Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

er sei weise. Er will nicht zur Predigt gehe»/ weil man 
da nichts sage, als- thu das Gute uud laß das Böse' 
Das wisse er selber wohl (vergl. d. ZZte). Aber daran 
haben die Heiligen alle ihre Kunst gelegt, wie man es 
thun und laßen solle. Viele sind in der Hölle, welche 
meinen, sie thun und laßen es, weil sie nicht weiter wißen 
wollten. Man kann es als» thun und laßen, daß man 
verloren geht. Du magst viel gute Dinge thun mit Ge 
bet, Almosen, Gottesfahrtcn rc., und kommst doch zur 
Hölle. Bleibst du dabei in den Sünden, so hast du jene 
Weisheit nicht. — Viele wollen auch nicht zur Predigt 
gehn, weil sie da etwas hören könnten, das sie nicht 
laßen möchten, und das ihnen mehr Sünde wäre, als 
wenn sie es nicht wüßten. — Aber da würden Heiden 
und Ketzer alle behalten; denn sie wißen die rechte Weis 
heit nicht. Darum hat dir Gott fünf Sinne gegeben, 
daß du lernen sollst, was dir Noth ist für Leib und Seele, 
und Predigt und Messe hören. Es ist eine große Sünde, 
Gottes Wort zu fliehen. St. Augustin fraßt: „welcher 
hat minder gesündigt, der das Gotteswort verschmäht, 
oder der den göttlichen Naincn schmäht? Denn alle Gnade 
und Seligkeit und Würde, die wir von Gott empfahen 
sollen, müssen wir zuerst von Gottes Wort empfahen. 
Nur durch das Gotteswort wißen wir, wer Gott ist und 
wer die Engel sind und womit wir Gott Liebe und Leid 
thun". Nun sieh, was deine Kunst sei gegen der Heili 
gen Kunst. Von den zehntausend Büchern kannst du 
kaum ein halbes Blatt, und wähnest cs alles zu wißen.
	        

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