Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L124 
schlecht mehren ohne Sünde. Sie hat zwei Würzelein 
(s. d. Lite Pr.). Da man die h. Ehe nimmer entbeh 
ren könnte, so hat sie Gott mehr geheiligt, als alle an 
dere Orden, Barfüßer Brüder, Prediger, graue Mönche.— 
Gott hat sie hoch geehrt, weil es ein so schämliches Ding 
ist, womit Frauen und Männer ihr Geschlecht mehren, 
daß einfältige Leute darum Angst haben. Aber thun sie cs 
auf die rechte Weise, wie es im Paradies geordnet ward, 
so ist eö keine Sünde. Gott hat die Ehe geboten, indem 
er andere Orden nur gerathen hat, weil ohne sie die Zahl 
nicht erfüllt werden konnte. Und von ihr ist mancher 
Heilige geboren worden. Die keine Kinder bekommen, 
dürfen ohne Furcht sein (s. p, 166.). Itzt ist's nicht mehr, 
wie im alten Bunde, da man die Leute deshalb von ein 
ander schied. — Ihr solltet Gott wohl zutrauen, daß 
Er, der euch die Kinder gegeben, sie auch erhalten werde, 
ohne ungerechte Gewinne. Diese kommen vom Teufel. — 
Aber so heilig die Ehe ist, aus dem geistlichen Leben 
kommt man nicht in die Ehe, aber aus ihr in geistliches 
Leben. — Da sie ein so weiter Orden ist, so will ich eine 
ganze Predigt davon halten. —
	        

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