Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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so bist du nicht schuldig ihn deinem Nächsten nach Recht 
zu büßen; außer sofern du es kannst. Der Gitige aber 
muß gänzlich nach Recht büßen. Der Mörder muß die 
Freunde des Ermordeten gewinnen mit Dienst oder „bete" 
oder Gut oder Gottesfahrten, die aber sollen es ihm 
lauterlich vergeben um Gotteswillen, soweit sie können. 
Hat er die Mittel dazu, so büße er's mit Gut den Wai- 
sen. Büßt er nicht Gott und den Freunden, so kommt 
er nimmer vor das Antlitz des Herrn, und wird auch 
nimmek so alt. — Du Mörderin deines eigenen Kindes! 
das thut die schlimmste der Nattern^md der Sxinnen 
nicht. Pfi dich, daß je rin Taufwaßer auf dich kam! 
Willst du der Sünden Unflat treiben, und die Arbeit mit 
den Kindern nicht leiden? Der unreine Wolf geht in den 
Tod um seines Kindes willen rc. — Ihr jungen Prie 
ster, gebt allen Buße nach Gnaden; nach Recht könnten 
alle Menschen eines einzigen Sünde nicht büßen. AdamS 
einzige Sünde konnten er und seine Nachkommen nicht 
büßen, bis sie Gott am hehren Kreuze büßen mußte. Ihr 
Sünder, greift selber die Buße an; Gott will nicht mehr 
für eure Sünde sterben; er will aber die Buße gnädig 
lich empfahen. Das konnte zuvor mancher heilige Mann 
nicht erlangen. Gibt man dir wenig Buße, so mußt du 
desto langer im Fegefeuer brennen. DaS ist aber beßer, 
als immer in der Hölle. Da gewinnt es kein Ende, und 
alle Qual hilft dir nichts, du wirst dem Himmelreich 
immer fremder. Die Buße aber bringt zum Allerheilig 
sten; darum ist sie der sieben „Heiligleiten" eine.— Du
	        

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