Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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nicht wohl, so hat er ans beiden Seiten.verloren. Daher 
ist er so ungebärdig und wüthend. Oft nur um ein Wbrt- 
lcin raubt und mordet er, und flucht, so ihm ein Stein 
am Wege liegt. Armer Sünder, du bist übel dran; du 
hast weder Sack noch Korn» Die Himmelskinder aber 
sprechen: Herr, sei darum gelobet! Herr, es sei dir alles 
ergeben in deine Gnade! Herr, dein Wille werde gnä 
diglich vollbracht! Herr, nimm es für meine Sünde! 
Wie hätte sonst der gute Hiob „genesen" mögen vor 
Leid, da er so schnell Gut und Kinder verlor? Da war 
die Gnade Gottes aufgethan vor seinen Augen und in 
seinem Herzen, weil er sie verdient hatte. Sein Trost 
auf sie hin, ließ ihn nicht sterben, noch große Ungedult 
haben. Wie hatte unsere Frau genesen mögen, da ihr 
ein so edles Kind starb, an dem sie so viel übergroße 
Tugenden erkannte. Und so viel mehr er erhöhet war 
über andere Menschen, so viel näher gieng ihr seine Mar 
ter als einer andern Mutter. Das Schwerdt Symeons 
gieng durch ihre Seele. Und da sie auch mehr und un 
menschlichere Marter an ihm sah, als je eine Mutter an 
ihrem Kinde, so hätte sie nicht genesen können ohne den 
Trost zu den ewigen Freuden. Zu dem reinen Herzen 
läßt der h. Geist keine Unruhe (ungemach) komme,:. 
Geschieht den Himmelskindern ein Leid, sie machen eS 
sich zu einem Liebe rc. So kann nichts dem Menschen 
schaden, als die Sünde. Dafür bin ich euch Bürge zu 
Gott, daß euch nichts schaden kann, daß Gott euch hun 
dertmal wiedergiebt, und das ewige Leben, wenn ihr mir
	        

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