Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

ZgS 
Du sagst: ich bin in der Brüder Rath, und beichte ihnen 
alle Jahre, und sie sind oft in meiner Herberge, ich 
habe mich in ihre Brüderschaft und in ihr Gebet gekauft, 
daß sie meine Vigilie begehen sollen, mit Singen und 
Lesen, wenn ich sterbe. Das ist recht gut tmb das mag 
dir Gott vergelten, was du uns zu Gute thust, und wir 
sollen dein gerne gedenken früh und spat bis an deinen 
Ted, und hernach gar schön singen und lesen die langen 
Vigilien und schönen Seelenmessen, und laute requiem 
aettrnam, und wir holen dich gar schön von deiner Pfarre 
mit unsern Proccßen, und bestatten dich in unserem Mün 
ster und legen dich vor den Altar. Aber die Teufel ha 
ben seine Seele gleich, wie sie aus dem Munde fuhr, 
zum Abgrund der Hölle geführt. — Und waren alle Trop 
fen, die je regneten, graue Mönche und schwarze Predi 
ger, und meine Brüder Patriarchen und Propheten, Mär 
tyrer und Bekenner (bihtiger), Wittwen und Jungfrauen, 
und lasen und sängen sie immer, und weinten blutige 
Tropfen zu Gott um deine Seele bis zum jüngsten Tage, 
es hülfe dir nichts. Willst du einen Schilling nicht er 
statten und du weißt, wem du ihn schuldig bist, so geh' 
in ein Kloster, sei wie ein keusches und reines Turtel- 
täublein, steug mit den Brüdern zu den Metten, faste 
! alle Tage, fleug mit den andern Täublcin ein und aus zu 
den sieben Zeiten von dem Chore in „rebenter", von da in 
das Schlafhauß, die Teufel nehmen dein wahr, bis die 
Seele aus dem Leibe fahrt und führen sie dann in den 
Grund der Hölle. Stifte alle Tage Gott ein Kloster
	        

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