Full text: Die Gedichte Walthers von der Vogelweide

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 267 
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- IV - 
Owe war sint verswunden alliu miniu jär! 
ist mir min leben getrouinet, oder ist ez war? 
daz ich ie wände daz iht waere, was daz iht? 
dar nach han ich gesläfen und enweiz es niht. 
5 nü bin ich erwaht, und ist mir unbekant 
daz mir hie vor was kiindic als min ander liant. 
liut unde lant, da ich von kinde bin erzogen, 
die sint mir frörade [worden] relit als ob ez si gelogen, 
die mine gespilen waren, die sint traege unt alt. 
io vereitet ist daz velt, verhouwen ist der walt: 
wan daz daz wazzer fliuzet als ez wilent floz, 
für war ich wände min Unglücke wurde groz. 
mich grüezet maneger trage, der mich kande e wol. 
diu weit ist allenthalben ungenaden vol. 
15 als ich gedenke an manegen wünneclichen tac, 
die mir sint enpfallen gar als in daz 111er ein slac, 
iemer mere ouwe. 
Owe wie jaemerliche junge liute tuont, 
den nü vil riuwecliche ir gemüete stuont! 
20 die kunnen niuwan sorgen: we wie tuont si so ? 
swar ich zer werlte kere, da ist niernan fro:j 
tanzen, singen, daz zergat mit sorgen gar: 
nie kristenman gesach so jaemerliche schar, 
nü merkent wie den frouwen ir gebende stat: 
25 die stolzen ritter tragent dörpelliche wat. 
uns sint unsenfte brieve her von Rome körnen, 
uns ist erloubet trüre und fröide gar benomen. 
daz miiet mich innecllchen sere (wir lebten ie vil wol), 
daz ich nü für min lachen weinen kiesen sol. 
30 die wilden vogel die betrüebet unser klage: 
waz Wunders ist da bi, ob ich da von verzage ? 
waz spricbe ich turaber man durch iniuen boesen zorn? 
swer dirre wünne volget, der hat jene dort verlorn 
iemer mer ouwe. 
35 Ouwe wie uns mit süezen dingen ist vergeben! 
ich sihe die [bittern] gallen mitten in dem honege sweben: < 
Munt*, diu Welt ist üzen schoene, wiz grüen unde rot, 
und innan swarzer varwe, vinster sam der tot. 
swen si nü habe verleit, der schouwe sinen trost: 
40 er wirt mit swacher buoze grozer sünde erlöst. 
#,2.
	        

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