 
die noch in heutigen Kindermärchen Umgehen, lassen auf 
das hohe Alter dieser Erzählungen Schlüsse ziehen. S. 366: 
Die Idee vom Spiegelberg, als einem Orte der Wonne 
und Freude, ein himmlischer Saal, hat nichts Biblisches, es 
ist der Glasberg der Volksmärchen (Kinder und Hausm. 3, 47, 
92,93, 175,2-9). Auch die Goldberge (S. 68, 4»i) 
paffen dahin ((daselbst 2, 38, 3, 265) vgl. Parcifal 126 
0.239: ez ist nieman, er naemez für alle dise werlt, ob 
sie güldin waere, daz er haete Wunsches gewalt (der Aus- 
QM/
	        

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