Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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gemindert, und sein Lohn gemehrt. Man soll aber zuvor 
wohl bereuen und beichten und den Herrn empfahen. 
Bleibt er am Leben, so nimmt es einen Theil der 
Sünden weg, und er wird kräftiger an Leib und Seele. 
Daß eins nachher nicht mehr bei seinem Gemahl liegen 
dürfe, oder kein Fleisch mehr cßen, oder nicht mehr auf 
die Erde treten, oder niemand mehr auf dem Leiiilachen 
liegen, darauf er geölt worden, das ist lauter Lüge, und 
soll niemanden davon abhalten; auch nicht die Furcht, 
daß der Pfader etwas dafür will. Bitte ihn, daß cr's 
unisonst thue; will er's nicht, so begehre es fleißig vor 
Gott mit rechter Andacht, und stirb eher ohne Oelung. 
Denn dingest du mit ihm, das wäre ihm eine große 
Hauptsünde. -- Cr muß cs Gott büßen; denn man soll 
sie umsonst geben. Gibst du ihm etwas von selbst, so 
ist das ein Almosen und er muß das bei Gott geden 
ken, ob du stirbst oder nicht. — Die sechste ist die h. 
Priesterweihe. Ihre sechs Würzelein gehen uns nichts 
an. Wer sie mit Recht cmpfaht, hat größere Gewalt, 
als Kaiser und König, vom Himmel bis zur Hölle. Wem 
er den Hinimel auf- oder zuschließt, wer der auch sei, 
kein Engel kann ihn auötreiven oder einlaßen. Wie einer 
auch gesilndigt hat, unterwirft er sich seiner Gewalt mit 
wahrer Reue, er kann ihn« sofort die Hülle zu- den 
Himmel ausschließen. Darum tragt er auch die Krone 
überall und immer, da Kaiser und Könige sie selten tra 
gen. Nur er kann binden und entbinden. Die siebente 
ist die h. Ehe. Die sie recht empfahen, können ihr Ge-
	        

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