Full text: Die Gedichte Walthers von der Vogelweide

- I - 27 
do wart er vil gar ze kurz als ein verschroten werc, 
iniites muotes minre vil dan ein getwerc; 
und ist doch von den jären wol daz er niht wahset rnefe. 
do ich dem künege brühte dez mez, wie er üf schoz! 
5 sin junger lip w art beide michel unde groz. 
nu seht waz er noch wahse: erst ieze übr in wol risen gnoz, 
Der künec min lierre lech mir gelt ze drizec marken: 
des enkan ich niht gesliezen in den arken, 
noch geschifFen üf daz mer in kielen noch in barken. 
10 der nam ist groz, der nuz ist aber in solher maze, 
daz ich in niht begrifen mac, gehoeren noch gesehen: 
wes sol ich danne in arken oder in barken jelien?' 
nu rate ein ieglich friunt, ob ichz behalte ode ob icliz lüze. 
der pfaffen disputieren ist mir gar ein wiht: 
15 si prüevent in den arken niht, da ensl ouch iht: 
nu prüeven her, nu priieven dar, son habe ich drinne niht. 
Durhsüezet und geblüemet sint die reinen frouwen: 
ez wart nie niht so wünnecliches an ze schouwen 
in lüften noch üf erden noch in allen grüenen ouwen. 
20 liljen unde rosen bluomen, swä die liuhten 
in meien touwen durli daz gras, und kleiner vögele sanc, 
daz ist gein solher wünnebernden fröide kranc, 
swa man siht schoene frowen. daz kan triieben muot erfiuhten, 
und leschet allez trüren an der selben stunt, 
25 so lieblich lache in liebe ir süezer roter inunt 
und strale üz spilnden ougen schieze in mannes herzen grünt. 
Yil süeziu frowe hohgelopt mit reiner güete, 
din kiuscher lip git wünneberndez hohgemüete, 
din munt ist roeter danne ein liehtiu rose in towes fliiete. 
30 got hat gehoehet und gelieret reine frouwen, 
daz man in wol sol sprechen unde dienen zaller zit. 
der werlde hört mit wünneclichen freuden lit 
an in, ir lob ist luter unde klar, man sol si schouwen. 
für trüren und für ungemiiete ist niht so guot, 
35 als an ze sehen ein schoene frowen wol gemuot, 
so si üz herzen gründe ir friunde ein lieblich lachen tuot.
	        

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