Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

genommen. Ob man euch scheiden solle, das soll man 
dir ins Ohr raunen. Du bedarfst dazu cineS weisen 
Mannes Rath. — Die fünften sind die, die einem an 
dern Menschen verbunden sind. So lange dein Gemahl 
lebt und wo es auch sey, und wüßtest du, daß du ihn 
nie wieder sähest, sei er krumm oder gerade, krank oder 
gesund, du darfst keinen andern nehmen. Das aussätzige 
Weib darf dem Manne nicht erlauben, eine andere Frau 
zu nehmen, damit er ihr desto mehr wohl thue und die 
Kinder beßcr versorgt seien. Das könnte auch der Papst 
nicht erlauben. Will er nicht keusch seyn, er muß zu dir 
ins Häuslein schlüpfen oder ein Ehebrecher sein. — Hast 
du die Ehe mit einem gebrochen und nach dem Tode 
deiues Gemahls ihn zur Ehe genommen, so mögt ihr es 
büßen ohne Scheidung, wenn du ihm nicht sagtest: so 
wahr mein Gemahl stirbt, so nehme ich dich zu rechter 
Ehe „(see, min truwe ist da; min gemechede stirbet, daz 
ich dich zu echter ee nemen wil)", oder: „ich will dich 
ietzunt nemen zu rehter ee, swanne min gemechede tot 
gclit, daz ich dehein anders möge genemen, banne dich" — 
und wenn ihr unschuldig wart an seinem Tode. — So 
lang du nicht sicher weißt, daß dein Gemahl todt ist, 
kannst du keine rechte Ehe haben mit einem andern. 
Auch sollt ihr Frauen nicht Winkelehen haben. Wer 
euch vor den Leuten nicht schwören will, dem vertrauet 
euch nicht an. Er betrügt euch und geht zu anderen, 
und ihr dürft keinen anderen nehmen, weil es euch ernst 
gewesen ist. — Der zweite Fittich ist, wie man recht in 
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