Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L124 
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der Ehe leben soll. — Ihr geistlichen Leute geht izt 
heim. — i) Man soll reines Gesinde haben, 2) sich be 
wahren vor unrechtem Gut, 3) des Gemahls getreu 
lich pflegen am Gute, daß der Mann der Frau nicht 
die Morgengabe zerführt, sie ihm nicht mit Ueppigkeit 
sein Gut verschwendet; an dem Leibe, daß man nur dem 
Ehgemahl den Leib gibt. — Es sollten Leute von unglei 
chem Alter Vermögen und Stand einander nicht nehmen, 
dadurch würde vielem vorgebeugt—; an der Seele. Diese 
Treue gehört zu dem Bette. Ferner soll man Maaß 
und Zucht am Bette halten. Zu jenem gehört, daß man 
die Frauen meide in fünf Zeiten; an den großen Fasten, 
am St. Marcustag, drei Tage vor Pfingsten, wenn sie 
im Wochenbette, wenn sie schwanger, wenn sie krank 
sind — darin beschämt der Jude den Christen, und Kin 
der, die so empfangen werden, sind häufig Misgeburten 
oder tragen sonst etwas davon. Solches begegnet vor 
nehmlich den rohen und unbesonnenen Landleuten —, 
und des Nachts vor einen Feiertag. -Hierin sind die 
Frauen viel folgsamer, aber sie müssen oft den Männern 
sich fügen, damit nicht Schlimmeres entstehe. Die fünfte 
Feder ist Zucht an dem Bette. Gegen das Gebot Got 
tes, daß die Frauen sollen unterthanig sein, kämpfen und 
streiten sie in Mannes Gewand. Aber auch die Männer 
dürfen nicht mit den Frauen thun, was sie wollen. Auch 
der Liebe darf man nicht den Zügel lassen; dadurch kann 
man leicht in Vcrdammniß kommen. Unwißcnheit deö 
Rechten gibt da keine Entschuldigung, sonst würden Ju-
	        

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