Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L124 
Gebreche» an den Leuten sind. Darauf sollen die Prie 
ster wohl sehen in der Beichte, welcherlei Gebrechen ein 
Mensch habe, wie sie ihn berichten sollen, ob er aussätzig 
sei oder „uzgebrosten". Das wäre gar schlimm, wenn 
man einen unschuldig des ersteren bczüchtigte und so 
vor den Leuten thäte; noch so schädlich wäre es, wenn 
man einen der aussäzig wäre, bei den Leuten ließe. Und 
wenn sie das erkennen, so sollen sie auch noch wißen, wo 
das Gebrechen sei. Denn man liest im alten Bunde von 
Aussätzigen an den Haaren, an dem Barte :c. — Darum 
sollen sie wohl gelehrt sein. Und ihr sollt eure Kinder 
nicht zwingen zunr lernen, wenn ihr seht daß sie un» 
gerne lernen, so laßt sie davon los. Und wenn ihr seht, 
daß sie Betrüger und Lügner sein wollen, so erlaßt euch 
die Sünden; denn um alle die Seelen, die sie also ver 
säumen, müßen sie Gott antworten. „So habet ir dar« 
umber kleine sorge, daz eht man uch die kirchen lihe, 
daz ir die nießet, und einem armen pfeffelin ein wenig 
darumb gebt, daz ir einem ftumen psaffen nit v!l gebt". — 
Lieber macht einen Laien aus ihm, einen Kramer oder 
was cs sei, als daß der Schatz des Herrn versäumt 
werde. Und ihr Herrn „vitzdum", weiset ihr aus Gunst 
oder einer Bitte zu liebe (durch betten) einen der unge 
lehrt und der Weihe nicht werth ist, so müßt ihr Gott 
darum antworten. Die jungen Priester sollen wohl wissen, 
wer „uzgebrosten" sei, und wer äussazig, welches täg 
liche und welches tödtliche Sünden, wer ausjazig istp dem 
sollt ihr den Herrn nicht gebe», weder mit gesundem noch
	        

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