Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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Und täglich thut er das Zeichen, daß di« Erde auf 
nichts schwebt. Kein Kaiser ist so gewaltig, daß er 
einen Pfennig mag aufhängen, daß er auf nichts 
schwebt in der Luft. Die drei größten Zeichen sind, 
daß Gott einen Sünder bekehrt, daß er Himmel 
und Erde aus nichts machte, und eins, daS er noch 
thun will vor dem jüngsten Tage. Weil das erste so 
groß ist, so fahren auch täglich viele tausend zur Hölle; 
oft sterben sie eines unrechten TodeS; weil der Herr nicht 
ertagen mag den Gestank ihrer Sünde, so stößt er sie 
noch weiter von sich, obwohl cs viele hundert tansent 
Meilen von der Erde zum Himmel ist. Und je näher 
das Ende der Welt ist, desto mehrere fahren zur Hölle, 
mit der Sündenfluth am Ende, wie mit der Wasserstuth 
am Anfang. Da spotteten sie der Boten Gottes. Der 
sprach: ich weiß einen Berg, darauf nie Wasser stieße» 
kann re. — Da sie nicht beßer wollten, ward „Schimpf 
zu einem Ernst", sagt die Glosse. Und das Wasser gieng 
von unten herauf und von oben herab, und alles er 
trank, außer waö in der Arche war; und ein Mann war 
im Paradies *), der ist auch darin; der andere kam nach 
der „Süntflut" dahin. D Brunnen von unten her 
auf bezeichnen das arme Vdlklein, die Regen von oben 
die Reichen und Hohen. Jene fahren meist zur Hölle 
mit fünf Arten der Sünde, diese mit vier. — Jene sind 
i) Neid und Haß, worin die meisten befangen sind, 2) Un» 
*) Ohne Zweifel Henoch, der zweite Elias-
	        

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