Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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h. Buße ernstlich anzugreiferr. Findest du solche Krank 
heit an dir, so denke nicht: warte bis Weihnachten, so 
mußt du doch beichten; sage dann eins mit dem andern! 
Du weißt ja nicht, ob du morgen noch lebst. — Das 
erste Zeichen des Todes ist, daß der Kranke sich gegen 
die Wand kehrt und die Leute ungern ansieht. Das be 
zeichnet Neid und Haß. Das zweite, daß die Augen ge 
spitzt sind, bezeichnet die Unkcuschheit. Die in unkeuscher 
Begierde andere ansehen, verwunden manches reine Ge 
müth. — Laßt euer spitzes Aeugeln, denn davon kommt 
manche tödtliche Sünde, die nimmer geschahe, wenn ihr 
vor euch hinsähet. Das dritte, daß die Ohren kalt und 
gelb sind, bezeichnet, daß man ungern Predigt und Messe 
Hort, und gerne Lügen spiee und üble Nachrede gegen 
den Nächsten oder Kunde von seinem Unglück. — Das 
dritte, daß der Kranke die Achseln auf und nieder zieht 
mit dem Athem, bezeichnet, daß man den Leib oft hof- 
fartig getragen hat, und üppig hin und her gewunden 
und gebrosten, mit Tänzer» und Treten rc. — Daß dem 
Kranken der Mund kurz ist urrd aufaekrümmt, bezeichnet, 
daß dir der Mund zu kurz ist, ein Pater noster, ein Ave 
Maria und den Glauben zu sprechen, und den Psalter 
zu lesen, ur»d eure „Tage zit" (Morgen- u. Abendgebet) 
zu sprechen. Darin beschämen euch die Juden. Die zer 
fahrene Zunge des Kranken bezeichnet so manche unnütze 
Fahrt, die deine Zunge thut in deiriem Munde, auf dei 
nen Nebenmenschen, mit Lügen, Nachreden, Schnreicheln rc. 
Daß die Zahne wackeln (wagen) und gelb sind, das be-
	        

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