Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

>— 4oS — 
Zeichnet die Fraßheit, übermäßig Eßen und Trinken, wenn 
du fasten solltest rc. — DaS Hin - und Herwerfen der 
Arme bezeichnet, daß du oft die Arme nach der Unkeusch 
heit geworfen, und hoffartig geschwungen zu Tanz und 
Umarmung (Helsen) oder zu Raub und Mord rc. — Daß 
Hände und Nägel schwär» sind, das bezeichnet, daß du 
ungerne Almosen gibst, und ungerne mit den Nageln an 
das Herz klopfest, und ungerne die Hände aushebst zu 
den Gnaden unsers Herrn, und ungerne eine Messe an 
stellest (frume) deinen Voraltcrn. Denn du^stllst sie 
ehren auch nach ihrem Tode. Und kannst es nicht mit 
Almosen und Messe, so gedenke ihrer getreulich in deinem 
Gebet; denn das haben sie wohl um dich verdient, und 
wenn auch nicht, so bist du es ihnen schuldig. Kein Al 
mosen ist der Seele so nützlich, als eine Messe thun, 
ausgenommen das Wiedererstatten für sie. — Daß der 
Kranke die Füße von sich und zu sich zieht, das bezeich 
net das ungerne zur Kirche gehen und zu Kranken, sie 
zu trösten rc. Daß die Füße kalt sind, das bezeichnet daS 
Erkalten an der Liebe Gottes, und Trägheit im Gottes 
dienste. — Für alle diese Krankheiten sollen auch die Priester 
umsonst die Arznei geben: ihr gebt ihnen denn von selbst 
etwas, daS seid ihr ihnen schuldig, und das haben sie mit 
Recht. —7 Einige Krankheiten aber können auch die größten 
Meister nicht vertreiben, auch nicht Meister Hypocras (Hip- 
pokrates) und Galienus und Constantinus und Avicenna 
und Macer und BartholomeuS, die alle Künste von Arz 
nei erfunden und erdacht haben. So den Aussatz und
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.